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nach. Ein Mann von Belesenheitwenigstens im Junistück der Minerva von 1804, wo die Notiz stehtsagte sehr laut: Niess hab' es mit seinem Namengeben gemacht wie die Einwohner von Nootka, welche Gott den Namen Quautz geben; der Mann hatte verbindlich für Teudobach reden wollen; aber in der Eile war ihm auf der Zunge das Lob in Essig umgeschlagen.

"Fährt man so fort," sagte ein Korrespondent einer ungelehrten Gesellschaft, "so weiss am Ende keiner von uns, was er geschrieben, und der halbe Meusel sitzt im Sand." –

Der Hauptmann nahmmit einer kurzen Entschuldigung, dass er sich seines Geschlechtnamens so öffentlich angenommen, und mit einer besonderen Verbeugung an Teodaschnell seinen Rückzug; – und die Menschen sahen seinem kopf nach.

Ungefähr tausendunddreihundert Siegkränzefolglich gerade soviel als Teagenes von Tasus in den griechischen Spielen erbeutettrug er auf seinem kopf, seinen Schultern und seinem rücken davon; – aber warum?

28. Summula

Darum

Man hielt ihn für den grossen Teater-Dichter, dessen Stücke die meisten gehört. Ich will eine kurze Abschweifung und Summel daranwenden, um zum Vorteil der Bühnen-Dichter zu zeigen, warum sie leichter grössere Eitelkeit-Narren werden als ein anderer Autor. Wie fallt erstlich der letzte mit seinen verstreueten Leser-Klausnernein wenig verehrt von blossen gebildeten Menschenbeklatscht in den hundert Meilen fernen Studier-Zimmerchen und zweimal hintereinander gelesen, nicht vierzigmal angehört, wie fällt ein solcher Ruhm-Irus und Johann ohne Land schon ab gegen einen Bühnen-Dichter, der nicht nur diese Lorbeer-Nachlese auch auf dem kopf hat, sondern ihr noch die Ernte beifügt, dass der Fürst und der Schornsteinfeger und jedes Geschlecht und Alter seine Gedanken in den Kopf und seinen Namen in den Mund bekommendass oft die erbärmlichsten Marktflecken, sobald glücklicherweise ein noch elenderes Maroden-Teater von Groschengaleristen einrückt, sich vor den knarrenden Triumphkarren vorspannen, worauf jene den Dichter nachführen, so dass, wenn gar der Dichter die truppe selber dirigiert, er an jedem Orte, wo beide ankommen, den englischen Wahlkandidaten gleicht, die auf vielen Wagen (Lord Eardlei auf funfzig) die Wahlmänner für den Sitz im haus der Gemeinen an den Wahlort bringen lassen. – Noch hundert Vorteile könnt' ich vermittelst der Auslassfigur (figura praeteritionis) anführen, die ich lieber weglasse, solche z.B., dass einen Teaterautor (und oft steht er dabei und hört alles) eine ganze Korporation von Händen gleichsam auf den Händen trägt (daheim hat ihn nur ein Mann in seiner Linken und blättert mit der Rechten verdriesslich) – dass er auswendig gelernt wird nicht nur von Spielern, sondern am Ende von deren Wiederkehr-Hörerndass er in allen stehenden, obgleich langweiligen Teaterartikeln der Tag- und Monatblätter stets im selben Blatt von neuem gelobt wird, weil die Bühnen-Schelle immer als Taufglocke seines Namens und das Einbläser-Loch als sein delphisches Loch wiederkommt. – Woraus noch manches folgt, z.B. dass ein gemeiner Autor, wie z.B. Jünger, ja Kotzebue, länger in seinen gehörten Stücken lebt als in seinen gelesenen Romanen. Daraus erklärt sich die Erscheinung, dass das kalte Deutschland sich für Schiller (und mit Recht, denn es sündigte von jeher nur durch Unterlassen, nie durch Unternehmen) so sehr und so schön anstrengt, und für Herder so wenig. Denn misst der Wert den Dank: so hätte wohl Herder als der frühere, höhere, vielseitigere Genius, als der orientalisch-griechische, als der Bekämpfer der Schillerschen Reflexion-Poesie durch seine Volklieder, als der Geist, der in alle Wissenschaften formend eingriff, und der nur den Fehler hatte, dass er nicht mit allen Flügeln flog, sondern nur so wie jene ProphetenGestalten, wovon vier ihn bedeckten und nur zwei erhoben, dieser Tote hätte ein Denkmal nicht neben, sondern über Schiller verdient; wären, wie gedacht, die Komödianten nicht gewesen oder das Publikum nicht, das für die Vielseitigkeit wenig anschliessende Seiten mitbringt. übrigens wie man lieber von Personen als von Sachen hört, so steht auch der gewöhnlichste Teater-Dichter als ein Nachttisch-Spiegel, der dem Parterre Personen und dieses selber darstellt, schon darum dem Sachen-Dichter als einem blossen Juwel voran, der nur Feuerfarben wirft und unverwüstlich nichts darstellt als sich und das Licht. übrigens ist dies für uns andere Undramatiker eben kein Unglück; denn wir haben uns eben darum zum schönen Lose einer leichtern liebenswürdigen Bescheidenheit Glück zu wünschen, zumal wenn wir berechnen, was aus uns, da jetzt schon ein paar Zeitungen und einige Teetische uns (ich selber kenne mich oft kaum mehr) sichtbar aufblasen, vollends durch das Luftschiff der Bühne für trommelsüchtige Narren geworden wären, so wie Schweinblasen, die schon auf Bergen schwellen, auf Höhen der Luftbälle gar zerplatzen.

29. Summula

Herr von Niess

Er kam nicht zum Abendessen.

30. Summula

Tischgebet und Suppe

Der Tumult der Erkenn- und Verkennszene mischte die Essgäste schon auf dem Gange zur Tafel zu bunten Reihen der Freude zusammen. Der Sternenhimmel, Blasmusik und Bäume voll Lampen und hauptsächlich der abends angekommene und mitsoupierende grosse Mann bezauberte und vereinigte alles. Viele Mädchen, die Niessens Stücke aus Leihbiblioteken und auf Bühnen hatten kennen lernen, gingen unter dem Schirme wechselnder Schatten ganz nahe und anblickend neben seiner schönen Gestalt vorbei. Als er in seiner Uniformdem weiblichen Jagd-Tuch oder Rebhühnergarn oder Frauen-