ohne Zwang mit Freuden, und schnellem Erfolg. Diese Bruchstücke, indem sie uns das schöne innere Bild Kleliens in Umrissen geben, entüllen uns auch in beiläufiger Übersicht die ruhigen dauernden Verhältnisse der drei Menschen, die wir mit Zuneigung durch manche Lebensverwandlung begleitet haben. Ereignisse, bei denen wir den Untergang aller voraussahen, haben sich zu aller Frommen und Besserung geschlossen; dies ist aber ein wahrer christlicher Sinn, der den Menschen um einer Schuld willen noch nicht aufgibt, der den Menschen nicht sterben lässt in der Sünde. Wir sehen Dolores, deren Frevel alle zu vernichten drohete, mit dem Grafen und Klelien ausgesöhnt, alle dreie in einem angemessenen tätigen Leben; Klelien in vielfacher Anwendung ihres frommen Verstandes, den Grafen in der Ausführung seiner wohltätigen Absichten, und Dolores durch ihre mütterliche Liebe aller Welteitelkeit entzogen, durch der Kinder schuldlose Liebe aller schuldigen Lust entsühnt, und liebevoller selbst gebildet in der mütterlichen Pflege ihrer schönen Kinder, deren reicher Segen sich bis zu der Ankunft der Fürstin bis zu der heiligen Zahl Zwölfe, ohne ein bedeutendes Missgeschick vermehrte. Doch preise sich keiner glücklich vor dem Ende seiner Tage; – eingedenk dieser Regel wollen wir uns nach denen umschauen, die in der Berührung mit dem gräflichen haus uns merkwürdig waren, von denen dem Grafen durch seine Verbindungen mit Deutschland allmählich mancherlei Berichte kamen.
Seiner frommen Arnika Montana schrieb er oft; ihre Antworten lauteten immer gleich: der wunderliche Doktor, Florio und sie selbst lebten wie Maschinen unabänderlich in demselben Gange, Takte und Wirksamkeit. – Der hässliche Baron hatte sich im Kriege ausgezeichnet; das Erheben zu einer bedeutenden Stelle hatte seinen Stolz erweckt, und dieser seinen bösen Willen unterdrückt; seine beiden komischen Begleiter waren in angemessenen Stellen untergebracht. – Waller hatte sich schon wieder ein paarmal verlobt und einmal verheiratet; sein Talent erlosch fast ganz in literarischen Streitigkeiten; da er lange Zeit nur sich gekannt, nur seine arbeiten gelesen hatte, so konnte er es nicht ertragen, als er bei andern auch andre Gedichte fand; alle diese Gedichte, meinte er, wären gegen ihn gerichtet, er schimpfte dagegen, aber leider blieben seine Streitschriften ungelesen und so versank er in eine lächerliche literarische Melancholie, drückte seinen Bekannten die hände, und seufzte: "Was soll aus unsrer Literatur noch werden?" Wollte sich einer einen Spass machen, so trug er ihm einen literarischen Zwist vor, der entweder gar nicht vorhanden war oder aus Gottscheds Zeit; gleich verfasste Waller eine plumpe schmutzige Schrift dagegen, liess sie drucken und dann war er in grosser Verlegenheit, den Leuten zu erklären, was er eigentlich damit gewollt habe.
Mannigfaltig entwickelte sich das Schicksal des Prediger Frank; wir wollen es teils nach seinen eignen Briefen, die er aus alter anhänglichkeit dem Grafen geschrieben, teils aus eigner Bekanntschaft mit ihm und mit den Seinen wiedererzählen. Wir erinnern uns, dass er über viele Glaubensmeinungen und Auslegungen von dem Hergebrachten in seiner Kirche abwich; lange Zeit machte er daraus ein Geheimnis, endlich aber war er durch das Studium der Kantischen Moralphilosophie zu einem Abscheu gegen jede Art der Lüge gebracht worden. Aus dieser Wahrheitsliebe suchte er seine Meinung von Jesus, den er bloss als Menschen ausgezeichnet wissen wollte, eben so auffallend durchzusetzen, als seine Meinung von der Predigerkleidung, die ganz zufällig und sogar gegen den Willen Luters sich von einem gewöhnlichen bescheidnen Bürgerkleide auszeichne; weswegen er seine nächste Predigt über Jesus als Menschen in einem blauen Bauerrocke, wie ihn die Reicheren tragen, und mit abgeschnittenen Haaren hielt. Diese geschichte machte aufsehen, aber die Milde der Regierung und der langsame gang aller ihrer Verhandlungen zögerten mit der Untersuchung. Unterdessen trat seine kleine geliebte Amalie in die Jahre, wo das Heiraten erlaubt ist; ihre Erzieherin schrieb ihm, er möchte jetzt kommen, um dies Mädchen näher zu kennen und zu prüfen, die ganz nach seinen grundsätzen gebildet worden. Er blieb einen monat in der Stadt; Amalie hatte viel kindliche anhänglichkeit für ihren Wohltäter; sie hatte ihm so oft dankbar die Hand geküsst, sie war noch immer in dem schönen Traume, der noch keinen Unterschied zwischen Neigungen zu machen weiss, keinen eignen Willen zulässt, und schlug mit Freuden ein, als er ihr seine Hand antrug. Nachdem er diese Zusage empfangen, eilte er aufs Land, seine Zimmer selbst recht angenehm zu malen, und die nötigen Einrichtungen, wie sie seinem künftigen Haushalte angemessen, zu treffen, in drei Monaten sollte die Hochzeit gefeiert werden. In dieser Zeit traf der Gutsherr seines Dorfs, ein alter General, der seinen Abschied genommen, mit seiner Tochter Leona dort ein, um in Ruhe die letzten Tage seines Lebens durch Landluft zu erfrischen: ein herrlicher Mann, dessen ganzes Leben fast Entsagen und Selbstüberwinden bezeichnete; in gleichem Sinne hatte er die Tochter erzogen; was ihr lieb, das entriss er ihr, und so war sie nur in allem dem, was sie mit Überlegung wollte, entschieden, aber unwandelbar in solchem Entschlusse. Frank musste ihr einigen Sprachunterricht geben, sie und ihr Vater fassten eine unbegrenzte achtung gegen ihn; sie wünschten ihm von ganzem Herzen Glück, als er zum Brautolen in die Stadt abreiste. Er kam spät Abends unerwartet zu Amalien, sie trat mit einem Lichte herein, in dem Vierteljahre sehr verschönert, gewandter durch den geselligen Umgang, zu dem er sie aufgemuntert hatte. Sie erschrak, als sie ihn erblickte; es erkältete sie der Gedanke, dass sie diesem mann in wenig Tagen sich ganz aufopfern sollte, der ihr immer