, bis ich bin eingetreten; mein entarteter Sohn, der sich einem wilden Leben ergab, verleugnete den Segen seines Hauses." – Der Mönch fuhr fort: "Ganz anders erging es dem männlichen Stamme dieses Hauses in Sizilien; sein Unglück ist ein Irrgarten, jede Ehe war mit Mord bezeichnet; es ist keiner in dem haus, der nicht entweder sich oder einen der Seinen umgebracht hat. Dem jetzigen Prinzen, der durch frühes Unglück seine Eltern verloren, dem Letzten seines Hauses, wurde in einer ängstlichen Erziehung eine so gewaltige Scheu vor den Menschen, vor jedem Unternehmen beigebracht, dass er nie zu etwas kam, sobald er etwas dabei tun sollte, und nie etwas annehmen mochte, was ein andrer für ihn tat; so verzögerte er in gewaltsamer Anstrengung seines Geistes jedes Unternehmen, bis es unmöglich auszuführen war. War eine Stelle eben besetzt, so wünschte er sie sich, die er vorher ausgeschlagen. Er liebte, und wurde geliebt, aber er konnte sich zu keinem Worte entschliessen, dieses auszudrücken; seine Geliebte starb aus Gram darüber; ihre nachgelassenen Worte der Liebe zerrissen sein Herz. Er beschloss in sich seinen unglücklichen Stamm zu vertilgen, der nur Unglück erfahren und Unglück gebracht hatte! In stiller Verzweiflung zog er sich von allen Menschen zurück; aber seine Schönheit, sein Verstand zogen manche zu ihm, sein Reichtum brachte ihm vielen Zuspruch; so beschloss er mit seinem Reichtume etwas zu begründen, das die Leute von seiner Schönheit abschreckte, indem es ihm den Ruf des Wahnsinns gebe; so entstand der berufene Palast, der wohl eine Menge Neugierige für ein paar Stunden herbeizieht, aber sie alle sehr bald ermüdet und zurück weist. Als die Maurer diesen Palast bis zu der Höhe aufgerichtet hatten, dass er vom Meere gesehen werden konnte, da haben sie eines Morgens eine weibliche schöne Gestalt auf einer Klippe sitzen sehen, die mit grünen Augen auf den Bau geblickt, während sie ihr nasses Haar mit den Fingern durchzogen; ihr Haupt wurde dabei von Meervögeln mit klagendem Geschrei umkreiset. Als sie verwundert zu ihr hingeblickt, ist sie untergetaucht. Ob der Prinz dieses Meerweib gekannt, lässt sich nicht bestimmen; er habe sich nicht verwundert und gleich gesagt, ob es nicht sechs Uhr Morgens gewesen, welches sie alle bejaht. Nach einiger Zeit hat der Prinz ein paar Fischermädchen, die gut schwimmen konnten, im Singen unterrichten lassen, dass sie nahe bei dem Landungsplatze die Fremden als Sirenen begrüssen. Es ist ein Gerede unter den Menschen, dass er einen nächtlichen Umgang mit dem Meerweibe habe, wenigstens schifft er sich oft Nachts ganz allein, selbst wenn es stürmt, in einem Boote ein, fährt auf die Höhe, und kommt erst nach Sonnenaufgang zurück; ich weiss nichts davon, aber ein Schiffer, der ihm dies Boot in Ordnung hält, sagte in der beichte, dass er einst zwei schöne Perlen darin gefunden, die er sich zugeeignet und für tausend Zechinen verkauft habe. Andre sagen, es sei die Sibylle von Marsalla, mit der er zu tun habe, gewiss ist dort der einzige Ort, wo er sich am Abende vor dem Johannisfeste in der bekannten Grotte einfindet, von dem wunderbaren wasser trinkt, und in die schallende Höhle wunderbare fremde Worte ruft, die ihm eben so wunderbar beantwortet werden. Viele Menschen, die von Wundern nichts halten, sagen, dass er in geheimer Verbindung stehe mit der berufenen Tuneser Seeräuberkönigin Onanide, die alle monat ihm einen Besuch ablegen soll; gewiss ist, dass an einem Tage im monat, welchen der Mondenlauf bestimmt, sein Schloss nächtlich erleuchtet ist; aber keiner seiner Leute darf bleiben; er lässt sie hinaus, und zieht selbst die Zugbrücken auf. Nach jeder solchen Nacht schickt er in der ganzen Gegend Geschenke aus, meist fremde Sachen, die hier nie gesehen, die niemand brauchen kann. So sendete er im vorigen Monate grosse schöne Schränke in unser Kloster. Wir öffneten sie mit grosser Neugierde; aber denken Sie sich, was wir in den Schiebekasten fanden: Felsstücke, sauber eingepackt auf Baumwolle gelegt; kein einziger kostbarer Stein war darunter." – "Das wird eine Mineraliensammlung sein", sagte der Graf, "die wäre mir willkommen, ich habe gerade darin am meisten nachzuholen und nachzulernen." – Der Mönch versicherte, dass ihm diese Sammlung gegen irgend ein Geschenk, das zum Kirchendienste taugte, gern überlassen werde; der Graf wurde darüber sehr heiter und fast ungeduldig sie zu besitzen. Die Fürstin äusserte, dass die wunderbare geahndete Verbindung des Prinzen vielleicht eine Muse sei: ein gänzliches Ergeben an Studien, denn dies Geschenk sei gar zu wissenschaftlich für eine Meerfeie, oder für eine Seeräuberin. – "Nein", sagte die Gräfin, die alles Allegorische hasste, was ihr eine geglaubte Wirklichkeit entrückte, "es ist gewiss eine Meerfeie, welche ihrem Freunde von den untergegangenen Schiffen alles herrliche verehrt." – Darüber verloren sich die andern in Wünschen nach diesen untergegangenen Schätzen; einer wollte Michael Angelos Zeichnungen zum Danke, ein andrer Hamiltons Vasen; die Fürstin aber meinte, wenn ihr niemand wiederschaffen könne, was an Kunstwerken in Feuer aufgegangen, von der Erde verschüttet sei, so möchte das wasser immer seinen teil behalten, manches solle nun einmal der Welt verloren gehen. Gleich den folgenden Tag fuhr der Graf mit einem schönen Altarbilde nach dem Kloster, das ihm ein junger Maler Grimm aus Deutschland zurückgelassen hatte; es stellte die Einsetzung des Abendmahles dar; die Köpfe der Apostel