lieben uns, so gut wir können. Nur bitte' ich Euch noch, mir die Stockscheide, womit ich vorher in die Scheibe des Knies getroffen, selber an den Giftpfeil anzustossen, weil ich mich aus Misstrauen nicht bücke, Schatz!"
Als Stryk etwas ängstlich die obere Hälfte des Hakenstocks an die untere angeschienet hatte, händigte Katzenberger mit dem Gemsenhorn noch schleunig einen beträchtlichen Schlag den Schreibknöcheln des Mannes ein – es sollte ein Siegel auf die Bundakte sein – und sagte "Nur ein Katzenpfötchen und Handschlag für den in der Höhle, Addio!" Er eilte die Treppe hinunter und in den Wagen hinein, um schnell über die Grenze des Hauses und Landes zu kommen. Noch im dorf begegnete ihm Stryks Bedienter, dem er neuen Dank an seinen Herrn mitgab, und vor dem er fahrend die Gesundheit desselben in Tee trank. Frohlockend fuhr er mit dem Reichtum von sechs Fingern und von zwei Allianz-Hasen im Geleise des Himmelweges seiner Tochter nach. Strykius sang zu haus Dankpsalmen an seine Geschicklichkeit und an das Geschick, dass er sich durch eine tote Hand aus einer lebendigen gerettet, und machte singend die Beinkleider und dann die Haustüre zu; erst da er die letzte dem Bedienten wieder öffnete, stimmte er Kriegslieder und Wettergebete gegen dessen ungeheures Aussenbleiben an und gegen den Räuber von Doktor. Sein erster Gedanke war, diesem in einer ganz neuen Zeitung durch die zehnte Hand statt einer Benefiz- lieber eine Malefizkomödie zu geben und ihn zu einem Mitgliede in die Unehren-Legion der erbärmlichen Autoren aufzunehmen. Ferner hatte' er den zweiten Gedanken, bei sich anzustehen, ob er überhaupt einen ihm mit dem Pistol auf der Brust abgenötigten Eid und Widerruf nur wirklich zu halten habe. Da platzte auf dem Ofen eine Knallkugel, und sein Gewissen, von dieser Krachmandel gestärkt, sagte: "Nein, halte deinen Eid und nimm dir nur die Zeit; denn nach zwanzig Jahren kannst du ebensogut widerrufen, wenn du nicht stirbst, als morgen."
45. Summula
Ende der Reisen und Nöten
Die sechs Finger und acht Hasenbeine waren so erquickende Zuckerröhre, an denen Katzenberger unterwegs saugte, dass er nach dem Unfall wenig fragte, sowohl die Abrechnung der Reisekosten mit Niessen vergessen zu haben als das Aufheben des weggeworfenen Windpistols bei Stryk. Das letzte sollten ihm, beschloss er, ein paar höfliche Zeilen nachholen. Er liess galoppieren, um noch vor Untergang des Mars über das grosspoleiische Grenzwappen hinauszufahren. Dann stieg er in Fugnitz aus und genoss bei Licht seine Missgeburten ruhiger.
Nach einem kräftigen Extrakt von kurzem Schlaf flog er der Tochter nach und durch das Städtchen Huhl mit gezognem Giftpfeil vor dem haus des Pharmazeutikus vorbei. Dieser stand eben unter der pharmazeutischen Glastüre und unter der WappenSchlange seiner Offizin neben dem Orts-Physikus und zeigte diesem ohne Hutabziehen und sonstige GrussSchüsse mit ausgestrecktem arme den Giftmischer und Hasendieb.
Erst spät, bei Licht-Anzünden, kam er zu haus an. Er hörte, Teoda, die schon vormittags angelangt, sei bei ihrer Freundin. Halb verdrüsslich machte er sich nach Mehlhorns wohnung im Erdgeschosse auf, welches für ihn den Vorteil hatte, da es abends durch Fensterladen verschlossen war, dass man ungesehen durch sie hineinsehen konnte.
Katzenberger war ein Mann von vielen grundsätzen, worunter er einen hatte, den zarte Seelen, welche die menschliche, von keiner sichtbaren Gegenwart gemilderte Schärfe der Urteile über taube Abwesende schwer ertragen, ihm nicht so leicht nachbefolgen konnten, nämlich den, zu – horchen und zu luken. Darum erklärte er besonders Fenster-Läden der Erdgeschosse für die besten Operngucker und Hörmaschinen, die er nur kenne; und sagte, solche Läden schlössen etwas wohl dem Räuber, aber nichts dem Herzen zu – und man schaue nie ruhiger und schärfer in Haushaltungen als durch zarte Ritzen, entweder in einen offnen Himmel oder offnen Schaden, und er wisse dieses aperturae Jus oder diese servitus luminum et prospectus, kurz diese Licht-Anstalt mit nichts zu vergleichen als mit Totenbeschau und Leichenöffnung; nie sei er von solchen Fensterläden weggegangen, ohne irgendeinen Gewinn davonzutragen, entweder eines Schmähwortes auf ihn oder sonst einer Offenherzigkeit.
Durch den Fensterladen sah er nun mit Erstaunen die Wöchnerin Bona im Bette und in ihren Händen zwei fremde hände, die sie aufeinanderdrückte, Teodas und Teudobachs, indem sie ihr klares, obwohl mattes Auge mit so viel Entzückung und Teilnahme zu den beiden Liebenden aufhob, als sie ihrem Zustand erlauben durfte. – Er sah ferner, wie der Umgelder mit (geborgten) Weingläsern und mit (bezahltem) Weine ohne Anstand, aber lebhaft umhersprang und den Aufguss seiner eignen Begeisterung einer himmlischern vorhielt und anbot, sogar der neuen Kindbetterin, welche indes mitten in der ihrigen genug Bedachtsamkeit besass, diesen bösen Honigtau des Wochenbettes auszuschlagen. Er vernahm sogar, dass der Zoller ein Wagstück mit seiner Zunge bestand und sagte: "Gnädigster Herr Gevatter, aufs hohe Wohl unseres Paten!" – Von dem Nachmittag und der vorigen Nacht war also (sah er durch die Spalten) das Pfund jeder Stunde gewissenhaft benutzt und auf Zinsen der Liebe angelegt. Nie sah die blasse hellblauaugige Bona verklärter und durchsichtiger aus als in dieser Stunde des Mit-Entzückens, aber ihre Verklärung verschönerte auch die fremde; denn ein liebendes Paar erscheint zärter und himmlischer durch den Widerschein einer teilnehmenden Freude.
Jetzt hörte der Doktor den Zoller ausrufen: "Ich gäbe meine Hand darum, wären der Herr Doktor Gevatter da; meine scharmanten Brautleute wären aufgeräumter und stiessen an." – Der Zoller hatte als