er sah den Block aufmerksam an und rief: er ist von Eichenholz.
Der Pfeil des Todes
Sobald wir anfangen zu leben, drückt oben das Schicksal den Pfeil des Todes aus der Ewigkeit ab – er fliegt so lange, als wir atmen, und wenn er ankommt, so hören wir auf. "O stürben wir doch auch so alt und lebenssatt wie unser jubel-Greis!" sagen dann diejenigen, deren Pfeile noch fliegen.
Ährenlesen armer Kinder
Seht hier Blüten, die schon Früchte tragen!
Die Tränen
Wir haben alle schon geweint, jeder glückliche einmal vor Weh, jeder Unglückliche einmal vor Lust.
Völker-Proben
Nur mit den gewaltigen Brennspiegeln werden Edelsteine untersucht, mit Eroberern die Völker.
Der Eroberer
O wie gleichst du so oft deinem Rom! Voll eroberter Weltschätze, voll Götterbilder und Grössen, bist du mit Öde und Tod umgeben – nichts grünt um Rom als der giftige Sumpf, alles ist leer und wild, und kein Dörfchen schaut nach der Peterskirche. Du allein mit deiner Sünde schwillst unter dem Sturm, wie unter Gewittern Leichen sich aufblähen.
Der traurige Tag
Umfängt dich der traurige Tag mit seinem Nebel, der leer, dumpf, dicht und grau dir die ganze Welt verhüllt: so denke daran, in was ihn verwandelt die Vergangenheit und Dichtkunst; in leichten glänzenden Wölkchen steht er am Himmel oder in Abendröten – oder er schimmert, niedergefallen, als Morgentau auf den Auen, die er dir bedeckt hatte.
Die Blumen auf dem Sarge der Jungfrau
Streuet nur Blumen auf sie, ihr blühenden Freundinnen! Ihr brachtet ja sonst ihr Blumen bei den Wiegenfesten. jetzt feiert sie ihr grösstes; denn die Bahre ist die Wiege des himmels.
Die Treulosigkeit
Dem treuen Mädchen brach das Herz, nachdem sie den Treulosen geliebt. Ach, sagte sie, warum bricht es zu spät? Der Demant zerspringt schon, wenn ein treuloses Herz nur annaht, und warnt das treue.
Die Verkannte
Unglückliche, du trägst die Dornenkrone auf dem blutigen haupt, doch ewige Rosen blühen auf deiner Brust.
Die zeiten
Die Vergangenheit und die Zukunft verhüllen sich uns; aber jene trägt den Witwen-Schleier und diese den jungfräulichen.
Der Dichter
Der Dichter gleicht der Saite: er selber macht sich unsichtbar, wenn er sich schwingt und Wohllaut gibt.
Das Leben
Ihr nennt das Leben mit Recht die Bühne. Den Geistern, die uns zuschauen, sind unsere trüben Versenkungen und frohen Aufflüge auf der Bühne keine von beiden, sondern nur unser Spielen.
Die Treue
"O ich wohne ja in deinem Auge", sagte der kleine Bruder, als er sich im schwesterlichen erblickte. "Und ich wohne gar in deinem!" sagte die Schwester. – "Gewiss, so lange ihr euch seht," dachte der Vater, "denn die Augen der Menschen sind ihren Herzen ähnlich."
Die Hof- und die Landtrauer
Nur der Hof und Grosse dürfen um einen Fürsten öffentlich trauern; nun so sei es um einen bösen. Aber den Landesvater beweine das ganze Land. Das ärmste Kind ist ja seine Waise.
Der Dichter
Wohl habe ich Früchte und Blumen zusammengebunden, wie im Blüten-Strausse auch die reife Pomeranze erscheint; aber auch die Frucht ist nur Blüte, und der Herbst duftet mit dem Frühling zugleich.
Die Freuden des Dichters
Gönnt und gebt dem Dichter Freuden; er bringt sie euch verklärt als Gedichte zurück, und er geniesst die Blumen, um sie fortzupflanzen; denn er ist der Biene ähnlich, die von den Blumen, aus denen sie Süssigkeit trinkt, den Blumenstaub weiterträgt und zu neuen jungen Blumen aussäet. Lasst ihn nach Italien fliegen, denn er bringt es auf seinen Flügeln als hängenden Garten der Dichtkunst mit.
Rat
Sprecht nicht: wir wollen leiden; denn ihr müsst. Sprecht aber: wir wollen handeln; denn ihr müsst nicht.
Die Politik
Sie verhüllt wohl sich, aber sie zeigt der Welt ihre Toten, ihre Schlachtfelder und Schlachtstädte und ihre neuen Flüsse, die sich halb aus Blut, halb aus Tränen durch die Auen schlängeln. So geht in Rom die Brüderschaft der Leichen weiss vermummt, aber ihre Toten trägt sie aufgedeckt, und die Mittagsonne scheint auf das kalte, blinde Gesicht.
An die Feinde der Freiheit
Zerschlagt nur jeden Bund ihrer Freunde und zerstückt jedes Buch sogar mit dem, der es hinstellte, um darin die Geister-Sonne, die Freiheit, im Aufgange zu zeigen: nun glänzt die Sonne nicht mehr aus einem Spiegel, sondern neu aus jeder Scherbe des zertrümmerten. Die ruhige Meer-Ebene mit einer stillen Sonne im Busen lodert aufgestürmt mit verworrenen zahllosen Sonnen auf den zahllosen Wogen.
Der All-Geist
Tausend Sonnen schiessen in Augenblicken über das Feld des Sternrohrs66, und neue Tausend fliegen nach. Der All-Geist ruht und schauet; und die Sonnen und das All eilen vorüber, aber ihr wetterleuchtender Flug ist ihm ein unbeweglicher Glanz, und vor ihm steht das verfliegende All fest.
Fussnoten
1 Kotzebues Reise nach Italien, B. II. 2 In der ersten Ausgabe seiner Beiträge zur geheimen geschichte der Menschheit wurde eine Rede über den moralischen Anstoss, den der Leser an gewissen Behauptungen nehmen würde, mit einer Vignette beschlossen, die ihn mit der letzten wirkung eines Brechpulvers darstellt. 3 Für Leserinnen nur ungefähr übersetzt: 1. über die Blutmachung, 2. über die Missgeburten, 3. über die Wasserscheu. 4 So heissen in Pira, wie in einigen Reichsstädten, Umgeld- und Zoll-