ihm nun den Vorsatz fest, den Badearzt auf eine ausgedehnte Folterleiter von Ängsten und Ehren-Giften zu setzen und ihn erst auf der obersten Stufe zu empfangen mit dem Prügel. Strykius war der erste Patient, den er durch Heilmittel nicht heilen wollte, so sehr war er ergrimmt; und er war entschlossen, ihn durch zuvorkommende Unhöflichkeiten wo möglich zu einer zu zwingen und als umrollender Weberbaum das hin- und herfliegende Weberschiffchen zu bearbeiten. Es ist indes oft ebenso schwer, manche grob zu machen als andere höflich.
Zu haus setzte er in Strykius' Namen einen öffentlichen Widerruf von dessen Rezensionen auf, den er ihn zu unterschreiben und herauszugeben in der Prügelstunde zwingen wollte.
22. Summula
Niessiana
Herr von Niess lud auf abends gegen ein unbedeutendes Einlassgeld die Badegesellschaft zu seinem musikalischen Deklamatorium des besten Teudobachischen Stückes, betitelt "Der Ritter einer grösseren Zeit", auf Zetteln ein, die er schon fertig gedruckt mitgebracht hatte, bis auf einige leere Vakanz-Rahmen oder Logen, welche er mit Inhalt von eigner Hand besetzen wollte. Funfzig solcher Zettel liess er austeilen und sagte mit inniger Liebe gegen jeden und sich: "Warum wollt' ich so vielen Menschen aus entgegengesetzten Winkeln Deutschlands, denen ein Buchstabenblättchen von mir vielleicht eine ewige Reliquie ist und zwei geschriebene Worte vielleicht mehr als tausend gedruckte von mir, warum sollt' ich ihnen diese Freude nicht mit nach haus geben?"
Aber aus Liebe gegen Teoda, die dem Dichter als einem Sonnengott wie eine Memnonstatue zutönte mit heitern Nachtmusiken und Ständchen, setzte er sich nieder und schrieb, um ihr den Aufschub seiner Götter-Erscheinung oder seines Aufgangs zu versüssen, eigenhändig in Teudobachs Namen ein Briefchen an Herrn von Niess, worin er sich selber als einem Freund berichtete: "er komme erst abends in Maulbronn an, doch aber, hoff' er, nicht zu spät für den Besuch des Deklamatorium; und nicht zu früh, wünsch' er, für unsre Dame." Er steckte dies Blättchen in einen mit der Bad-Post angelangten Briefumschlag und ging zu Teoda mit entzücktem Gesicht. Dass er nicht log, war er sich bewusst, da er eben vorhatte, unter dem Deklamieren (um das Loben ins Gesicht zu hemmen) aufzustehen und zu sagen: ach nur ich bin selber dieser Teudobach. Ehe der Edelmann kam, hatte sie eben folgendes ins Tagebuch geschrieben: "Endlich bin ich da, Bona, aber niemand anders (ausser einige Schocke Badegäste), sogar auf der Badeliste fehlt er. Bloss in der Grosspoleischen Zeitung wird er gewiss angekündigt. Ich wollte, ich hätte nichts, worhinter ich mich kratzen könnte; aber die Ohren müssen mir lang auf der Fahrt gewachsen sein, weil ich so fest voraussetzte, der erste, auf den man vor der Wagentüre stiesse, sei bloss der Poet. Wohin ich nur vom Fenster herabblicke auf die schönen Badegänge: so sehe' ich doch nichts als den leeren Stickrahmen, worauf ihn meine Phantasie zeichnet, nichts als den Paradeplatz seiner Gestalt und sein Trongerüste. Wahrlich so wird einem Mädchen doch so ein Mensch, den man liebt, es mag nun ein Bräutigam oder ein Dichter sein, zu jedem Gestirn und Gebirg, gleichsam zum Augengehenk, und hinter allen steckt der Mensch, dass es ordentlich langweilig wird. Man sollte weniger nach einem Schreiber fragen, da man ja an unserm Herrgott genug hätte, der doch das ganze Schreiber-Volk selber geschaffen.
Ich merke wohl, ich werde allmählich eher toller als klüger; am besten schreibe' ich dir nichts mehr über mein Aufpassen, als bis der Messias erschienen ist; denn ausstreichen, was ich einmal an dich geschrieben, kann ich aus Ehrlichkeit unmöglich; ich sage dir ja alles und nehme mir kein Blatt vors Maul, warum ein Blatt vors Blatt..."
Da erschien Niess und wollte seine eben erhaltene Nachricht übergeben. Sie empfing ihn, in der vaterlosen Einsamkeit, mit keinem grösseren Feuer, wie er doch gedacht, sondern mit einigem Maireif, der aus dem Tagebuche auf das Gesicht gefallen war. Sofort behielt er seine Selbbriefwechsel in der tasche und beschenkte sie und ihren abwesenden Vater bloss mit der Einladung, mittags seine Gäste und abends seine Zuhörer zu sein. Auch wunderte er sich innerlich sehr, warum er nicht früher darauf gefallen, ihr das Blättchen erst an der Tafel zu geben und dadurch der Tafel zugleich; "ein Briefwechsel mit dem Dichter selber" (dachte' er) "müsste, sollt' ich denken, dem Deklamator desselben vorläufige Ehre und nachlaufende Zuhörer eintragen."
Eben versprach Teoda seinem Tische sich und ihren Vater, als dieser eintrat und das Nein vorschüttelte und sagte: er habe sich dem Handwerkgesellen Strykius versprochen, um das Band der Freundschaft immer enger zusammen zu ziehen bis zum Ersticken; das Mädchen könne aber tun, was es wolle. Dies tat sie denn auch und blieb ihrem Wort und Niessen getreu. Sie sass nämlich, damit ich alles erkläre, an öffentlichen Orten gern so weit als tunlich von ihrem Vater ab, als Tochter und als Mädchen; sie kannte seine Luters-Tischreden. Der Edelmann wendete diese Wendung ganz anders: "O! sie hat schon recht, die Zarte," dachte' er; "jetzt in Gegenwart eines Fremden, nämlich des Vaters, verbirgt sie ihre Wärme weniger; neben dem einsamen Geliebten scheuet die einsame Liebende jedes Wort zu sehr und wartet auf fremde kühlende Nachbarschaft; o Gott, wie er rat' ich dies