waren meist Gesichter seiner Bekannten im schloss. Die Mönche waren sehr erfreut über den Tausch, und der Graf liess den Wagen voll Schränke, wie im Triumphe, mit Musik zu sich einfahren. Die Fürstin, die alles ergriff, was ihm Vergnügen machte, bat es sich aus, dass die Sammlung in ihrem haus aufgestellt werde; der Schreiber, welcher gute Kenntnisse von den neueren mineralogischen Systemen hatte, solle sie in seinem Zimmer durchsehen und ordnen. Der Graf willfahrte ihr und lebte, in der Sammlung vertieft, halbe Tage in ihrer Nähe. Lächeln musste er, als er auch in dieser Sammlung die Besorglichkeit des Prinzen vorscheinen sah; die giftigen Metallkalke waren alle schon im Äusseren des Schiebkastens mit dem Zeichen des Totenkopfes und der Knochen aller leichtsinnigen Neugierde, die sie unvorsichtig abreiben könnte, verwarnt.
Nach einiger Zeit wurde von Anselmo, dem Mönche, der die fabelhafte geschichte des Prinzen nach sizilianischer abergläubischer Art vorgetragen hatte, die Nachricht gebracht, der Prinz wünsche die Fürstin zu sprechen, er hätte ihr etwas Geheimes zu eröffnen. Die Fürstin schlug es ihm aber für immer ab; seit sie sich in so heimliche Verbindung verstrickt hatte, mied sie alle heimliche, wahrsagende Menschen, Kartenleger, Zigeunerinnen, selbst die Sibyllenhöhle bei Marsalla. Bald darauf glaubte man den Prinzen in der Nähe verkleidet gesehen zu haben; der Graf wollte ihn deswegen besuchen, er verschob es aber so lange, bis es zu spät war. – Der Prinz schickte ihm nach einiger Zeit einen schön gemalten Stammbaum, der seine Verwandtschaft mit der Fürstin bewies. – Der Graf hörte zuweilen bei der Fürstin ein wunderliches ängstliches Geräusch – wohl dem, der im Bösen die geheime Warnung versteht, ihr schien es ein leerer Schrekken. Einmal stand die Gräfin dicht hinter ihr; sie hatte nichts kommen hören, weil sie über des Grafen Schulter lag, der vor den Mineralien sass und ordnete, kleine Zettel anklebte, und im Anschauen verloren war. Die Fürstin schrie auf; sie meinte, es wäre wieder jenes Geräusch, das sie umgebe, und der Graf strafte zärtlich seine Frau, wie sie so erschrecken könne; wirklich ist das Leisegehen eine Art Falschheit oder Bosheit, aber die Gräfin war laut aufgetreten, der Graf war nur in den Mineralien, die Fürstin in ihm vertieft. Aber ist es nicht bedeutend, wenn uns zufällig das Bekannte durch seine unerwartete geliebte Nähe erschreckt? Die Gräfin hing diesem Gedanken nach; ihr war, als hätte sie etwas sehr Ähnliches, was sie dort erblickt, in früherer Zeit gelesen; sie suchte unter ihren längst vergessenen deutschen Büchern nach, und fand im vierzigsten Teile von Wallers sämtlichen Schriften folgende Versuchungsgeschichte bei seinen mineralogischen Wanderungen, die wir als eine Darstellung Italiens hier auch wohl dulden mögen, wenn sie gleich unsre geschichte unterbricht. Was ist uns denn in einer geschichte wichtig, doch wohl nicht, wie sie auf einer wunderlichen Bahn Menschen aus der Wiege ins Grab zieht, nein die ewige Berührung in allem, wodurch jede Begebenheit zu unserer eigenen wird, in uns fortlebt, ein ewiges Zeugnis, dass alles Leben aus Einem stamme und zu Einem wiederkehre. Warum sind doch die Leser meist so ungeduldig, warum muss ich hier Ereignis auf Ereignis zusammendrängen und von der liebevollen Erziehung der Kinder, wie Dolores und Klelia sie ihnen geben, muss ich ganz schweigen, um mich nicht in unendlicher Betrachtung zu verlieren. Überschlagt nicht diese lehrreichen Verse.
Elegie aus einem Reisetagebuche in Schottland
Genua sehe ich im Geist, so oft die unendlichen Wel
len
Halten den Himmel im Arm, halten die taumelnde
Welt;
sehe ich die klingenden Höhlen des nordischen Moh
renbasaltes,
glaube ich die Erde gestützt auf den Armen der Höll; Dann, dann sehne ich mich in deine hellschimmernde
arme
Weisser carrarischer Stein, kühlend die schwülige
Luft,
denke ich der Treppen und Hallen von schreienden
Menschen durchlaufen
Keiner staunet dich an, jedem bist du vertraut. Sage Vertraulichkeit mir, du innere treu mir gehegte, Was zum Norden mich trieb, ach und du schweigest
beschämt.
Meine Begleiter, die rufen sich Geister des Fingal im
Echo,
Und ich denke mich fern, hin nach südlichem Land, Liege am Felsen gestreckt mit zierlich gebundenem
Tagbuch,
Und verlange vom Geist, dass er was Gutes bescher! Fingal, das klinget schon wieder so hell, mir wird
doch so trübe,
Frierend wähn ich mich alt, Jugend verlorene Zeit! Dreht sich die Achse der Welt? Wie führt mich Pe
trarka zu Fingal,
War es doch gestern, ich mein, dass ich nach Genua
kam.
Ja dort sah ich zuerst das Meer, das nun mehr mir
grauet,
Weil es vom Vaterland mich, von den Freunden mich
trennt;
Damals von der Bocchetta herab in des Frührots Ge
wühle
Sah ich die Hoffnung darauf, weichlich im schweben
den Bett,
Nicht am Anker gelehnt, nein sorgenlos schlum
mernd, sie dreht sich,
Dass die Schifflein so weiss, flogen wie Federn davon; Lässig band sich vor mir die Göttin das goldene
Strumpfband,
Zweifelnd, dass frühe so hoch steige der lüsterne
Mensch.
Und so stehend und ziehend am Strumpfe sie lebte
und schwebte
Wie ein Flämmelein hin über die spiegelnde Welt. "Fiametta!" ich rief, mir schaudert, sie fasste mich sel
ber,
Ja ein Mädchen mich fasst, lächelnd ins Auge mir
sieht;
"Ich bin's!" sagte sie peitschend den buntgepuschel
ten Esel,
Dass aus dem ledernen Sack schwitzte der rötliche
Wein:
"