Johannes sammelte er sorgfältig, und schrieb traurig einige Worte der Erinnerung darauf:
Hatte nicht der frische Morgen
Dich in seinem Arm gewiegt,
Haben dich die müden Sorgen
Vor dem Abend schon besiegt.
Hatte nicht die Sonnenhelle
Dich mit ihrem Strahl umspielt,
Müde liegst du an der Schwelle
Einer Nacht, die alle kühlt.
Hatten nicht des Muts Gedanken
Dich zum heitern Tanz geführt,
Mussten deine Tritte wanken,
Als dein Herz da tief gerührt.
Hatten nicht die frohen Töne
Deine Stirne kühl umkränzt,
Ach wo ist nun alles Schöne,
Wo dein blick, der uns umglänzt.
Hatte nicht die erste Liebe
Dich mit süssem Wort geweckt;
Ach bald ist's die letzte Liebe,
Die mit Erde dich bedeckt.
So heftig der Graf und die Gräfin von diesem Ereignisse erst zerrissen waren, so mild wusste Klelia sie beide auf die Gnade aufmerksam zu machen, ein geliebtes Kind in so heiliger Bestimmung zu verlieren. Johannes starb auch nicht, vielmehr wuchs er kräftig auf in seinem strengen Leben, und viel Segen kommt von ihm in künftigen Tagen der Leiden über das ganze Haus, nachdem er vorreif in körperlicher und geistiger entwicklung, vielleicht auch in Hinsicht seines Standes, frühzeitig die Priesterwürde erhalten.
Siebentes Kapitel
Rückkehr des alten Grafen P ... mit seiner
ostindischen Familie nach dem Palaste in
Deutschland
Erinnern wir uns noch einmal, dass der Graf das Schloss seines Schwiegervaters, des Grafen P ..., als ein verschlossenes Denkmal seiner früheren Zeit, seines Glücks und Unglücks unbewohnt zurückgelassen hatte, aber für dessen Erhaltung sorgen liess; jährlich erhielt er Nachricht, was unvermeidliche Zufälle im schloss oder Garten verändert; aber wie alles mit Einsichten gebaut, so schien alles durch die Zeit zu gewinnen und kleine Beschädigungen waren ohne grosse Kosten ergänzt. Ein seltsames Toben, das in gewissen Nächten das Schloss erfüllte, die Erleuchtung, die dann in mehreren Zimmern bemerkt wurde, gaben zu wunderlichen Gerüchten Anlass; man sprach von dem geist des alten Grafen, der da umginge, und wie in alter Zeit in Festlichkeiten schwelge. Keiner wagte es ohne Auftrag, die Sache zu untersuchen; auch dieses wurde dem Grafen berichtet, der aber unter dem hellen sizilischen Himmel die Dunst- und Nebelgestalten des Nordens wenig beachtete; seinen Schwiegervater hatte er wegen des Leichtsinns, mit welchem er die Seinen verlassen, nie leiden können, sein Geist war ihm ganz gleichgültig. Ungefähr zehn Jahre nach dem Auszuge des Grafen, in derselben Nacht, die vor elf Jahren den Treubruch der Gräfin verhüllte, kam ihr Vater, der alte Graf P ... mit vier grossen sechsspännigen Kutschen über die Heerstrasse die Anhöhe herunter gefahren, von welcher die beiden Schlösser und die alte Stadt so herrlich zu übersehen. Er fuhr mit einer ostindischen Frau und zwei Kindern, die sie ihm in Ostindien geboren, in einem Wagen; seine dort erworbenen Schätze und seine Dienerschaft folgte in den drei andern. Er hatte seinen Namen verändert, und galt für einen Engländer; von den Seinen hatte er nichts erfahren, nicht einmal ob seine Frau und Kinder noch lebten; die sehnsucht nach seinem schloss, von dem er seiner Moham (der neuen Frau) täglich vorerzählte, trieb ihn einzig in diese Gegend zurück. Von der Anhöhe sah er viele Zimmer seines Schlosses hellerleuchtet; erst jetzt gedachte er ernstlich in seinem leichtsinnigen Gemüte, wie er seine neue Frau, seiner ersten vorstellen solle, die beide nichts von einander wussten, wenn diese vielleicht noch am Leben sei. Die geschichte des Herrn von Gleichen, der seiner Frau aus den Kreuzzügen heimkehrend eine Sarazenin zuführte, die ihn aus Liebe von der Sklaverei befreit, und dafür aus Dankbarkeit von der ersten Frau als Mitgenossin ihres Ehebettes anerkannt wurde: diese geschichte, die seinem Leichtsinne bis dahin als genugtuend für alle Fälle vorgeschwebt hatte, wollte ihn nicht ganz beruhigen. Er liess langsam fahren, und stieg mit Herzklopfen vor dem schloss aus dem Wagen, und trat in das Schloss, das offen stand, und wo ihn eine prachtvolle Dienerschaft empfing. Er fragte, ob die Gräfin P ... noch zu sprechen wäre; die Diener sahen ihn verwundert an, und fragten ihn, ob er nicht wisse, dass sie schon seit neun Jahren mit dem Herzoge von A ... verheiratet wäre, sie würden ihn anmelden. Er nannte sich Moham und sagte, dass er Bestellungen von einem alten Freunde des Hauses brächte. Sobald dieses ausgerichtet, wurde er zu der Frau vom haus geführt, er fand sie wenig verändert, nur etwas blässer; sie kannte ihn nicht, was nicht zu verwundern, da er sehr gealtert und vom heissen Klima fast dunkelbraun gebrannt worden; er sagte ihr, dass ihr voriger Mann noch lebe, und dass er von ihm gesendet sei, das Schloss nach dem Masse seiner jetzigen Reichtümer zu verschönern. Die Herzogin erwiderte ihm, dass er kein Recht auf das Schloss behalten, dass sie es von seinen Schuldnern erkauft und selbst, nachdem sie den Leichtsinnigen in allen öffentlichen Blättern vorgefordert, einem andern mann, dem spanischen Herzoge von A ... vermählt sei. Der Graf verriet sich nicht; so unangenehm ihm der Verlust seines Schlosses war, so lieb war ihm der Verlust seiner Frau, die ihm gar nicht mehr liebenswürdig erschien; er sagte, dass er alles ihrem ersten Gemahl berichten wolle, doch glaube er durch das unumschränkte Zutrauen desselben wohl berechtigt zu sein, um ein Nachtlager für sich und die Seinen zu bitten. Die Frau vom haus