er verschlossen, als hätte die natur alle seine Lust zum Schrecken, zur Gewalt aufgezehrt, dass der Liebe nichts geblieben. Als sich aber einst die Tochter des Kaisers Otto, Helena mit Namen, bei einem feierlichen Gestech in ihn verliebte, der Kaiser sie ihm zur Gemahlin bot und er sie öffentlich ausschlug, da musste er bei Ritterpflicht dem Kaiser bekennen, was ihn im ehelosen stand halte. Der Ritter von Stauffenberg bekannte, dass er mit einer schönen Meerfeie seit Jahren verheiratet sei, deren Name Nixe, nachher allgemein für die Geister der wasser gebraucht worden; ihr sei er mit seinem ritterlichen Handschlage verpflichtet, den er ihr einst bei seinem ersten Auszuge in die Fremde gegeben, als sie ihm Liebe und Schutz gegen alle Fährlichkeit seines Lebens zugesagt hätte. Wann er es wünsche und er allein sei, erscheine sie ihm in ewiger Jugend wie das erstemal, herrlich gekleidet aber mit nassen Haaren; sie wäre dann gefällig seinem Willen als einer ehelichen Frau gezieme und habe ihm ein Mädchen Sigelinde geboren; in allem öffentlichen Verkehre und was er denke und dichte, erscheine sie dagegen nie, aber sie flüstere ihm oft, wo er in Not sei, guten Ratschlag ein, und habe ihm erst den Morgen zugerufen, sich stumm zu stellen, was er aber aus Ritterpflicht unterlassen. Die Geistlichkeit erklärte die Meerfeie für einen Teufel, dem der Ritter entsagen müsse nach seiner ritterlichen Ehre, und der Kaiser schwor, dass er zum offenen Zeugnisse dieser Entsagung seine schöne Tochter Helena, die aus Liebe zu ihm sterbe, sogleich heiraten müsse. Der Ritter versicherte, dass die Meerfeie ihm heilig zugeschworen, er müsse nach dreien Tagen hinsterben, nachdem er die Treue zu ihr gebrochen; aber die Ritter riefen einmütig, dass solche Furcht vor dem Teufel keinem Ritter gezieme, der Leib und Leben dem Werke Gottes geweihet. Der Ritter fühlte sich überwiesen, die Verlobung mit Helena wurde gleich vollbracht; noch eine Nacht erbat er sich vor der festlichen Verheiratung. Als er allein war, da wünschte er zu sich die geliebte Frau; sie erschien, aber ihr fröhliches Auge war in Tränen erloschen, nicht bloss ihr Haar, ihr ganzes Kleid war genässt; sie konnte kein Wort sprechen, als sie den Ritter an sich drückte. 'Ach weh, dass ich zu Ruhm gekommen, dass mich ein fürstlich Weib genommen', so rief der Ritter und die Meerfeie schluchzte, dass er ihr nicht mehr gefolgt sei; in dreien Tagen, da sei er tot und sie verfalle in der Liebe Bann. Die drei Tage solle er fröhlich geniessen, am dritten Tage wolle sie ihm zeigen den Fuss, auf den er sie zuerst geküsst, dass jedermann ihn sehen könne zum Zeichen, dass sie kein Hirngespinst sei. Und da umfingen sie sich zum letzten Mal, und da sagte er: 'Ach Sterben ist nun mein Gewinn, weil ich nimmermehr bei dir bin.' Schon klang es im schloss von der verhassten Hochzeitfeier; sie verschwand, Lärmen und Pracht, Wein und Liebkosungen machten ihn bald der Drohung wie eines Traums vergessen. Die Vermählung geschah feierlich; der alte Kaiser begrüsste die Neuvermählten am folgenden Morgen, wie sie Arm in Arm, von Freuden müde an einander eingeschlafen waren, und brachte ihnen kostbare Mäntel und Rüstung, fand aber die ganze Decke des Bettes mit so kostbaren Perlen gestickt, dass seine Geschenke davor ganz ärmlich erschienen. Diese Perlen waren die Tränen der verlassenen Meerfeie und der Ritter erkannte sie wohl beim Erwachen; wo aber kein Ausweg zu finden, da schreitet der Mutige vorwärts, und so verging auch der zweite Hochzeittag in Lust, und am andern Morgen fand er die Decke so reich mit Perlen besetzt, dass sie ihn fast erdrückte. Am dritten Hochzeittage endlich, als eben die Gäste scheiden wollten, da durchstiess etwas die Decke, über der das Brautbett gestanden; dem Ritter entfiel der hohe Pokal, er und alle Anwesenden erblickten einen wunderschönen Weiberfuss, wie ihn Helena wohl nicht zeigen konnte, so schön sie übrigens war. allmählich befiederte sich das schöne Bein, – bald drang eine Seemöwe an der Stelle ins Zimmer, die es mit Jammergeschrei umkreiste, und sich dann durch das offene Fenster in den Rheinstrom stürzte, der immerdar nach dem Meere läuft. Der Ritter erkrankte während dieses Gesichts; alles floh, nur seine Helena blieb bei ihm, und wartete seiner bis er den Geist aufgegeben. Sie bauete ihm ein Denkmal: sein schönes Bild, wie er von den Fluten fortgerissen, mit seinem Ritterschwerte, das da wurzelt und grünt, von der Erde festgehalten wird. An diesem Denkmale wurde sie mit dem Beistande einer fremden Frau von einem Knaben entbunden, den sie nach dem Vater nannte; die unbekannte schöne Frau brachte ihr, statt einen Dank zu verlangen, mit vielen Tränen ein Töchterlein von zwei Jahren, Sigelinde: und bekannte ihr, dass es des Ritters Tochter von ihr sei, und da verschwand sie als ein Vogel und versank unten im Rhein. Helena hatte also zwei Kinder ihres Ritters, die sie in frommer Liebe erzog, die aber beide früh eine mächtige Lust zu einander zeigten, dass sie beide trennen musste. Den Knaben nahm der Kaiser nach Sizilien und gab ihm dort den Titel eines Prinzen von Palagonien, die Tochter wurde bald darauf Eurem edlen Ahnherren vermählt." – "War Euer Geschlecht mit Glück gesegnet?" fragte der Mönch die Fürstin zum Schlusse. Die Fürstin errötete und sprach: "Vor allen war es glücklich