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von der sich mehre ausser mir so viel versprechen. Stehe doch die Summe nur so lange auf Kredit als der Protestantismus selber aus: so muss sie ja, hoff' ich, da Geld wie Schnecken, Seehasen und Blumen sich mit sich selbst vermehrt, zu solchen Millionen wachsen In der Tat ich sonne mich am Goldglanz. Allein eben dieser Religionfond, diese luterische biblia in nummis (biblisches Münzkabinett) sinds ja, was der Anhänger so wünscht. Nach den ersten Jahrhunderten stiege der Gotteskasten dermassen, dass man eine Luters-Bank errichten könnte und müsste; – ein Bankodirektor (ein General superintendent sei es) würde angestellt und dazu viele Kassierer samt anderen Bankoffiziantenjährlich wüchse Geld und Dienerschaftdieses schöne patrimonium Pauli, entgegen dem päpstlichen patrimonium Petri, gediehe zu luterischen Besitzungen in Indien oder in Mansfeld. Andere Dinge würden auf die leichteste Art mit dem Luters-Kapitale verbunden, z.B. BergwerksKuxen, Lotterie und Lotto u.s.w. Und endlich würde vielleicht das Schönste und Wichtigste versucht, nämlich es würde jedem Protestanten etwas von der Luters-Kasse vorgestreckt.....

Ich denke, dann ist es genug. Ein Mann, der Kredit gibt, bekommt täglich mehr Kredit; und mehr gehört zu keiner Unsterblichkeit.

Luter lebt so lange als England.

Hiemit schliesse ich mein kleines Ideen-Magazin ab und zu. Geld wollt' ich dem corpus evangelicorum überall ersparen dessen bin ich mir bewusst –, und sollte die Mansfelder Gesellschaft auch nur einen Groschen Einrückgebühren meinetwegen aufwenden, so könnt' ich nichts davor. Indessen so viel erwartete das Europa, das ich kenne, von jeher von der Mansfelder humane Society, dass sie, schreibe sie für oder wider mich, und wohne der eine oder der andere auf den 200 Brandstellen in Eisleben oder in der Siebenhitze, einem Ehrenmitgliede stets im Reichsanzeiger mit jener Höflichkeit etwas auf sein Magazin antworten und versetzen werde, die bisher den einzigen und daher letzten Unterschied zwischen uns und den Holländern gemacht und unterhalten hat, welche wirklich im philologischen Fache sonst zuweilen das äusserten, was man früher in Griechenland Grobheit hiess.

Musurus,

Ehrenmitglied.

So weit Musurus. Ich würde mich ordentlich lächerlich machen, wenn ich ausführlich bewiese, dass vieles, wo nicht mehr, in dessen Magazin satirischer gemeint sei als ernstaft; weil man den Aufsatz nur einigemal zu lesen braucht, um gerade hinter dem Feierkleide des Ernstes die Fastnachtlarve des Spasses zu erblicken. Freilich fiel manches unter der Aufrichtung von Luters Obeliskus weniger gross als (wenn auch nicht kleinlich, doch beinahe) klein aus, von der Einladschrift und Einlaufsumme an bis zu wenigen Vorschlägen ihres Verbrauchs; und Musurus' Scherz und jeder Scherz verkleinert vollends alles, sogar das Kleinste. In unsern kalten, geizigen, glaubenslosen Tagen, wo die Religion nur noch die Kabinette und Gerichtsstuben hat (nicht diese etwa jene), ist die Erscheinung herzerhebend, dass man noch des alten herrlichen Luters, dieses Höllenstürmers vormaliger Himmelstürmer, durch ernste Taten gedenkt, indem auf der einen Seite eine von seiner Erinnerung begeisterte Gesellschaft rastlos und mutvoll ein anfangs so wenig versprechendes Unternehmen verfolgt, und indem sie auf der andern sich durch einen tätigen Anteil von vielen Seiten, wenn nicht belohnt, doch ermuntert sieht. Wessen Herz aus Religion und Menschen liebe die Nahrung zieht, dem quillt sie reichlich aus dem Anblicke einer gebenden Vereinigung zu, welche für einen höhern Zweck als gewöhnliche Waisenhaussteuer und aus höherem Triebe opfert; auch wer seine Hand nicht öffnete, muss geneigt sein, jede brüderlich zu drücken, die sich aufgetan. Eine Opferflamme entzündet die andere, und vielleicht ist der edle Schiller seine Todes- und Unsterblichkeits-Feiertage den Gerüsten zu Luters Tempel schuldig. Auch dem Reichsanzeiger kommebei der deutschen Staatenzersplitterung, welche nur vertiefte Gläser zum Zerstreuen, nicht erhobene zum Sammeln vorhältsein Lob, das deutsche Unterhaus zu sein, welches deutsche Stimmen und Ohren und Gaben sammelt.

Oft wiegt die Bewunderung mehr auf der Geisteswaage als ihr Gegenstand; und folglich könnte die Begeisterung für Luter sich selber adeln, unabhängig von Luters Adel. Aber schauet an diesen immer grünen Eichbaum und seine Äste hinauf, an diesen Turm, der immer, wenn nicht ein Leucht-, doch ein Kirchturm war mit Sturmglocken und friedlichem Glockenspiele. Nicht seinen Märterer-Mut acht' ich am meisten, so viel eiserner er auch war, als er scheinen kann. Denn jedes kühne Leben erscheint aus der Vergangenheit nach dem Umsturz der Schreckensbilder nicht so kühn, und daher hat gegen die vielarmige, aus Nebeln schlagende Zukunft nur die grosse Seele Mut, gegen die ausgerechnete nackte Vergangenheit aber ein jederLuter stand noch in den witterhaften Grubenwettern, die er anzündete und für uns entwikkelte zu reiner Luft. – Folglich bewundere ichs auch nicht am meisten, dass er, zu kräftig, ein blosser gleitender Dielenglätter (Zimmerfrotteur) der Kirche zu sein, lieber gleich Simson die Säulen angriff und umwarf. Sogar dies, dass er einen kernderben Deutschen in allen festen Muskeln und feinsten Nerven, einen Geharnischten voll Krieglust und voll Ton- und Kinderliebe darstellte, sogar diese Gottesaussteuer reicht nicht an sein anderes, schönstes Herzgut hinan, dass er nämlichweder ein Dichter noch ein Schwärmer, sondern vielmehr ein vielseitiger Geschäftseherdoch an Gott, an sich und sein Recht glaubte und mit diesem heiligen Glauben des Rechts, ohne welchen das Leben weder Ziel hat noch Glück, wie neben einem Gott durch seine lange Laufbahn dreist und lustig