mit Krönungen knausern, sobald alles dazu da ist, Krone und Kopf? Nein, sondern Deutschland sei dann – so ist mein Vorschlag – wie ausser sich und erinnre sich eines jeden, der Gewicht hat, und schütte so mit einem Schlag den Schwarmsack herrlichster Honigbienen aufs Paradebette aus. – Meusel muss nachgeschlagen, Schlichtegroll exzerpiert- und alles, was nur notdürftig unsterblich ist (denn die Ehre ist auch darnach), zu Papier und in den Tempel gebracht werden, weil ein einziger Teufel, der unsterblich wäre (wie es wohl jeder in der Hölle ist), der Nation als ein ewiger Schandpfahl ihres Patriotismus dableiben würde, falls man ihn ohne Tron und ohne Krone liesse – und alles muss ordentlich rotten- und herdenweise durch Ehrenpforten wie heraldisches Vieh in Luters Rotunda auf ewige Ehren- und Nobelplätze eingetrieben werden und dann wie gewöhnlich verehrt. Mir ist es einerlei, auf welche Weise man einen und den andern unsterblichen Tropf, z.B. Gottsched veneriert, sobald er nur in der Rotunda mit hauset, und es mögen, wenn in diesem Familienbegräbnis der heiligen Familie des Genies grosse Männer in Lebensgrösse daliegen, die kleinen sich bis zu Schreibfingerknochen abstufen. Ist einmal so viel unsterbliche Mannschaft da: so lasse man gar – denn mein Vorschlag soll keine Grenzen kennen – jeden Rest hinein, der gestorben ist und gut geschrieben hat – der Fussboden werde mit Gesichtern der Ökonomen, wie in Rom der Götter, musivisch ausgelegt – gelehrte Wunderkinder wie Heinecke, Tanzmeister, Sprachmeister, Philologen, Numismatiker mögen an den Tempelsäulen als Schnörkel, Verkröpfungen und Kälberzähne leben – von Tempelstufe zu – stufe trete der Fuss auf einen Advokaten von Belang – und da man um das Mansfelder Panteon für den Zustrom der Verehrer Wirtschaftgebäude wird führen müssen, so werde auch das Mittelgut wirtschaftlicher, aber guter Merkels-Köpfe da untergebracht, bei welchen die Ausgiessung des heiligen Geistes so glücklich vorbeigefallen, dass sie trocken geblieben – und endlich, droh' ichs denn zu hindern, wenn man zuletzt an den Inkognito-Ort, den schon der gedachte Zufluss verlangt, auch das literarische Schmiervieh (mit den Schäfern zu reden) erbärmlich, wie gewöhnlich geschieht, mit Namen an die Wand kratzt!
Gott! dann sähe ja Deutschland alle seine NationalGötterschaften in Mansfeld für halbes Geld unter Dach und Fach gebracht und hinlänglich angebetet! Was fehlte noch darin?
Bloss was von Unsterblichen noch lebendig wäre! Himmel! nun so schiesset doch nach und nehmt und stellet auch alle Lebendigen in Mansfeld auf, vom gewaltigen Vogel Rok in Weimar an bis zu seiner kritischen Vogelspinne in Berlin44 herunter, welche vielbeinig und erbost schon so lange auf der Reise um den breiten Vogel ist.
Und sogar mir Ehrenmitglied kann, freilich mit Einschränkung, darin mit gehuldigt werden! Oder ist nicht jeder lebende Liebling-Kopf ohne dieses vorgeschlagene Zurückdatieren seiner Unsterblichkeit sonst zu schlimm daran in seinem Schlaf- oder Wachrock, den er mit blossen Knochen in Reih und Glieder stellt, wenn aus dem Gefängnis-Temple seiner Wirklichkeit erst nach dem Tod ein besserer Tempel, aus einer streitenden Kirche eine triumphierende werden soll?
Nun hätten wir endlich alles in die KonföderationRotunda abgeliefert, was nur von Belang zu haben wäre – man müsste denn darin, um nur das beschwerliche geldfressende Verherrlichen auf einmal und auf immer abzutun, sogar für zukünftige Köpfe etwas leisten und auf eine mir ganz unbekannte Weise sie früher auf die Nachwelt bringen wollen, als sie in der Welt erschienen wären, indem man ordentlich, wie freudetrunken, es zu meinem Erstaunen auf ein Allerheiligen-fest anlegt. Ich meines Orts habe gar nichts dawider.
Ich gestehe, überschaue ich dies alles kaltblütiger: so werde' ich leicht von dem hölzernen Hering, der gewöhnlich als Herold und Repräsentant ganzer essbaren Heringtonnen an den Kauffenstern hängt, auf den Gedanken geführt, ob nicht ebenso alle grosse Männer auf einmal durch einen allgemeinen grossen Mann, durch eine Simultan- und Kompagnie-Bildsäule – alle gewaltigen Walfische durch einen hölzernen – so darzustellen und zu verewigen ständen, als das noch grössere Torenreich in Italien durch die bekannten vier komischen Masken, indem man für jede der vier Fakultäten eine ernste Maske, einen ernsten Truffaldino für die teologische u.s.w. wählte. Diderot begehrt so statt der Einzelwesen ganze Stände auf die komische Bühne gebracht.
Doch werf' ich dies alles hin für Klügere als ich. Die Mansfelder täten mir überhaupt zu wehe, wenn sie mir die Torheit unterschöben, dass ich auf irgendeinem meiner Vorschläge steif bestände. Mir ist wahrlich jeder gleich; ich gebe ja nur Winke; ein sehr schwaches Verdienst, da man zum Winken mehr die Augenlider als die Augen gebraucht. Wie gewagt ist nicht folgender Wink!
Zwölftausend Gulden Tax – 1200 Gulden Subskription-Regal dem Vizekanzler (was dies ist, weiss ich selber nicht, ich schreibe es bloss ab) – 600 dem Sekretär – und 1200 Kanzlei-Jura müssen nach de "erneuerten Chur-Mainzischen ReichshofkanzleiTaxordnung von 1659 den 6. Jan." durchaus in Wien dafür entrichtet werden – (und mich dünkt ganz billig, da man neuerer zeiten in Paris oft vielmal so viel abliefern musste, um nur ein Fürst zu bleiben) –, wenn man einer werden will. Ich glaube indes, so viel Nachschuss wäre wohl der Mansfelder Operationskasse noch einzutreiben möglich, dass Luter ziemlich hoch davon könnte in Fürstenstand erhoben werden, besonders da verstorbene Genies nicht mehr verlangen können – sobald man lebendige nur adelt –, als dass sie gefürstet werden.