neben seiner Haustüre – siehe, auf einmal ist sein Name verewigt, welcher Pasquino bekanntlich genug heisst. Eine Königin, die Gemahlin Franz I. von Frankreich, speist gern eine gewisse Pflaume – jetzt wächst ihr Name ewig als Obst am Pflaumenbaum Reine Claude. Der Bruder Ludwigs XIV. merkte dies bei Lebzeiten und ass eine andere Pflaumenart mit Lust – siehe, auch er hängt verewigt an seinem Lorbeer- und Pflaumenbaum als Monsieur, sogar nach der Revolution. – Kato, Cäsar, Pompejus sind noch heute jedem Jäger bekannt und lebendig, weil ihre Schweiss- und Hatzhunde so heissen, so wie in Schottland die alten Heroen durch die fortgesetzten Hunde, die sie zu Gevatter bitten, noch lange leben werden.
Ich wollte, ich hätte an meiner Jugend Voltairen beleidigt: so hätt' ich nicht nur den deutschen Fürsten bekannt werden können, sondern auch der Nachwelt. Die gedachte Berliner Vogelspinne werfe Goeten ein Fenster ein oder laufe ihm kalt an der Wade hinauf: so wird sie in den Spiritus einer Xenie gesetzt und konserviert sich darin trefflich. Warum überhaupt so viele Umstände und Krönstädte gemacht, da eine Krönstätte, deren Breite nicht über das Tronglied hinauszureichen braucht, schon auslangt und nachhält? Diana hatte winzige Taschen-Tempelchen von Silber, als Göttin. Nun so nehme Luter als Mensch mit seinem Katechismus als kleinem Tempelchen des Ruhms und Ehrensäulchen vorlieb oder (wie es Voltaires-Kästchen gibt) mit Luters Katechismusglas. Ja, fertigt nicht die Cansteinsche Bibeldruckerei (nebst Waisenhaus) seinen Seelenadelbrief jedem aus? – Und hat nicht schon Dr. Seiler eine gute Bibelanstalt zum Eintreiben von Luters Krönkosten gemacht und diese eingesteckt?
Wollen wir aber alle etwas Ausgezeichnetes für seinen Namen tun: so fragt sich – denn es kostet wenig –, ob wir nicht, den Sinesern gleich, die ihren grossen Männern zu Ehren Türme errichten, Luter zu Ehren die Kirchtürme der luterischen Konfession als Ehrensäulen seines Namens betrachten und annehmen wollen. Welche Menge Säulen! Ja man könnte noch weiter gehen – die Kosten lasse ich immer nicht wachsen – und, so wie es Rousseaus-, Voltaires-, Shakespeares-Gassen gibt, nach Ähnlichkeit der Judengassen, Luters- oder gar Luteraner-Gassen in Eisleben eintaufen, es sei nun im preussischen Anteil in der Neuhälfte der Siebenhitze, oder im kursächsischen in der Vorstadt Nussbreite, oder in der Alt-, in der Neustadt oder auch in Dresden und sonst, zum Beispiele in den verschiedenen Buchhändlergassen, welche so sehr für und von Luter leben. –
Findet ein Mansfelder Gesellschafter die Ehre zu winzig, so sag' ich: Herr, wenn noch neben Gassen sich ganze Länder und Kreise nach Luter nennen, was will er mehr oder Er?
Mich stach vorigen Jahrs in der Kirche ein Frauenzimmer mit einer Nadel in den Fächer mit Namen. Ich schwur der person, der Unterschied zwischen dem Fächer und dem peplum Minervae, worin man grosse Heldennamen einstickte, sei, was Namens-Unsterblichkeit anlange, nicht der grösste, da auf der Erde der Boden zu ewigen Denkmälern ohnehin fehle, indem sie selber vergehe. Knetet mir nur erst eine unsterbliche Kugel, dann lasse ich Unsterbliche auf sie laufen. Und ich selber würde ohne diese niederschlagende Betrachtung mich vielleicht unsterblicher gemacht haben, als ich absichtlich tun wollen, da ich meinen matematischen Ehrenpunkt jetzt nur darin setze, ein Ehrenmitglied an anderen Ehrenmitgliedern abzugeben.
Ich rücke nun in meine zweite Klasse, worin ich den Deutschen einen Vorschlag versprochen, dem grossen Reformator das ewige Denkmal so zu setzen, dass die Summe von 6 000 Talern und einigen Groschen keinen Pfennig ausgibt.
Die ganze Summe, und was noch einkommen möchte, wird nämlich sicher genug auf landesübliche Zinsen ausgeliehen. Dies ist es. Das Kapital stehe samt seinen Prozenten nur sechs Jahrhunderte aus: so weiss ich nicht, was wem fehlen soll, Verewigung Lutern, oder Millionen uns. Man erlaube mir der Kürze wegen, nur ein wenig auszuholen.
An und für sich kann ohnehin Luter noch keinen ausgestreckten Triumphwagen begehren, sondern vorläufig erst eine Ovation, womit sich ein römischer Feldherr abgespeiset sah, wenn er den Krieg weder vollendet hatte noch gegen Freie geführt. Letzteres beides ist Luters Fall. Noch stehen Millionen Katoliken da. Luter krähete allerdings als Streitahn über Europa hinüber und hoffte auf Tränen, als Petrus in Rom Christum durch Repräsentanten verleugnet hatte; aber später wurde durch den Schmalkalder Kapaunenschnitt das leichte Krähen in feste Federn verwandelt. Man protestierte gegen weiteres Protestieren, und wie Müller nicht mit Mehl handeln dürfen, so wurde Mehlhändlern, d.h. luterischen Konfessionisten, verboten, Müller, d.h. Reformatoren, zu sein. Das Sprichwort verbietet, auf einem grab zu schlafen; dennoch wurde das Luterische zum gesunden Schlafsaale und Schafstalle eines müden Jahrhunderts gemacht. Folglich kann Luter vor der Hand nur ovieren. Bleibt aber dessen ungeachtet nicht das Buch seiner Konsulat- und Kaiser-Wahl, worin die Nation ihre Geldsummen eingeschrieben, immer aufgeschlagen, der Reichs-Anzeiger nämlich, das goldene Buch für Luters Adel, überhaupt ein Werk, das in späten zeiten von ganz andern Deutschen wird studiert werden, als die es jetzt schreiben, weil man recht gut einsehen wird, dass es der beste deutsche Tacitus de moribus Germanorum ist, den man seit dem lateinischen hat? –
Wir kehren aber zum Poch-, Wasch-, Röst-, Schmelz- und Treibwerke zurück, zum Kapitale, das, als Ehrenschuld an Luter, die Religionoperationkasse sein kann,