den jeder tragen muss, Goliat wie David. Diese Freigebigkeit entzweiete mich oft mit dem Piraner Prosektor, sonst mein Herzensfreund, aber ein geiziger Hund, der Leute en robe courte – aber nicht en longue robe – hat, und denen er die Röcke zu kurzen neumodischen Westen (nicht zu altmodischen) einschnurren lässt. Setz' ich nun seinem Geize mein Muster entgegen: so verweiset er mich auf die anatomischen Tafeln, nach denen unter den Gegenmuskeln der Hand der Muskel, der sie zuschliesse, stets viel stärker sei als der, welcher sie aufmacht, und zu jenem Muskel gehöre noch die Seele, wenn Geld damit zu halten sei. Daher die Freunde auch die hände leichter gegen einander ballen als ausstrecken. Etwas ist daran."
Als Teoda kam, hatte der Doktor, der im Vordersitz wartete, dass er durch einen Hüften-Nachbar fester gepackt würde, den verdrüsslichen Anblick, dass das Paar nach langer Session-Streitigkeit sich ihm gegenübersetzte. Die Tochter tat es aus Höflichkeit gegen Niess und aus Liebe gegen ihren Vater, um ihn anzusehen und seine Wünsche aufzufangen. Zuletzt sagte dieser im halben Zorn: "Du willst dich sonach an das Steissbein und Rückgrat des Kutschers lehnen und lässt ruhig deinen alten Vater, wie ein Weberschiffchen, von einem Kissen zum andern werfen, he?"
Da erhielt er endlich an seiner hinüberschreitenden Tochter seinen Füllstein, zur höchsten Freude des rücksässigen Edelmanns, dessen Blicke sich nun wie ein Paar Fliegen immer auf ihre Augen und Wangen setzen konnten.
8. Summula
Beschluss der Abreise
Sie fuhren ab...
.... Aber jetzt fängt für den Absender der Hauptpersonen, für den Verfasser, nicht die beste Zeit von Lesers Seite an; denn da dieser nun alle Verwicklungen weiss, so wird er mit seiner gewöhnlichen Heftigkeit die sämtlichen Entwickelungen in den nächsten Druckbogen haben wollen und die Foderung machen, dass in den nächsten Summuln der Rezensent ausgeprügelt werde, dessen Namen er noch nicht einmal weiss – dass Herr von Niess seine Larve, als sei er bloss ein Freund Teudobachs, abwerfe und dieser selber werde – und dass Teoda darüber erstaune und kaum wisse, wo ihr der Kopf steht, geschweige das Herz. Tu' ich nun dem Leser den Gefallen und prügle, entlarve und verliebe, was dazu gehört: so ist das Buch aus, und ich habe erbärmlich in wenig Summuln ein Feuerwerk oder Luftfeuer abgebrannt, das ich nach so grossen Vorrüstungen zu einem langen Steppenfeuer von unzähligen Summuln hätte entzünden können. Ich will aber Katzenberger heissen, entzünd' ichs nicht zu einem.
Von jetzt an wird sich die Masse meiner Leser in zwei grosse Parteien spalten: die eine wird zugleich mich und die andere und diesen Druck-Bogen verlassen, um auf dem letzten nachzusehn, wie die Sachen ablaufen; es sind dies die Kehraus-Leser, die Valetschmauser, die Jüngstentag-Wähler, welche an Geschichten wie an Fröschen, nur den Hinterteil verspeisen und, wenn sie es vermöchten, jedes treffliche Buch in zwei Kapitel einschmelzten, ins erste und ins letzte, und jedem kopf von Buch, wie einem aufgetragnen Hechte, den Schwanz ins Maul steckten, da eben dieser an Geschichten und Hechten die wenigsten Gräten hat; Personen, die nur so lange bei philosophierenden und scherzenden Autoren bleiben, als das Erzählen dauert, wie die Nordamerikaner nur so lange dem Predigen der Heidenbekehrer zuhorchen, als sie Branntwein bekommen. Sie mögen denn reisen, diese Epilogiker. Was hier bei mir bleibt – die zweite Partei –, dies sind eben meine Leute, Personen von einer gewissen Denkart, die ich am langen Seile der Liebe hinter mir nachziehe. Ich heisse euch alle willkommen; wir wollen uns lange gütlich mit einander tun und keine Summuln sparen – wir wollen auf der Bad-Reise die Einheit des Ortes beobachten, so wie die des Interesse, und häufig uns vor Anker legen. Langen wir doch nach den längsten verzögerlichen Einreden und Vexierzügen endlich zu haus und am Ende an, wo die Kehraus-Leser hausen: so haben wir unterwegs alles, jede Zoll- und Warntafel und jeden Gastofschild, gelesen und jene nichts, und wir lachen herzlich über sie.
9. Summula
Halbtagfahrt nach St. Wolfgang
Teoda konnte unmöglich eine Viertelstunde vor dem Edelmanne sitzen, ohne ihn über Inner- und Äusserlichkeiten seines Freundes Teudobach, von dem Zopfe an bis zu den Sporen, auszufragen. Er schilderte mit wenigen Zügen, wie einfach er lebe und nur für die Kunst, und wie er, ungeachtet seiner Lust spiele, ein gutmütiges liebendes Kind sei, das ebensooft geliebt als betrogen werde; und im Äussern habe er so viel Ähnlichkeit mit ihm selber, dass er darum sich oft Teudobachs Körper nenne. Himmel! mit welchem Feuer schaute die Begeisterte ihm ins Gesicht, um ihren Autor ein paar Tage früher zu sehen! "Ich habe doch in meinem Leben nicht zwei gleichähnliche Menschen gesehen," sagte Teoda, der einmal in einem glänzenden Traume Teudobach ganz anders erschienen war als sein vorgebliches Nachbild. "Soll er meiner Tochter gefallen," bemerkte der Doktor, "so muss die Nasenwurzel des Poeten und die Nasenknorpel samt dem Knochenbau etwas stärker und breiter sein als bei Ihnen, nach ihren phantastischen Voraussetzungen aus seinen Büchern." Wenn also der Schleicher etwa, wie ein Doppeladler, zwei Kronen durch seine Namen-Maske auf den Kopf bekommen wollte, eine jetzige und eine künftige: so ging er sehr fehl, dass er den Menschen ein paar Tage