, in den Brunnen sie sehen. Verlassen stehet der Wagen, es wehet!
Und von den spielenden Lüften bleibt kühlender Schauer der Trauer des harrenden starrenden greisenden Reisenden.
Und sinken die Winde, so ruhet geschwinde alles umher, öde und schwer, wenig Bewegliches, lauter Alltägliches, alles ist gleich; hier ein paar Blasen im Teich heften den blick an ihr Geschick; Luftbälle der Unterwelt an der Sonne zerschellt, dort trockener Blätter Geflügel, hier schmilzt der Schnee vom Hügel, und rieselt zu nähren die Zähren. Brand! Brand! Ich trink ihn aus meiner Hand. Er fliesset zum mund, da schreiet die Wunde des Herzens zum Himmel – sie schliesset sich nimmer! – Das Herz, das bewegliche, urleidend klägliche, nimmermehr rastende, ewig nun fastende still sich verzehrende, nimmer sich leerende, lässt sich der heiligen Stille entüllen.
3.
Wie bin ich zur Küste des Meeres gekommen allhier, oder kam das Meer zu mir? – Ich sehe mich im Spiegel des Meeres an, ein jeder über sich selbst wohl lachen kann; ich meinte, das Glück mir lächle zurück. Wie Stossvögel drüber die Sorgen viel trüber, sie dringen hernieder und weichen nicht wieder. Die Narben und Falten sich zeigen und halten, selbst von den Toten nicht scheiden; doch spurlos sind Freuden, ein gleitender Strahl hin übers zerrissene Felsental.
4.
Licht, von Orient wiederkehrend, ach wie bist du so betörend, es verlöscht dein erster Strahl einen Augenblick die Qual; Blut, so röter kehrst du wieder, und je feuriger, je trüber.
O du heller Orient, den keiner so kennt wie ich, hast du schon vergessen mich? Wer sitzt an meiner Stelle auf der Schwelle, erwartend das Frühgetön, das scharfe Wehn umflattert von Fledermäusen, umkrochen von Ameisen und doch schien mir's schön, wie dies Land von den Höhen. – Wer lang genug darinnen haust, der weiss, wo es graust.
5.
Warum muss ich fliehen, woher sie alle ziehen, die strahlenden, die malenden, die luftig zerstreuten, im Leuchten erfreuten Blicke der Liebe! – Des Unbedeutenden Macht hat keiner gedacht und des Bedeutenden blick ist voller Tück. Was riss mich fort? Was hielt mich dort? Mich hielt ein blick, sie hat ihn abgewendet vom Glück. Nun reissen vier Stricke am Wagen gespannet, mich weg von dem Glücke, ich hab mich ermannet. Den Wagen sie ziehen, die Steine erglühen, wär einer gerissen, ich hätte halten müssen. Warum reisset mein Schmerz doch nie und schreiet nur immer: "Flieh!" Mit wem rede ich, wer kennt mich, wer sind wir? – Ich und die Luft hier.
Der Lüfte lieb Wort, der Vogel zieht fort, wer war der erste im Flug, ihn treffe mein Fluch. Die Luft zieht ihm nach, und ich seufze mein einsam Ach! Niemand hört mich, Keiner stört mich, und die sind mir jetzt Gesellschaft, meine ganze irdische Freundschaft.
Sie liebt einen andern und ich muss wandern.
"Herr, da liegt eine Leiche am Weg."
Schwager, fahr stille weg, er musste auch wandern mit den andern, auch du geliebter Feind musst wandern mit den andern, wenn gleich dein Leib geheiligt ist, seit sie dich hat geküsst.
6.
Der hat das Ende der Welt erreicht, der von der Liebsten weicht! Dem ihre stimme fehlet in Freud und Grimme. O Erde nenne sie mir! Du schweigest vor dir, bist frostig verschlossen und ich bin verdrossen. Ach meine Lieb war mehr als ich, denn sie bezwang mich. Ach meine Liebe ist nun für immer aus, sie fand kein Haus!
Wie ein verspätet Kind ausgeschlossen in Regen und Wind; der Regen läuft ihm übers Angesicht, es stehet vor dem haus dicht, es möchte noch klopfen an und es nicht wagen kann. Wenn vieles ich nicht sagen will, so sag ich nichts und schweige still. – Ich bin kein Kind, mir übers Gesicht wehte scharf der Wind, dass mir der Bart aufging; die Jugend verging, ich hab sie nicht genossen, die süssen Gedanken sind alle zu nichts zerflossen.
7.
Ich wandle weiter voraus vor des Wagens dunkles Haus; ich sehe ihn nicht, ich hör ihn klirren mit den Geschirren, und wie das Schicksal folgt er mir nach. Hier steh ich am Bach, im kleinen Haus gehet die Mühle mit Braus. Der Bach verrinnt, der Stein zerreibt, und keiner gewinnt und keiner bleibt.
Ich schwanke zwischen Bäumen, da will mir träumen, als führ ich in dem schwarzen Meer in dunkler Nacht daher; im schwarzen Meer die Masten, sie ziehen ohne Rasten, kein Schiffer will mehr grüssen, die tiefe Still wird büssen, den Leuchtturm versenkt schon der Sturm. Die Segel herunter, es gehet bald bunter. Ich bin auch einer der Euern, ihr müsst nicht feiern. Die Segel hernieder, ihr Brüder. Nun tragt mich ihr Füsse durch Regengüsse. Die bestimmten erklimmten Wolken am Waldhang sich senken, es tropft mir das Haar so klar. Wer kann nachdenken! – Wir machen im Dunkel grosse Augen und keiner kann sie brauchen. Ihr Wirbel im Meere, ihr füllet die Leere; ihr Augen, Leuchttürme, Eingänge der andern Welt, neulebend möchte hinaus der Held; ihr seligen Erinnerungen, ich lebe in euch und bin von euch durchdrungen; ihr lieben Augen der Geliebten