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sich bestimmtes Loben zu ersparen, und äusserte darauf: er sage ein bedingtes Ja und schiesse das unbedingte freudig auf dem Gute selber nach, wenn ihm und seiner Tochter der Hauptmann erlaube mitzureisen. "Warum soll ichs nicht sagen?" fuhr er fort, "ich bin ein gerader Mann mit dem ganzen Herzen auf der kleinen Zunge. Ich wünschte wirklich den unterirdischen Schatz zu sehen, dessen Herr Zoller gedachte, und Sie mögen immerhin dies für einen Vorwand mehr aufnehmen, um meine naturhistorische Unersättlichkeit zu befriedigen." Ob er nicht eine wahre Verstellung in die scheinbare verbarg und eigentlich gerade dem Reichtum über der Erde unter seinem Vorwand eines tiefern nachschauen wollte, konnte ausser der hellen Bona wohl niemand bejahen; sondern eine triumphierende Kirche frommer Liebe, ein Brockengipfel tanzender Zauberfreude wurde das Zimmerchen; und selber Katzenberger stellte in dieser Walpurgisnacht voll Zauberinnen schöner als sein Urbild (der Teufel) den umtanzten Brocken-Helden dar.

Nachdem er, um die allgemeine Entzückung und die eigne lustiger zu ertragen, den nötigen Wein getrunken: so macht' er sich unversehends, in der Flucht vor vier Dankstimmen, nach haus und sagte unterwegs' die Augen gegen den Sternenhimmel gerichtet: "Rechn' ich auch nur flüchtig nach, dass ich einen achtfüssigen Haseneine sechsfingrige Handdie goldfingerige eines Schwiegersohns auf einer kurzen Reise gewonnen, wobei ich nicht einmal im Vorbeigehn die Strykische Schreibtatze anschlage, auf die ich geschlagenund schau' ich in die Höhle hinein, wo ich auf ganz andere Höhlenbären als auf die kritischen stossen soll: so kann ein Mann, der auf einer Reise ums Weltmeer nicht mehr hätte fischen können als ich auf meiner ins Maulbronner Bad, dafür Gott, sollt' ich denken, nicht genug danken."

Werft noch vier Blicke in den kleinen Freudensaal der vom Vater-Ja beglückten Liebe und der beglückten Freundschaft zurück, eh' ihr von allen auf immer geht! Solche Abende und zeiten kommen dem dürftigen Herzen selten wieder; und obgleich die Liebe wie die Sonne nicht kleiner wird durch langes Wärmen und Leuchten, so werden doch einst die Liebenden noch im Alter zu einander sagen: "Gedenkst du noch, Alter, der schönen Juli-Nacht? – Und wie du immer froher wurdest und deine Bona küsstest! – Und wie du, Teoda," (denn beide fallen einander unaufhörlich in die Rede) "den guten Zoller herztest! – Und wie wir dann nach haus gingen, und der ganze Himmel funkelte, und das Sommer-Rot in Norden ruhteUnd wie du von mir gingst, aber vorher einen ganzen Himmel in meine Seele küsstest, und ich im Lieberausche leis' an meinem Vater vorüberschlich, um den müden nicht zu wecken – – Und wie alles, alles war, Teoda; ich bin kahl, und du bist grau, aber niemals wird die Nacht vergessen!" – So werden beide im Alter davon sprechen.

Ende der Badgeschichte

Werkchen

I.

Wünsche für Luters Denkmal von Musurus

Ein gewisser, mir ganz unbekannter MusurusEhrenmitglied von mehren Ehrenkörpern deutscher Gesellschaften für Deutscheschickte mir vor einigen Wochen einen Aufsatz über die Tempelkollekte42 zu Luters Denkmal zu. Da ich nun befürchte, dass der Aufsatz, der im grund Deutschland mehr in ein lächerliches als in ein vorteilhaftes Licht zu setzen sucht, irgendeinem monat- oder Kalender-Autor begegne, der ihn gar drucken lässt: so teil' ich ihn hier selber mit, um die gelegenheit zu benutzen, manches, was er scherzhaft vorbringt, ernstaft zu entkräften in einem kleinen Anhang. Hier folgt zuerst seine Arbeit unter dem Titel:

Geldersparendes Ideenmagazin zu Denkmälern

Luters und Deutschlands

Sechstausend Taler und einige Groschen, die noch von Woche zu Woche anschwellen, haben wir nun im Luterischen Deutschland zusammengelegt, was ich auch von der Vereinigung aller Stände sogleich erwartete. Mit solchen Summenso denke' ich

können wir wahrscheinlich etwas machen, wenn auch keine Statue, doch einen Anfang dazu, irgendein Glied. Es muss indes noch unendlich mehr einlaufen, wenn wir Deutschland verlassen und den Reichsanzeiger in Sprachen solcher Länder übersetzen wollen, die mit uns zugleich hinter Luters Freiheitfahne vom päpstlichen stuhl abgegangen sind; denn in Schweden, Dänemark, sächsischem Ungarn, luterischem Ostindien, der Schweiz, in Holl-, Eng- und Schottland muss jetzt eingefallen, und was nur von Ländern sonst protestierte, mit Kollektenbüchsen durchzogen werden, damit sie der Mansfelder Gesellschaft steuern wie wir alle, wenn sie nicht von uns wollen rot gemacht sein. Gedenken denn so viele reichere Länder eine Religionumwälzung, wofür ein ärmeres sechstausend Taler zusammenschiesst, umsonst, ohne Taufgebühren zu geniessen? Es mag daher den Vorschlägen, die ich nachher über den besten Verbrauch der gedachten Almosensammlung wage, dieser vorausstehen, dass man die eingegangenen Monument- und Ehrengelder wohl nicht ergiebiger verwenden könnte als bloss für Botenmeister, nämlich für Pfennige- und Deutmeister, für Taler-, Kronen-, Adolphsd'or- und Croren-43Meister, welche man um diese Summen gewänne und in die Auslande verschickte, um da die beträchtlichsten Beiträge zu Luters Denkmal in Mansfeld einzutreiben. Gott! wenn wir uns nur ausmalen, dass bloss fünf Lords in London von dem Boten erobert würden zur Unterschriftbevor sie selber mit den andern von der Landung Napoleons erobert wären – : so langte dieses ja zu, dass wir das Quintupel des ausgegebnen Botenlohns, nämlich des bisher eingenommenen Ehrensolds für Luter, einzustecken bekämen! Sesostris Aufschrift auf seinen Tempeln: "Kein Eingeborner