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arbeitete daran" übertrüge wohl jeder mit wahrem Vergnügen auf den Luterischen.

Ich teile jetztda mich die Mansfelder Gesellschaft, wenn nicht im besten, doch in ihrem Stile, so dringend dazu auffordertmeine Ideen über den besten Verbrauch der Ehrensumme mit, welche durchaus in zwei grosse Klassen zerfallen: in der ersten werden die Vorschläge getan, etwas von ihr übrig zu behalten, wenn man Lutern das Seinige setzt; in der zweiten die, wodurch gar die ganze Summe gespart wird.

Ich beginne bei der ersten. Zu verwundern ist esaber noch zu helfen, da wir Geld haben in Mansfeld –, dass wir über Lutern einen ganz höhern Mann zu ehren vergessen, dem er selber, wie jeder grosse Mann, seine Bildung verdankteinen Mann, der bis auf den Jüngsten Tag fortwirkt, solange noch ein lebendiger Mensch existieretder uns eigentlich zu Menschen machteeinen Stammbaum aller Stammbäume, ob er gleich die Bürgerlichen mehr begünstigtunsern Vater aller Landesväterkurz einen Mann, den der Schöpfer zuerst inspirierte, nicht einige Gedanken, sondern die ganze Seeleund welcher nicht nur der grösste war, sondern auch (was äusserst selten ist, da es nur einmal ist) der erste, und den ich gern die Mutterzwiebel und das Erzhaus der Menschheit nennedenn ich meine offenbar Adam zu verwundern und schwerlich zu entschuldigen ist es, sag' ich, dass für einen Mann von solchem Einfluss, und mit allen Fürsten verwandt, noch nichts getan worden, weder im protestantischen Deutschland noch sonst wo. Von seiner Frau gilt dasselbe. Ob aber Adam? der Jahrtausende Lutern vorarbeitete, nicht früher Ehrenflinten und Ehrensäbel und Ehrentrommelstöcke in seine hände von der Mansfelder Gesellschaft zu bekommen verdient als Luter, wird sie mir öffentlich beantworten. Denn dies entschuldigt uns nicht, dass allerdings jeder Adams-Sohn von uns oder Postadamit seinem guten Vorvater bisher, so gut er konnte, jenes geistige und bleibende Denkmal in seinem Busen aufrichtete, das unter dem Namen alter Adam so bekannt ist als das Neue Testament. Aber sind denn Lutern nicht durch den neuen Adam dieselben Denkmäler gesetzt? – Schlägt man die Millionen Nachkommen als lebendige, dem Erzvater gesetzte Statuen hoch an, wovon ihm jeder von uns einige setzt: so besitzt auch Luter an den umhergehenden Luteranern dergleichen Karyatiden seines Ehrentempels genug. Doch dies ist mehr Scherz; was ich aber ernstaft vorschlage, ist, dass, da wir das Geld einmal in Händen haben, wir es verteilen und beiden, sowohl Lutern etwas setzen, das uns Ehre macht, als auch Adam. – – Und warum ihnen allein? Denn ich gelange jetzt auf den Haupt- und Standpunkt. Warum wollen wir, wenn allen Festen eines gewissen grossen Fürsten immer ein Taler abging, plötzlich so unerhört verschwenden, dass wir mit sechstausend solcher abgängigen Taler nur ein einziges Rosenfest, eigentlich ein Eichenfest, eines einzigen Mannes begehen wollen, als ob nicht der Sechstausend-Taler-Stock eine ungeheure Summe für einen Mann aus Luters zeiten wäre, wo ein Hering einen heller kostete und Brennholz gar keinen? Wollen wir den Ruhm verlieren, dass wir bisher einerseits immer als Männer in Kredit gestanden, welche das Geld (auch für Ehrensachen) nie weggeworfen, sondern jeden heller ansahen und umwandten, ehe wir ihn einsteckten? Wir sind ferner auf der andern Seite (etwas ist wahr) bei Europa nicht zum besten, sondern mehr als Leute angeschrieben, welche ihren grossen Männern ungern etwas Höheres aufrichten, als was der Totengräber auf ihren Sarg aufsetzt und der Setzer auf dem Lumpenpapier, und welche die Werke ihrer Lieblingschriftsteller ungern um den Ladenpreis erstehen; wie dann zu unserer Schande hier ein Handelsmann existiert, der Wieland ordentlich anbetet und sich dessen sämtliche Werke in einen ungeheueren Band hat binden lassen, um sich schadlos dafür zu halten, dass er keinen Nachdruck erschnappen können.

Aber, o Himmel, Glück über Glück! jetzt kann ja bei sechstausend Taler Tempel-Baubegnadigung alles wieder gut gemacht werdender alte Unehrenfleck ausgewaschendie Nation von sich geehret und rehabilitieretKepler, Hutten, Herder, Lessing, Kant, Winckelmann, Albrecht Dürer können nun erlangen, wornach mancher von ihnen so lange strebte, warme Anerkennung von der Nation. – – Denn ich schlage nämlich vor, dass diese bisher sündlich vernachlässigten Seelen-Grossen nicht bloss, sondern auch alles übrige geistige Bergvolk nun von uns in Luters Panteon, wozu die sechstausend aus der Nation gebrochne Bausteine schon daliegen, hineingeschafft und daselbst aufgestellt und mit einigem Nationalgefühl und Stolz zusammen aufbewahret und verehret werden, um so die Baukosten zerstreueter Ehrensäulen für jeden besonderen Narren sich ohne Geschrei und Schande zu ersparen.

Dies muss geschehen; denn lassen wir nicht mehre Köpfe unter einen Lorbeerkranz zusammenkommen oder auf dem Mansfelder Triumphwagen nicht recht viele Sieger einsitzen: so sind wir bei der Nachwelt ( auf die wir alles bringen) zu wenig entschuldigt, dass wir einem mann wie Luter erst so spät nach der letzten Ehre eine neue erzeigten, und dass er, so wie Tasso einen Tag vor seiner Krönung, ebenso ein Jahrhundert und länger vor der seinigen sterben musste, wir müssten uns denn damit helfenwas ebenso erbärmlich als notwendig wäre –, dass wir auf Luters denke-Statue oder Kirche wenigstens von zwei Jahrzahlen eine wegliessen, entweder das Geburtjahr der Statue oder sein eigenes. Aber warum, wenn nun ganze deutsche Kreise das Beste versuchen und sich vor einen vollbesetzten Sieg- und Krönungwagen gefürsteter Geister spannen, soll man