vor dem Schriftsteller abgesondert vorausschickte; denn jener verhärtete in Teodas Phantasie und liess sich spröde nicht mehr mit diesem verarbeiten und verquicken, indes umgekehrt bei einer gleichzeitigen ungeteilten Vorführung beider das Schriftstellerische sogleich das Menschliche mit Glimmer durchdrungen hätte.
Niess warf ohne Antwort die Frage hin, wie ihr sein beziehlichbestes Stück: "Der Ritter einer bessern Zeit" gefallen, mit welchem er eben in Maulbronn die deklamatorische Akademie anfangen wolle. Da ein Autor bei einem Leser, der ihn wegen eines halben Dutzend Schriften anbetet, stets voraussetzt, er habe alle Dutzende gelesen: so erstaunte er ein wenig über Teodas Freude, dass sie etwas noch Ungelesenes von ihm werde zu hören bekommen. Sie musste ihm nun – so wenig wurde' er auf seinem Selberfahrstuhl von Siegwagen des schönen Aufzugs satt – sagen, was sie vorzüglich am Dichter liebe; "grosser Gott," versetzte sie, "was ist vorzüglich zu lieben, wenn man liebt? Am meisten aber gefällt mir sein Witz – am meisten jedoch seine Erhabenheit – freilich am meisten sein zartes heisses Herz – und mehr als alles andere, was ich eben lese." – "Was lesen Sie denn eben von ihm?" fragte Niess. "jetzt nichts", sagte sie.
Der Edelmann brauchte kaum die Hälfte seiner feinen Fühlhörner auszustrecken, um es dem Doktor abzufühlen, dass er mit seinem verschränkten gesicht ebensogut unter dem Balbiermesser freundlich lächeln könnte als unter einem für ihn so widerhaarigen gespräche; er tat daher- um allerlei aus ihm herauszureizen, worüber er bei der künftigen Erkennszene recht erröten sollte – die Frage an ihm, was er seines Orts vom Dichter für das Schlechteste halte. "Alles," versetzte er, "da ich die Schnurren noch nicht gelesen. Mich wunderts am meisten, dass er als Edelmann und Reicher etwas schreibt; sonst taugen in Papiermühlen wohl die groben Lumpen zu Papier, aber nicht die seidnen." Niess fragte: ob er nicht in der Jugend Verse gemacht? "Pope" – gab er zur Antwort – "entsann sich der Zeit nicht, wo er keine geschmiedet, ich erinnere mich derjenigen nicht, wo ich dergleichen geschaffen hätte. Nur einmal mag ich, als verliebter Gessners-Schäfer und Primaner, so wie in Krankheiten sogar die Venen pulsieren, in Poetasterei hineingeraten sein, vor einem dummen Ding von Mädchen – Gott weiss, wo die Göttin jetzt ihre Ziegen melkt. – Ich stellte ihr die schöne natur vor, die schon dalag, und warf die Frage auf: sieh, Suse, blüht nicht alles vor uns wie wir, der Wiesenstorchschnabel und die grosse Gänseblume und das Rindsauge und die Gichtrose und das Lungenkraut bis zu den Schlehengipfeln und Birnenwipfeln hinauf? Und überall bestäuben sich die Blumen zur Ehe, die jetzt dein Vieh frisst! – Sie antwortete gerührt: wird Er immer so an mich denken, Amandus? Ich versetzte wild: Beim Henker! an uns beide; wohin ich künftig auch verschlagen und verfahren werde, und in welchen fernen Fluss und Bach ich auch einst schauen werde – es sei in die Schweina in Meiningen – oder in die Besau und die Gesau im Henneberg – oder in die wilde Sau in Böhmen – oder in die Wampfe in Lüneburg – oder in den Lumpelbach in Salzburg – oder in die Sterzel in Tirol – oder in die Kratza oder in den Galgenbach in der Oberpfalz – in welchen Bach ich, schwör' ich dir, künftig schauen werde, stets werde' ich darin mein Gesicht erblicken und dadurch auf deines kommen, das so oft an meinem gewesen, Suse. – Jetzt freilich, Herr von Niess, sprech' ich prosaischer."
Niess griff feurig nach des Doktors Hand und sagte: "Das scherzhafte Gewand verberge ihm doch nicht das weiche Herz darunter." – "Ich muss auch durchaus früherer Zeit zu weich und flüssig gewesen sein," – versetzte dieser – "weil ich sonst nicht gehörig hart und knöchern hätte werden können; denn es ist geistig wie mit dem leib, in welchem bloss aus dem Flüssigen sich die Knochen und alles Harte erzeugt, und wenn ein Mann harte Eiszapfenworte ausstösst, so sollte dies wohl der beste Beweis sein, wieviel weiche Tränen er sonst vergossen." – "Immer schöner!" rief Niess; "o Gott nein!" rief Teoda im gereizten Tone.
Der Edelmann schob sogleich etwas Schmeichelndes, nämlich einen neuen Zug von Teudobach ein, den er mit ihm teile, nämlich den Genuss der natur. "Also auch des Maies?" fragte der Doktor; Niess nickte. Hierauf erzählte dieser: Darüber hab' er seine erste Braut verloren; denn er habe, da sie an einem schönen Morgen von ihren Maigenüssen gesprochen, versetzt, auch er habe nie so viele gehabt als in diesem Mai wegen der unzähligen Maikäfer; als er darauf zum Beweise einige von den Blättern abgepflückt und sie vor ihren Augen ausgesogen und genossen: so sei er ihr seitdem mehr greuels- als liebenswürdig vorgekommen, und er habe durch seine Röselsche Insektenbelustigungen Brautkuchen und Honigwochen verscherzt und vernascht. Niess aber, sich mehr zur Tochter schlagend, fuhr kühn mit dem Ernste des Naturgenusses fort und schilderte mehre schöne Aussichten ab, die man sah, und von manchen erhabenen Wolken-Partien lieferte er gute Rötelzeichnungen; – als endlich die Partien zu regnen anfingen und selbst herunterkamen. Sogleich rief der Doktor den langröckigen Flex in den Wagen herein als einen Füllstein für Niess. Diesem entfuhr der Ausruf: "Dies