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immer war es Teodan, als wenn die Strahlen hin einweheten und zitterten. Die Sonne senkte sich höher an der seltsamen Klippendecke hinweg, bis alles mit einem kurzen Nachschimmern entschwand. Während der Finsternis, ehe drinnen die Lichter wieder, wie draussen die Sterne, aufgingen, begleitete Teudobach die Geliebte aus der unvergesslichen Höhle.

41. Summula

drei Abreisen

Unter dem frischen, wehenden, lebensfrohen Abendhimmel fanden beide den Doktor und den Zoller. Teoda erinnerte sich sogleich an Teudobachs Versprechen, dem letzten die langsame Fussreise abzunehmen, und berichtete dem Zoller das Anerbieten. Er verbeugte sich häufig, aber der Doktor nahm das Wort: "Du möchtest nur gern, ich merk' es, recht bald ans Wochenbett deiner Bona kommen und zum Patchen. Hältst du aber die Nacht-Strapaze aus?" Sie erschrak ordentlich, denn sie hatte, als sie zuerst die Bitte für Mehlhorn getan, daran keinen andern Anteil für sich erwählen können als den, tages darauf allein die Fussreise zu machen "O fräulein!" sagte der Hauptmann bittend und plötzlich so aufgeheitert, als er eine Minute vorher bewölkt geworden von der Aussicht, dass er, gemäss seinem Versprechen der Abreise und Fracht, eben jetzt, da ihm Sonne, Mond und Sterne über Maulbronn aufgegangen, nichts davon vor der Hand wegzufahren habe als den Umgelder. Teoda sann einen Augenblick nach, sah ihren Vater an, fragte noch einmal den Zoller: ob ihm ein zweites NachtWachen nicht beschwerlich sei, und gab, da er versetzte "Im mindesten nicht, da man ihn ja nachts tagtäglich wecke", leise die Antwort: "So wie Sie denn wollen, Vater!"

Alle waren nun zufrieden mit ihren Perspektiv-Malereiendie Liebenden mit der steilrechten Himmelfahrt, Mehlhorn mit der waagrechten, Katzenberger mit der Aussicht in eine Höllenfahrt zu Strykius als ein auferstandner Gekreuzigter.

Teoda nahm ihren Vater noch beiseite und bat ihn mit mehr Ernst als gewöhnlich um einen leichten Gefallen; sie habe, sagte sie, allerdings noch französisches Blut genug, um ihre unerschrockne Mutter nachzuahmen, die ihr von ihren kühnen Reisen mit Männern erzählt habe, nur aber an diesem Orte, wo die Menge ihre öffentliche Verwechslung des Hauptmanns mit dem Dichter nicht vergessen, wohl aber missdeuten werde, sei es nötig, dass er ihre Abreise einige Tage verschweige und dass sie jetzt zu Fuss ins nächste Dorf vorausgehen dürfe, indes beide Herren während des tumultuarischen Abendessens abreisen könnten, um weniger bemerkt zu sein. – –

"Was willst du denn eigentlich?" (fragte Katzenberger) "Ich tus ja." Sie musste ihm noch kühner die Bitten wiederholen. – "Und weiter nichts? – Wahre Weiber-Schulfüchserei! So laufe nur, denn etwas ist doch daran, an deinem Zartgehör; ich sogar höre ungern mich verleumden von Rezensenten: geschweige ein Mädchen; empfindliche Ohren sind bei Mädchen so gut wie bei Pferden gute Gesundheit-Zeichen. Nur vergiss nicht" – setzt, er noch dazu bei ihrem Abschiede – "schändlich vor lauter Lieben und Lieben den Vater und dich." – "O Vater!" sagte sie. – "Ja du ganz besonders;" (fuhr er fort) "oder was gilt denn dir Vaterliebe, Gesundheit und Wirtschaft und alles gegen deineBona? Sag es." Denn nur letzte hatte' er gemeint.

So flog sie denn noch seliger aus dem Badorte hinaus als in denselben hinein, nachdem sie vorher dem Dichter von Niess seine falschnamigen Geschenke zurückgesandt. Jeder gute Mensch, sogar ein böser, der sie, einsam und ihrer Mutter ihr Seelen-Glück mit betenden Tränen zuschreibend, auf dem Wege nach dem nächsten dorf hätte laufen und sich anstrengen sehen, hätte ihr nachgewünscht: "So werde nur recht glücklich, du furchtloses und schuldloses Mädchen! Es wäre für einen, der dich kennt, zu hart, dich im Unglück und das kalte Messer des Grams in deinem Rosen-Herzen zu sehen. Nein, ihr Liebenden, in dieser nie wiederkommenden Nacht sprecht euch beide selig und heilig, in höherem als römischen Sinn!"

Teudobachs Wagen rollte schon hinter ihr, da sie kaum das Dörfchen erlangt hatte.

42. Summula

Teodas kürzeste Nacht der Reise

Warum wollen wir in der schönsten Julius-Nacht nicht lieber zuerst den Paradiesvögeln nachfliegen und erst später in Maulbronn uns mit Katzenberger und seinem Stiefbruder an die Tafel des UnliebeMahls setzen? Wenigstens ich für meine person fliege mit ihnen; in der nächsten Summel sind ich und die Leser wieder beisammen im Bad. Es vergehen viele Jahre und vieleHerzen, eh, einmal das Schicksal den Himmel der Liebe wieder so mit einem äussern voll Sterne einbaut und verdoppelt; denn nur im Schlachtgetümmel der Not wird meistens der Zauberkelch der Liebe schleunig geleert; aber diesmal wollte irgendein Liebe-Engel, der die Erde regiert, zwei unschuldige Jugend-Herzen mit allem segnen und belohnen, was sich unsre frühen Träume malen. Eine gestirnte duftende Sommernacht hindurch, über welche das Mutter-Auge des Mondes wachte, durften beide, nach dem ersten Feuer-Worte der Liebe, einander fortsehen und fortören. Ihr Begleiter schlummerte anfangs scheinbar aus Höflichkeit, dann wahrhaft aus notwendigkeit. Und wie flog das Leben vorbei und die Bäume und die schlafenden Dörfer, und nur einzelne Töne der Nachtigall zogen ihnen nach und sprachen ihren Seelen nach! Teodas Herz zitterte, aber freudig, mit dem Boden unter dem aufrollenden Wagen; ihr war immer, als höre sie die Töne