reitet; es ist genug, wenn das Tier spricht. Mache mir jetzt etwas Tee zurecht, denn das wasser kocht; schneide aber deine Hosenknöpfe ab, damit du mir nicht entläufst."
"Lieber mein Leben lass' ich als meine Ehre," sagte Stryk "bloss aufknöpfen will ich den Hosensack und herunterlassen; und es tut ja der Länge wegen denselben Dienst..."
Während er im Hemd mühsam das Teewasser aufgoss: zog der Doktor den Widerruf hervor und sagte, wenn er ihn beschwöre und unterschreibe, so woll' er ihm das Leben selber schenken und ihn nur an den Gliedern, wo er es für gut befinde, mit dem Stab Sanft bestreifen. Strykius schwur und schrieb. Darauf begehrte der Doktor, dass er es auswendig vor ihm lerne, weil er selber das Dokument wieder zu sich stecken müsse. Der Arzt predigte den Aufsatz endlich auswendig (der Hosensack war seine Kanzel) her. "Gut!" sagte Katzenberger "Nun haben wir beide nichts Wichtiges weiter miteinander abzumachen, als kollegialisch zu überlegen, welches von den Gliedmassen ich denn vor dem Einsitzen zu zerschlagen habe; wir haben die Wahl. Wir könnten die Nase nehmen und solche breitschlagen; teils weil du auf meine grobe knollige kurze Fuhrmanns-Nase etwas heruntersiehst, teils weil nach Lavater sich unter allen Gliedern die Nase am wenigsten verstellen kann, und du also bei deiner Vermummerei Gott und mir danken wirst, wenn du ein aufrichtiges Glied weniger hast – Wir könnten aber auch zum kopf greifen, womit oder worin du besonders gesündigt und rezensiert, und ich könnte, da er noch nicht offen genug scheint, wenigstens die sieben Sinnenlöcher, die der Vorderkopf hat, auch dem Hinterkopf durch den natur-Trepan eines sogenannten Stocks einoperieren – Oder vor und von der Hand könnten so viele Finger, als leider rezeptieren und rezensieren, bequem dezimiert werden – Oder ich könnte auch das Pistol an deine Wade halten und sie durchschiessen, um aus der Hämatose zu sehen, ob sie eine falsche sei – Die Auslese wird schwer, du hast verdammt viel Glieder, und ich glaube, gerade so viel, als Pestalozzi in seinem Buch der Mütter aufzählt – Oder wählt man am besten das Ganze, die dreihäutige Oberfläche, und zeigt man sich dir mehr von der liebenden Seite, wann ich eben auf dich, als meinen Nachfolger, beeidigten Priester und Lehrboten, geradeso wie der Franziskus und andere Heilige die Wundenmäler von ihrem erscheinenden Herrn bekamen, alle die blauen und braunen und gelben Flekken, womit mich in mehr als einer Prügel-Disputa mancher Raffael angemalt, gleichsam als stigmata übertrage und abfärbe, um unsere Vereinigung zu zeigen – Nun so stimme doch mit über das Glied, sage, welches!" –
– "Mein Herz", versetzte er. – "So vertraut spricht man nicht mit mir", sagte Katzenberger. – "Meines mein' ich ja", sagte Stryk.
"In dies Glied mögen die Weiber ihre dummen Wunden machen! Herr, hier liegt Euer dummer Dachsschliefer, der niemand anbellt und anwedelt; das unnütze Vieh sollt Ihr mir, wenn ich unter den wählbaren Gliedmassen etwas naschen soll, zum Zerschneiden mitgeben und vorher vor meinen Augen erdrosseln, da ich die Bestie sonst nicht fortbringe!" – "Er ist", sagte der Arzt, "nur so still, weil er vor Alter keine fünf Sinne mehr hat; erdrosseln kann ich das treue Tier unmöglich, aber hergeben will ich ihn, da er doch bald abgeht."
Hier hob er den leben- und schlaftrunknen Dachsschliefer auf und gab ihm den Judas- und den Todeskuss. "Behalt ihn, unwissenschaftlicher Narr!" rief der Doktor; "eh' ich ein veraltetes Vieh, lieber meine zehn Finger gäb' ich her!" – Dieser Zufall öffnete plötzlich dem Brunnenarzt einen Himmel und eine Aussicht: "Ich besitze hier", sagt' er, "im Kabinett aus dem Fraisch-Archiv eine alte abgedürrte Hand, zwar keine ausnehmende Missgeburt, aber es ist doch eine Hand mit sechs Fingern, die nicht jeder am arme hat."
"Si bon! – Ganzer Mann! Schatz, gebt mir die Hand, nicht Euere – so geh' ich ab und schone jeden Hund." – Während Strykius die Sechsfingerhand als einen Reichsabschied gegen das Faustrecht aus dem Kasten holte, säete Katzenberger hinter dessen gebognem rücken mehre Knallkügelchen auf verschiedne erwärmte Plätze des Ofens und legte nicht sowohl Feuer als Donner ein, um auch in seiner Abwesenheit das Strykische Gewissen nachts oder sonst mehrmals fürchterlich zu wecken durch Lärmkanonen, Notschüsse, Türkenglocken oder andere Metaphern. Während der Donnersaat sprach er fort und sagte ins Kabinett hinaus: "Ich bin aber heute so weich wie ein Kind; das macht der Trunk. Darwin bemerkt schon längst, dass sich den Säufern die Leber, folglich die Galle verstopfe; daher ihre Gallensteine und Gelbsuchten."
Strykius brachte die eingeräucherte Hand, wogegen Esaus und Van Dyks hände dem Doktor nur als invalide oder defekte erschienen. Nachdem er den PlusFinger genau daran besehen: musste sie ihm jener selber in die tasche stecken, damit er in der gerüsteten Stellung verbliebe. Freundlich und ganz verändert bat er, ihm ein Fläschchen mit Tee mitzugeben, um es ruhiger im Wagen zu trinken. "Nach der Schenkung der fremden Hand verzicht' ich gern auf jeden lebendigen Handdruck; Eure Kusshand in meiner tasche hat alles ins reine und uns einander näher gebracht, und wir