höher,
Du erreichest uns nicht, höher treibst du uns nur. Schon vorbei dem brandenden Leuchtturm schützt
uns George,
Der in sicherem Port zähmet den Drachen sogleich! – Liebliche Ruhe des Hafens nach wildem Gesause der
Stürme,
Dann erst siehet man ein, wie es auf Erden so schön! Wie von Neugier ergriffen, so heben sich übereinan
der
Grüssend der Strassen so viel, drüber erhebt sich Ge
birg,
Höher noch Heldengetürm, da wachet der Festungen
Reihe,
Schützet uns gegen den Nord und wir schweben im
Süd.
Ei wie ist's? Ich glaubte zu schauen und werde be
schauet,
Amphiteater erscheint hier die Erde gesamt: Spiel ich ein Schauspiel euch vor, ihr bunten Türken
und Mohren,
Dass ihr so laufet und schreit an dem Zirkus umher? Kommen von Troja wir heim, am Ufer die Frauen und
Kinder,
kennen den Vater nicht mehr, freuen sich seiner denn
doch?
Also befreundet ich wandle auf schwankendem Boden
und zweifle,
Aber sie kennen mich bald, bald erkenne ich sie. "Fingal" und "Fingal", da rief's schon, muss ich erwa
chen in Schottland
Bin ich noch immer kein Held, bin ich noch immer im
Traum?
Muss heimkehren zur Erdhütt, keinen der Menschen
verstehe ich,
Muss mir schlachten ein Lamm, rösten das lebende
Stück,
Mehl von Hafer so rauch mir backen zum Brote im
Pfännchen
Und des wilden Getränks nehmen viel tüchtige
Schluck.
Wanderer Mond, ach du schreitest die stumpfen
Berge hinunter,
Nimmer du brauchest ein Haus, dich zu stärken mit
Wein;
Alle die Wolken, sie tränken dich froh mit schim
mernden Säften,
Ja dein Überfluss fällt, tauend zur Erde herab, Nimmer du achtest der gleichenden Berge und Gräser
und Seen,
Denn im wechselnden Schein, du dich selber erfreust; Siehe mein Leiden, o Mond, durch deine gerundete
Scheibe,
Schmutzig ist Speise und Trank, was ich mir wün
sche, das fehlt.
Die Gräfin las diese Verse mehrmals und gewann dadurch mehr Zutrauen zu dem Grafen in seinem Verhältnisse zur Fürstin. Wieviel edler ist er als Waller, dachte sie; zum erstenmal fühlte sie auch ein Bewusstsein, als sei ihr Fehler in ihren Kindern abgebüsst. Heiliger Gott, was hast du den Dichtern für Kraft verliehen in der Welt!
Der folgende Tag war der dreizehnte Geburtstag des frommen Johannes. Dolores wurde in der Erinnerung jener früheren Zeit wieder sehr gerührt, noch mehr aber durch die Abwesenheit dieses Sohnes, der sein Kloster in dem letzten Jahre nicht verlassen durfte; sie betete lange in der Schlosskapelle und es schien ihr, als wenn ihre Bitte ihn zu sehen, gewährt werden müsste. Wirklich trat Johannes mit zweien Ordensgeistlichen, kurz nach ihrer Zurückkunft ins Zimmer, in den Kreis ihrer Kinder, die beschäftigt waren, ihm die gewohnten Geburtstagsgeschenke, prächtige Blumensträusse mit schönen Bändern, Zeichnungen, Verse einzupacken, um ihm alles nach dem Kloster zu senden. Alle liefen mit jubel auf ihn zu, besonders eine Schwester Hyolda, mit der er sonst eine besondere Vertraulichkeit gehalten; aber den ersten Kuss schon verhinderte die Verwunderung, wie er sich verändert habe. Er war nicht gewachsen, hatte aber in dem letzten Jahre seiner Abwesenheit seine männliche Bildung ganz beendigt; der Kirchendienst und die Frömmigkeit hatten die starre Heftigkeit in ihm vernichtet; er drückte niemand mehr an sein Herz, dass er aufschrie, und stiess keinen von sich, dass er weinte; mit einer anständigen Güte, die den Geschwistern als Kälte erschien, begrüsste er alle. Hyolda war untröstlich, sie weinte, dass er sie nicht mehr liebe, und verliess rasch das Zimmer. Johannes fragte nach dem Vater; der war aber schon sehr früh in Geschäften ausgeritten. Die Ordensgeistlichen hatten unterdessen der Mutter erzählt, dass Johannes durch seine frühe Reife in Kenntnissen, Sitte und Heiligkeit heute die Priesterweihe sich erworben habe; sie war entzückt über die Gnade des himmels, die ihr ein so wunderbares Kind verliehen; sie schlichtete den Streit der Geschwister über ihn, indem sie allen anbefahl, ihn als ein geheiligtes Mitglied des Ordens mit ihren kindischen Grillen zu verschonen. Keines von den Kindern wusste recht zu begreifen, wie der Johannes, den sie alle so genau zu kennen glaubten, nun plötzlich etwas anderes geworden; er suchte ihnen alles in Liebe und Güte deutlich zu machen, fand aber noch weniger Berührungen wie sonst wenig Mitteilung mit ihnen, machte sich deswegen von ihnen los und schlich in den Garten zu seinen ehemaligen Anlagen. Mit Wehmut fühlte er da, dass sie alle wie ein fremdes Werk, wie eine ferne Zeit vor ihm lagen, und kam in solchen Gedanken an den Fluss Skamander, der den herzoglichen Garten durchschneidet, indem er sich über Felsen herabstürzt. Er setzte sich ans Ufer, und hörte an dem entgegengesetzten eine schöne stimme, die ein Duett zwischen zwei Diskantstimmen, Mutter und Tochter, worin er sonst die eine der Mutter häufig mit Hyolda gesungen, mit wunderbarem Ausdrucke einsam anstimmte.
DIE stimme:
Wald'ge Hügel, grüne Auen,
Frühlingsheimat, heimlich Glück,
Freude, endlich euch zu schauen,
Freude strahlet ihr zurück.
Mit dem schönen Tenor, den er bekommen und im Kirchendienste ausgebildet hatte, sang er seine Gegenstrophe:
Sieh wie dein befriedigt Lächeln
Ziehet übern grünen Wald
Und die Winde dich umfächeln,
Alles dir entgegen schallt.
Jetzt schrie die Sängerin auf, und trat am andern Ufer aus dem Gebüsche hervor: es war Hyolda, sie erkannte ihn jetzt