Alten Testament, das will ich alles fassen,
Und eh' nicht alles drein, nicht von der Arbeit
lassen.
Wie dumm nun geht das Licht, da ich es eben
brauche,
Ich las mich schon ganz trüb, als ob's im Zimmer
rauche,
So spielt der letzte Strahl und strahlt im
Sonnenstaube
Und draussen weht's so kühl in meiner
Bohnenlaube;
Die Vögel betten sich lautrauschend in den
Hecken,
Wo mag mein Eichhörnlein wohl jetzt wieder
stecken.
Heida ihr Tauben bunt, kommt ihr vom Feld
zurücke?
Ich öffne euer Haus – nun fliegt ihr fort aus Tücke;
Ins Freie will ich auch, zu fleissig tut kein gut,
Ein kluges Kind stirbt jung, ich kühle meinen Mut.
Der Wiesenplan steht voll von schöner gelber
Blume,
Die hau ich all herab zu meinem ew'gegen Ruhme,
Als wär's die Heidenbrut im Turban farbig schön,
Sie sollen sich gestreckt vor Christi Kreuze sehen;
Das sei zuerst geschmückt mit frischem
Blumenkranz,
Gewisslich macht es Freud dem guten Spiegelglanz,
Im frischen Abendwind verspring ich dann die
Füsse
Und dann der stillen Nacht zur Arbeit ganz
geniesse.
Als sie nun gefunden, dass es ihr mit den Alexandrinern ziemlich leicht ginge, sprang sie noch leichter zur tür hinaus, pflückte aus allen Blumenbeeten, die schön geordnet da standen, vorsichtig heraus, dass keines leerer schien, vielmehr seine neuen Knospen freier und wechselnder zum Licht ausstreckte. Der Kranz war schnell geflochten und das Christusbild bekränzt; sie wollte ein kindisches Lied auf ihn anfangen: "Christus meine Puppe, segne heute die Suppe"; als sie über sich selbst lustig auf einen Baum kletterte und lachte und die Äste küsste, die voll Kirschen hingen, und die ass sie langsam und knipste die Kerne zu dem heiligen Bilde, wobei sie sagte: "Bist du von Stein, so kannst du auch Steine essen." Der Teufel freute sich darüber sehr und funkelte ihr alle versteckten Kirschen entgegen. Sie hatte aber genug, und stieg herunter und machte aus allen Kirschstengeln Knoten und aus den Knoten einen Kranz, den sie Christus aufsetzte zum grossen Ärger des Teufels; denn er sah, dass alles in ihr ganz unschuldiges Kinderspiel sei, weder gut noch böse, und dass er ihr also noch nichts anhaben könne. Gleich darauf verglich sie alle Früchte im Garten nach ihren Farben, nach ihren Kernen, nach ihrer Haut, Staub und Wolle, Geschmack und Geruch, und machte sich daraus allerlei Kameraden von verschiednem Charakter, wobei sie einen besonderen Hass gegen die schwarzen Aalbeeren und eine Art heiliger Scheu gegen die reine Frische der Erdbeeren empfand; das missfiel dem Teufel wieder, der die Aalbeeren in seinem Wappen führt. Bald fand sie an einem Pflaumenbaume die durchsichtige weissgelbe Kugel des ergossenen Harzes, sie hielt es für einen grossen Schatz und gedachte des Paradiesbaumes, woraus nach der Lehre des Spiegelglanz, das Bdellium, der Bernstein geflossen. Ein blaues und ein grünes Seejüngferlein, die da auf einigen Stauden flatterten, entzogen sie allen andern Gedanken; sie hatte nie so schlanke farbige Leiber, so zierliche schimmernde Flügel gesehen; es erwachte in ihr eine sehnsucht danach, als wenn es ihre Seele wäre, die ihr entflattern wollte, und wirklich haben diese Tiere einen besonderen Anflug geistigen Daseins. Sie sah ihren Lehrer gar nicht, der inzwischen mit seinem buch in den Garten geschritten. Endlich fing sie beide, und brachte sie ihm triumphierend. SPIEGELGLANZ. Woher so schnell, du sahst mich
kaum, liefst immer zu als wie im Traum.
Johanna aber sprachlos vor Freude, zeigte ihm die
beiden Tiere, die sie an den Flügeln hielt und mit
den Beinen gegen einander spielen liess. SPIEGELGLANZ. Zwei Seejüngferlein sind ein rech
ter Dreck, geh, mach sie tot, und wirf sie weg. JOHANNA. Die können wohl so lieblich singen, dass
alle leute ins wasser springen; hast du mir nicht
davon erzählt, wie der Ulysses ward gequält? SPIEGELGLANZ. Die waren wie Jungfern, du
dumme Gans, und hatten nur hinten den fisch
schwanz. JOHANNA. Dir will ich sie alle beide schenken, es
ist mir das Liebste ohne Bedenken, du musst sie nur
zusammen bewahren, und ja ihr Futter nicht erspa
ren. SPIEGELGLANZ. Ich lass sie frei, ich lass sie los, sie
kommen wohl wieder, wenn sie gross. JOHANNA. Nein, was mir lieb, das lass ich nicht, Ihr
stosst sie fort, das Herz mir bricht, Ihr werdet mich wohl auch frei lassen, und in der weiten Welt verlassen, da weine ich mir die Augen aus, das ist nun heute mein Abendschmaus. SPIEGELGLANZ. Du bist ein Kind, sieh, Heidelbeeren, die ich im Wald für dich gelesen, lass doch dein Weinen, sieh die Zähren, die fallen drauf, das ist ein Wesen um solche grosse Wasserfliege. Warst du denn fleissig, zeige her, ich sehe ja nichts als krumme Züge, auf dem Papiere kreuz und quer. JOHANNA. Ich wollte eben recht anfangen, da war die Sonne mir vergangen. SPIEGELGLANZ. Du Schlingel, muss ich so was sehen, so wirst du nun mit Schand bestehen. Wozu nun meine Mühsamkeit, mit der ich dich gebracht so weit, dass du nun selber kannst was tun, statt dessen magst du lieber ruhn; Herumlottern, Faulenzen, Spielen, das ist so wasser auf deiner Mühlen. JOHANNA. Nein lieber Herr, ich war so fleissig, ich