Sie mit meinen Versuchen in Furcht anstatt in Schrecken und Zusammenschaudern mit Haarbergan gesetzt hätte; und Sie werden mich belohnen, wenn Sie mir sagen, ob Sie gefürchtet haben oder nur geschaudert." –
"Ich bin ein Dichter, und Sie ein WissenschaftWeiser; dies erklärt unsern Unterschied", versetzte Niess. Teoda aber, die ihren eignen Mut bei Männern verdoppelt voraussetzte, glaubte ihm gern. Aber ihr Vater hatte seine Gedanken, nämlich satirische. – übrigens ging er selig mit doppelten Gliedern (wie ein Englisch-Kranker), mit mehren Köpfen und Rückgraten behangen, die er aus der Trödelbude und Rumpelkammer des Todes geholt, nach haus.
20. Summula
Zweiten Tages Buch
In der Nacht schrieb Teoda an ihre Freundin:
"Vor Verdruss mag ich dir vom dummen Heute gar nichts erzählen (das ohne Menschenverstand bleibt) bis morgen früh, wenn wir in Maulbronn einfahren. Denke, wir nachtlagern noch drei Stunden davon. Himmel, wie göttlich könnt' ich morgen dort aufwachen und meinen Kopf aus dem Fenster stecken in die Aurora und in alles hinein! Aber dieses FeindschaftStückchen hab' ich bloss dem Freundschaft-Stückchen zu danken, dass Herr von Niess nach mir etwas fragt, ob ich ihm gleich meine person und Seele so komisch geschildert habe, dass er selber lachen musste. Aber sieh, so kann eine Mädchenseele dem Männer-Poltergeist auch nicht unter einem Kutschenhimmel nahekommen, ohne wund gezwickt zu werden. Gib dem Teufel ein Haar, so bist du sein, gib einem mann eines, so zerrt er dich daran so lange, bis er das Haar samt dem kopf hat. Der Bienenstich wird sonst mit Honig geheilt; aber diese Wespen geben dir erst die Honigblase und dann die Giftblase. Ich wollt', ich wär' ein Mann, so duellierte ich mich so lange, bis keiner mehr übrig wäre, und legte einer Frau den Degen mit der Bitte zu Füssen, mich zu erstechen. Aber wir Weiber sind alle schon ein paar Jahre vor der Geburt verwahrloset und verbraten, und eh' wir nur noch ein halbes Nadelköpfchen von Körper umhaben, sind wir schon voraus verliebt in die künftige Räuberbande und liebäugeln mit dem Taufpastor und Taufpaten.
Wieviel weisst du so? – Es ist aber überhaupt nicht viel. Nämlich den ganzen Reisetag hindurch hatte' es Teudobachs angeblicher Freund (merke, ich unterstreich' es) darauf angelegt, mein Gehirnchen und Herzchen in allen acht Kämmerchen ordentlich glühend zu heizen durch Anekdoten von ihm, durch Ausmalerei unserer dreifachen Zusammenkunft und sogar durch das Versprechen, noch abends vor dem stillen mond, der besser dazu passe als das laute Räderwerk, mich näher mit seinem Freunde bekannt zu machen. Ich dachte dabei wahrlich, er würde mich nachts auf dem Gottesacker dem Dichter auf einmal vorstellen. Dazu kam mittags noch etwas Närrisches. Er brachte mir meinen Schal, mit unlesbarer Kreideschrift bedruckt; da er sie aber gegen den Spiegel hielt, so war zu lesen: 'Dein Namenvetter, schöne T-da, wird dir bald für deinen Brief zum zweiten Male danken'; worauf er mich hinab zu einer Birke führte, von deren Rinde wirklich er diese Zeile von des Dichters Hand am Tuche abgefärbt hatte. Am Ende musst' ich gar noch oben in seinem Zimmer auf den Fensterscheiben eine herrliche Sentenz vom Dichter finden, die ich dir auf der Rückreise abschreiben will. Seltsam genug! Aber abends war es doch nichts; und mein Vater brach gar mit einem Spasse darein.
Du Klare errietest nun wohl am frühesten, was Herr von N. bisher gewollt – nicht mich, sondern (was auch leichter zu haben ist) sich. Er kokettiert. – Wahrlich die Männer sollten niemals kokettieren, da unter 99 Weibern immer 100 Gänse sind, die ihnen zuflattern; indes weibliche Koketterie weniger schadet, da die Männer als kältere und gleichsam kosmopolitische Spitzbuben selten damit gefangen werden, wenn sie nicht gar zu jung und unflügge im Neste sitzen. – Wahrlich, ein Mädchen, das ein Herz hat, ist schon halb dumm und wie geköpft.
Der Zärtling steckt seinen Freund als Köder an die Angel, um damit eine verdutzte Grundel zu fangen; er, der, wenn auch kein Narr, doch ein Närrchen ist, und welcher schreit, wenn ein Wagen umfällt.
Gott gehab dich wohl! Vergib mein Austoben. Ich bin doch allen Leuten gut und habe selber mit dem Teufel Mitleid, solang' er in der Hölle sitzt, und nicht auf der Erde streift. Der weichste Engel bringe dich über deine Hügel hinüber!
T."
21. Summula
Hemmrad der Ankunft im Badeorte – Dr. Strykius
Als man am Morgen, nachdem der Doktor schon seine Flaschen-Stöpsel eingesteckt hatte (worunter zufällig ein gläserner), neu erfrischt von den letzten Siegen über alle Anstosssteine, eben einzusitzen und heiter auf den breiten, beschatteten, sich durchkreuzenden Kunststrassen dem Badorte zuzufahren gedachte: so stellte sich doch noch ein dicker Schlagbaum in den Weg, nämlich ein Galgen. Es hatte nämlich Katzenberger unten in der Wirtstube von einem Durchstrom froher Leute, die abends zum glücklichen Wirte zurückkommen und länger da bleiben wollten, wenn sie alles gesehen, die Nachricht vernommen, dass diesen Vormittag in Potzneusiedl (auch in Ungarn gibt es eines) ein Posträuber gehangen werde und dass er selber, wenn er nur einige Meilen seitwärts und halb rückwärts umfahre, gerade zu rechter Zeit zum Henken kommen könne, um abends noch zeitig genug in Maulbronn einzutreffen. Himmel,