, wer mich rezensiert hat; aber siehst ihn nur nicht gern erschlagen. Ein Knicker ist Semmelmann auch, und nichts hass' ich mehr als so einen geizigen Hund, der mir nichts herschenkt, der selber seinem Hund nichts zu fressen gibt aus Gras, das dem Tier nur schmeckt, wenn sich das Wetter ändert. – Hat er nicht bloss aus Geizhalsigkeit meine Praxis beneidet, obwohl ausser Lands, und meinen Ehrensold und die wenigen Ehrenpforten und Ehrenlegionen, die ich mir etwa erschrieben? Ist der Leibmedikus nicht der grösste Schmeichler des Hofs und denkt bei dem Fürsten, weil ich, bei gelegenheit der Hämatosen und Missgeburten, nichts von den mineralischen Bestandteilen des Landes-Bades angebracht, Ehre einzulegen, wenn er mir eine grössere nimmt, als er hat? Die Sache ist: seine Zunge gleicht der Bienenzunge, welche einem Fuchsschwanz ähnlich ist und die für sich Honig saugt, und für andere Gift. Wie gesagt, Bruder! – Ich erhebe dich vielleicht zum Leibmedikus, wenn ich den alten erschlage, mags hören, wer will."
"Guter Amtbruder," sagte Strykius, "jetzt in der Nachtkälte tritt die vorher abgeschlossene Bedingung ein, nolens volens" – "Dummes Wort, ich will entweder nolens oder volens" – "Fein bemerkt! Wir gehen dann miteinander zu mir auf einen warmen Tee", sagte Stryk und nahm ihn mit.
44. Summula
Die Stuben-Treffen – der gebotene Finger zum
Frieden
Unterwegs stammelte er nach Vermögen, und was er sagte, sollte nicht sowohl Sinn haben als wenigen "Ich brauche keinen guten Rat," sagt' er, "so wenig als ein Hund Zahnpulver und -stocher – ich werde meine Sache schon so machen, dass man vielleicht dies oder jenes davon sagt – Mancher ist ein geiziger Hund, und ziehe mir einmal einen Hundsschwanz gerade, ich bitte sehr – Gut, der Mann soll abstehen, wie Fische vom Donnerwetter, auch ungetroffen, oder wie ein Wagen voll Krebse, wenn unten ein Schwein durchkriecht." –
Sie fanden den Wagen vor Strykius tür, der sich wieder laut gegen das Nacht-Fahren erklärte und den Doktor die Treppe hinaufzog, um droben leiser sich über den Leibmedikus auszuschütten. Er schickte sogar den Bedienten, sobald er den Ofen für den Tee geheizt, mit Aufträgen in ferne, schon zugesperrte Häuser davon, um unbehorcht zu bleiben.
Der Wein – die Nacht – die Einsamkeit – der Schlag auf die Hand – dieses Ineinandergreifen so vieler Zufalls-Räder brachte den Doktor auf einmal in der stube so weit, als er nach andern Planen kaum in einer Woche sein konnte. Er zog daher einen Taschen-Wind-Puffer heraus, schoss die Kugel in die Wand – zog und spannte einen zweiten und sagte: "Ein lautes Wort von dir, so schiess' ich dich leise nieder, und ich fahre davon. Du bist mein Rezensent, Dieb, nicht der ehrliche gelehrte Semmelmann – und ich bin noch nüchterner als du Saufaus. Schweig; ein Wort, ein Schuss! Es macht mich schon dein blosses Waschschwamm-Gesicht mit seinen schlappen Vorderbacken und seinem Gelächel halb wütig. Ein Strafexempel muss ich nun an dir zum Vorteil der ganzen gelehrten Welt diese Nacht statuieren; nur steh' ich noch an, ob ich dich ganz aufreibe oder bloss lahmschlage oder gar nur ins Gesicht mehrmals streiche. Hier schleudr' ich noch zum Überfluss den Hakenstock von dem Giftpfeil auf deinen Nabel ab (der Stock fuhr aber ans Knie) – sieh den ausländischen Pfeil, womit ich dich harpuniere auf ewig, wenn du schreiest oder läufst. Jetzt verantworte dich leise, nenne mich aber Sie; denn ich bin der Richter und du der Inquisit."
"In der Tat," (hob der Brunnenarzt an) "es wird mir schwer, nach vielen heutigen geschickten scherzhaften Rollen von Ihnen – und insofern so angenehmen – diese mit einem Überfall auf Leib und Leben nicht für Scherz zu nehmen, besonders da Sie ja nicht ganz gewiss wissen können, ob ich die Rezensionen gemacht."
"Hier werf' ich dir" – sagte der Doktor, in die tasche fahrend, und nahm das Heft des Pfeils in den Mund, um mit dem Windpistol fort zu zielen – "deine Handschrift aus der Druckerei vor die Füsse, Räuber zu Fuss."
"Gut, dies entschuldigt Ihre erste Hitze gewiss; aber erwägen Sie auch, dass überall von jeher der Gelehrte, besonders der Kunstrichter, gegen den Gelehrten zum Vorteile der Wissenschaft auf dem Papier eine freie Sprache führt, die er sich nie im Zimmer unter vier Augen..."
"Zum Wissenschaft-Vorteil? – Ist es nicht jammerschade, dass Leute wie du auch nur das Geringste davon verstehen? Können solche Leute unwissend genug sein? Die Wissenschaft ist etwas so Grosses als die Religion – für jene sollte man ebensogut Mut und Blut daransetzen als für diese – und doch wagen die Rezensenten nicht einmal ihre Namens-Unterschrift daran. Eine Sünde pflanzt sich nicht fort, und jeder Sünder erkennt sie an; ein unterstützter Irrtum kann ein Jahrhundert verfinstern. Wer sich der Wissenschaft weiht, besonders als Lehrer der Leser, muss ihr entweder sich und alles und jede Laune, sogar seinen Nachruhm opfern –"
"Wie schön gesagt und gedacht!" lispelte Strykius. – "Schweig! – oder er ist ein Rezensent wie du; und der Teufel hole jeden Esel, der schreibt, und den er