Augen geschnitten, musste ich den Fluss hinunterschwimmen; bald setzten sich wilde Enten auf den Kürbis, diese zog ich mit der Hand schnell hervorlangend unters wasser; so brachte ich manches Dutzend nach haus. Alle vier Wochen fiel es dem strengen Herrscher ein, mich zu sich kommen zu lassen, um Deutsch zu reden, bei welcher gelegenheit er mir meinen sonstigen Hochmut oft vorrückte. Die Schönheit des Landes, der Überfluss an edlen Lebensmitteln macht in jenen Gegenden manche Beschwerde erträglich; der Umgang mit einigen Büssern, die am Ufer meines Flusses wie Biber sich angebaut hatten, machte mir diesen Zustand sogar angenehm; ich lernte von ihnen die Sanskritsprache, während ich vom Entenfange ausruhete." – "wunderbar", unterbrach ihn hier der Fürst, "wunderbar ist dieser Zug aller Deutschen in unserer Zeit nach dem Indischen; wie die Kirchen alle mit ihren Altären nach Osten zu gerichtet sind, und daher oft gegen die Dörfer, zu denen sie gehören, schief liegen, so denken alle an Indien, und lassen ihr Vaterland liegen, wie es will." – GRAF: "Wer kann wissen, was uns daher noch kommt? Ich lebte wohl ein Jahr in jener Schule, ich fühle, wie wenig ich noch begriffen und bin doch dankbar für die Aufklärungen des höheren Lebens. Damals störte mich ein unerwartetes Ereignis in meinen Forschungen. Tomas hatte allmählich alle Arten seiner Pracht vor mir ausgebreitet, ich hatte alles kraft meiner sanskritanischen Weisheit verachtet; endlich sagte er mir, er habe doch etwas, das über alle Weisheit erhaben, das Höchste der Welt sei: seine schöne Frau; die müsse ich einmal ganz ohne Schleier sehen. Vergebens stellte ich ihm vor, dass mir dies nach den Landesgesetzen bei Lebensstrafe nicht erlaubt sei; ich erzählte vom Gyges, wie er den Candaulus wegen einer ähnlichen Prahlerei, nachdem die Frau diese Beschauung bemerkt, auf ihren Befehl habe umbringen müssen; er verstand aber Beispiele nur immer als sonderbare Geschichten, unterhielt sich damit, wandte sie aber weiter gar nicht auf sich an. Ich musste mich auf seinen Befehl in ein Nebenzimmer bei seinem Bade verstecken, und sollte durch die geöffnete tür hineinblicken, während er die Augen seiner Moham mit einem neuen Bilde, das an der andern Seite des Badezimmers befestigt, von mir abwenden wollte. In dem Zimmer, wo ich versteckt war, legte er seine fürstlichen Kleider, Binde und Schwert ab. Ich ging wahrhaftig ohne bösen Willen in das Zimmer, aber die Schönheit der Moham, die sich vor meinen Augen allmählich entschleierte, aber aus Züchtigkeit selbst in der Einsamkeit mit ihrem mann, in einem feinen Badehemde verhüllet blieb, gab mir solche Verachtung gegen Tomas, dass ich sein fürstliches Kleid, seine Binde und Schwert, leise anlegte, während beide im Bade lustig plätscherten, plötzlich in das Badezimmer trat und dem Tomas befahl, mein abgelegtes Fischerkleid anzuziehen und sich augenblicklich auf meinen Fluss zu begeben, um mir für diesen Abend noch ein Dutzend wilder Enten zu bringen. Tomas wollte Einwendungen machen, aber er sah es meinem Schwerte an, dass ich zum Spasse zu ernstaft gestimmt sei; er musste das Kleid anziehen. Draussen wollte er die Wachen zu seinem Schutze befehlen; da sie ihn aber in der Tracht mit mir verwechselten und strengen Befehl erhalten hatten, mich bei der geringsten Widersetzlichkeit hart zu züchtigen, und aus dem schloss zu werfen, so geschah dies auch ihm. Ich war indessen mit der ohnmächtigen Moham beschäftigt; ich brachte sie zum Leben, und durch meine Kenntnis heiliger Sprüche aus dem Sanskrit zum vollen Vertrauen zu mir. Noch denselben Abend erklärte sie mich zum Nabob, und Tomas brachte zu unserm Vermählungsfeste ein Dutzend gefangener Enten; der Einfaltspinsel war bald mit seinem neuen stand ganz zufrieden. Einige Jahre regierte ich nach Herzenslust, da nahm uns die Ostindische Compagnie die herrschaft. Mit unsern Schätzen schifften wir nach Europa; das Glück versöhnte mich mit Ihnen, mein Fürst."
Neuntes Kapitel
Der alte Graf P ... wird Minister. Tod des Fürsten.
Regierung der Fürstin
Wir wollen den alten Grafen von jetzt, wo er bald mit dem Grafen Karl in eine nähere Berührung kommt, durch seinen Dienst und Ehrentitel als Minister unterscheiden; er hatte die Stelle eines ersten Ministers nach vielen dringenden Bitten des Fürsten angenommen; Leichtsinn hinderte ihn nicht mehr in dem ordentlichen Gebrauche seines hohen Talents für das Geschäftsleben; er widmete sich ihm ganz. Nur ein Jahr dauerte dieses schöne Zusammenleben und Zusammenwirken des Fürsten mit dem Grafen, da wurde jener durch einen unerwarteten Schlagfluss hinweggerafft, und die Fürstin übernahm die Verwaltung ihres Landes im Namen ihres blödsinnigen Sohnes, der in gemeiner Ausschweifung Frankreich durchschwärmte. Der Minister beschloss erst sich ganz zurückzuziehen; er bezog ein angenehmes Nebenhaus bei seinem verbrannten Palaste, und erwartete nicht, dass ihn die Fürstin rufen würde. Aber kaum hatte sie die Feierlichkeiten ihres Einzugs überstanden, und die Auseinandersetzung seiner Geschäftsführung durchlesen, als sie mit dem ihr eigenen Scharfsinne sein grosses Talent so ganz erkannte, dass sie sich zu der Aufopferung aller Empfindlichkeiten entschloss, und so dringend ihn zu sich forderte, dass er ihrer Einladung nicht widerstehen konnte. Er war sehr überrascht, sie so durchaus in ihrer ganzen Schönheit erhalten zu finden, als wäre diese Zeit nur ein schlimmer Tag der vor vierzehn Jahren verlebten; sie wusste ihre alte Vertraulichkeit so ganz herzustellen, dass er alle Geschäfte gern übernahm, und mit hülfe ihres Geistes zu noch grösserer allgemeiner Zufriedenheit fortführen konnte. Er hätte sich von neuem in