in der Sommerluft schwärmenden, singenden, rauschenden Wesen, die kleine Johanna von der Arbeit zu rufen, die eben wieder aus dem Psalter nach der Schöpfungsgeschichte zurück geblättert hatte, ihre Arbeit endlich ganz ernstlich zu beginnen. – Wir wollen hier ihr ganzes Selbstgespräch mitteilen.
Gartenhaus mit offenen Türen
Johanna an einem Tische mit Büchern und Schriften
liest und schreibt abwechselnd, dann liest sie vor:
Und Gott sprach: "Es werde Licht", und es ward Licht ...
Die Blumen im Fenster
Wir welken im Licht
Begiesst du uns nicht,
Wir schliessen uns bald,
Es dunkelt im Wald.
Johanna liest weiter: Und Gott sprach: "Es sammle sich das wasser unter dem Himmel an abgesondertem Orte, dass man das Trockne sehe." Und Gott sehe, dass es gut war.
Der Röhrbrunnen vor der tür
Ich laufe über,
Komm her, du Lieber
Und schöpf mich aus,
Sonst lauf ich ins Haus.
Johanna liest weiter: Und Gott machet die Tier auf Erden, ein jeglichs nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
Der Vogel auf dem Baume am Fenster
Hör wie die Raupen
Fressen im Laub;
Musst's nicht erlauben,
Strafe den Raub,
Liebliches Kind,
Hilf mir geschwind.
Johanna liest weiter: Und Gott sprach: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei; die da herrschen über die Fische im Meer und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kreucht."
Die Fliege auf dem Tische
Hör ich deinen Kopf so brummen,
Oder muss ich selbst so summen?
Trank vom allerbesten Wein,
Schlief beim letzten Tropfen ein,
Setz mich nun auf deine Nase,
Dass ich höre, wie sie blase.
Johanna schlägt ungeduldig nach der Fliege und liest weiter: Und Gott der Herr machet den Menschen aus dem Erdenkloss und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele.
Die Mücken, die zum Fenster hinausfliegen
Hab dich umflogen,
Blutiges Feuer
Glänzt mir im leib,
Das ich beim Schreiben
Dir ausgesogen;
Tieferes Feuer
Glänzet im Abend,
Tanz ich im Glanze,
Vergeht es so labend.
Johanna kratzt sich an Händen und Füssen, dann lieset sie weiter: Und Gott der Herr pflanzet einen Garten in Eden und setzet den Menschen drein. Und Gott der Herr liess aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum des Erkenntnisses vom Guten und Bösen.
Der Baum vor dem Fenster
Über deinem haupt
Schweben die Sorgen,
Über meinem belaubten
haupt wie Morgen
Glänzet der Abend;
Kühlend und labend,
Schwebet der Vogel,
Rauschet der Wind.
Liebliches Kind
Steige geschwind
Mir auf die Äste,
Die ich im Weste
Neige und zeige,
Zeig dir ein Nest,
Halte dich fest,
Steige hinein,
Alles ist dein;
Zeige dir Früchte,
Glühend im Lichte,
Kühlend im Mund
Saftig und rund.
Aller der Tage
Arbeit und Plage
Himmlischer Lohn,
Gibt dir mein Tron;
Herrlich ist wohnen
Hier in den Kronen.
Johanna sieht ihn lange an und liest weiter: Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: "Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen, denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben."
Ein Schmetterling, der durch die Fensterscheiben
fliegen will
Was gähnst du wieder
Und streckst die Glieder?
Springe mir nach
Heiter und wach;
Noch nimmermehr
Kam ich hieher,
Kann nicht heraus
Hier aus dem Haus,
Habe kein Bangen,
Lasse mich fangen,
Lass mich am Kranz
Spielen im Glanz.
Johanna
Das ist ein Totenvogel gar,
Den such ich schon ein ganzes Jahr,
Er soll mich doch nicht stören,
Ich will ihn gar nicht hören,
Ich bin zwar von der Arbeit müd,
Doch stören soll mich noch kein Lied.
Marienwürmchen
Sieben Punkte trag ich schwer,
Mach doch einen Punkt daher,
Dass die Arbeit schliesse;
Bring dir viele Grüsse
Von den Nachbarskindern,
Die sind viel geschwinder,
Die sind alle fertig,
Deiner schon gewärtig;
Hast du viel geschrieben?
Kann ja gar nichts finden,
Sag, wo ist's geblieben,
Kann das so verschwinden?
Johanna
Hört mir nur einmal zu, ihr Tierlein, lasst das
Singen,
Ich fühl's, die Arbeit wird mir endlich doch
gelingen,
Ich war so ganz in Lust und Sonnenglanz
versunken;
Vor meinem frohen blick gestalteten sich Funken,
In wunderbar Gespräch hört ich die Lichtgestalten.
O könnt ich euch nur fest zu meiner Arbeit halten,
Ein schönes Bild so schnell im schönern untergeht,
Kaum weiss ich, wo ich bin, wo mir der Kopf jetzt
steht;
Könnt ich bei einer Arbeit nur beständig bleiben,
Doch andres wird mir lieb und andres soll ich
treiben.
Nun jetzt bleib ich dabei, bis ich zum Schluss
gelange,
Dass ich ein Prämium aus Meisters Hand empfange.
Der Titel ist gemalt und das Papier gefalten,
Mag nun der liebe Gott mit meinem geist walten,
Dass all sein Schöpfungswerk, in sieben Tag
verrichtet,
An diesem Abend noch in Worten sei berichtet,
Ein jedes Kraut genannt, die Vögel all beschrieben,
Der ganze Frühling zeigt, wo Lücken sind
geblieben,
Im