machte Pläne mir, wohl dreissig, für jeden Tag des Monats einen, doch heute allein vollführt ich keinen, weil hier ein ewiges Singen war, von einer Käferund Fliegenschar, von rauschenden Brunnen, knisternden Dielen, ei da verging mir Schreiben und Spielen. SPIEGELGLANZ. Du wirst zuweilen ganz unvernünftig, ja sag, was soll aus dir werden nun künftig, denn kannst du zum Studieren nicht taugen, so muss ich dich zur Aufwartung brauchen. JOHANNA. Dir wart ich auf so herzlich gerne, dir's an den Augen abseh von ferne, was dir bequem und was dir lieb, ach lieber Meister, dich nicht betrüb, ich will mich vor fremden Gedanken hüten, es geht nur nicht hier bei Früchten und Blüten, hier ist mir als lebt ich ganz da drinnen, und kann mich niemals in mir besinnen, dass ich die Feder wirklich führ, bin nirgends weniger als in mir. SPIEGELGLANZ. Sollst künftig im Zimmer verschlossen bleiben, ich dachte dir fröhlich die Zeit zu vertreiben; doch sehe ich, du bist nur für den Zwang. JOHANNA. Ach lieber Herr, du machst mich bang, von meinen Balsaminen zu lassen, wahrhaftig da kann ich gar nicht spassen, von meinen Erbsen, die ich gesät, nun eben alles so wohl gerät, von meinen Bohnen, die um die Stangen mit leichtem Grün sich fröhlich schlingen, und erst so schwach aus der Erde drangen, dass ich sie aus der Hülse tät zwingen. SPIEGELGLANZ. Fort mit den Kasten, die schütte ich aus. Ei das verdirbt mir ja das Haus, zieht Feuchtigkeit in die Fenstermauer. JOHANNA. Ach Gott, nie hatte ich grössere Trauer. Dir hätt ich die Bohnen und die Schoten einst alle zum Geburtstag geboten. SPIEGELGLANZ. Zum Teufel, mach mir den Kopf nicht heiss, dass ich dich heute nicht schlage und schmeiss, das ist ein Heulen, ein Lamentieren, mit jedem Quark ein Mitleid spüren; da ist kein Winkel dir zu klein, es muss dir zu was noch brauchbar sein, ich glaube, du hättest die ganze Welt mit lauter Spielzeug vollgestellt. Ich will doch endlich auch aufräumen, was klebt mir denn hier an beiden Däumen? JOHANNA. Das hatte ich dir zum Geschenke bestimmt, nun wirfst du es in den Garten ergrimmt, es ist Bdellium vom Paradies, von einem Baum ich's heute abstiess. SPIEGELGLANZ. So soll dich ja der Teufel holen, wenn du mich aufziehst mit solchen Sachen, ich muss mir die Finger schmutzig machen, dir muss ich einmal die hände besohlen. Als diese Strafe eben vollstreckt werden sollte, trat der Teufel als ein berühmter griechischer Professor Chrysolor herein, verwundert steht er still und lächelt: "Zucht bringt Frucht." Er grüsste den ergrimmten, selbsterhitzten Lehrer mit spottender Sanftmut; es freute ihn, dass alles Böse in ihm so rasch wie Unkraut aufwachse, er hatte ihn unterweges in anderer Gestalt schon geärgert, indem er ihn, der doch alles zu wissen vermeinte, einer Unwissenheit gezeiht, was eigentlich die ganze Veranlassung seines Ärgers über die kindische Spielerei war, die er selbst oft unterstützt und mitgemacht hatte. Der Teufel begrüsste ihn feierlich, sprach von seinem grossen Rufe in der Metrik, der sich selbst bis Aten ausbreite, wo er jetzt das Richtmass aller Poeten abgebe, und das Vorbild aller Erzieher. Nun erzählte er ihm von seinem Knaben, wie er den im fünften Jahre schon so weit gebracht, dass er den ganzen Plato vorwärts und rückwärts auswendig gewusst, die Verszahl jedes Homerischen Verses angeben konnte, und wie dieses Wunderkind jetzt schon seit einem Jahre nicht mehr schliefe, von Zuckerwasser sich nährte und von der Unsterblichkeit der Seele rede. Spiegelglanz hörte ihm verwundert zu; mit heimlicher Tücke sah er auf die arme Johanna, sagte ihm aber dagegen, dass er den tiefsinnigen Erklärer des Aristoteles beim ersten Blikke in ihm erkannt. DER TEUFEL. Doch diesem Kind, so muss ich meinen, wird alles dies ein Geringes nur scheinen, in eigner Erziehung, da zeigt sich der Meister, da löset und richtet er alle Geister; in wie viel Sprachen, darf ich fragen, kannst du mir das Vaterunser sagen? SPIEGELGLANZ. Mein göttlicher Freund verschonen Sie heute, der Knabe ist heute gar sehr zerstreut. JOHANNA. Nein lieber Herr, ich bete gern, es hilft mir dabei etwas von fern. SPIEGELGLANZ. Wie werde ich beschämt, wie rett ich den Schein, in einer Sprache weiss sie es allein. – Aber ein Engel kam über das Kind, und sagte, wie sie da andächtig betete, das Vaterunser in allen Sprachen her, dass Spiegelglanz sich über das heimtükkische Kind ärgerte, wie es ihm das bisher verschwiegen, und der Teufel staunte, wohlwissend, eine höhere Kraft wirke darin. DER TEUFEL. Du bist ein Wunderkind fürwahr, o sag mir, wie viel zählst du Jahr? JOHANNA. Ich bin acht Jahr erst kürzlich gewesen, und seit dem vierten kann ich schreiben und lesen, kann deklinieren und konjugieren, und weiss, was alle Verba regieren. DER TEUFEL. So sag mir von welchem Geschlecht du bist. JOHANNA. Ich bin ja kein Wort, das ist Hinterlist. DER TEUFEL. Die Frage wirst du gar bald verstehen. SPIEGELGLANZ. O lassen Sie uns zum Dome gehen, viel Altertümer da drinnen stehen. (Ich möchte schier in Angst vergehen.) Doch der Teufel entschuldigte sich und eilte fort. Spiegelglanz begleitete ihn