deswegen jeden Freitag in die Kirche geht. Der Dalai Lama hält es für hinlänglich, wenn er die Folgen von der Sache sehen lässt. Der Negerkönig ist so despotisch, dass er stets hinter der Decke isst.
Das Gesandtenpersonale glaubt seinem repräsentierenden Charakter durch Gastmahle genugzutun, die es teils gibt, teils besucht. Auch geringern Staatdienern darf er nicht ganz fehlen. Es verdient bewundert zu werden, wie ich sonst in der Fleischscharre eines Marktfleckens stand und mehrmal aus einem Rind, das eben ausgehauen wurde, den Adresskalender der Honoratioren so komplett herstellte wie die Passionhistorie aus einem Hechtkopf; ich teilte die Männer bloss, wie Frisch die Vögel, nach dem Futter ein. Dem regierenden Konsul, der am meisten zu sagen hatte, starb vom Tier die Zunge an – fette Kollegen erhielten Fettstücke – innere Ratglieder hintere Rindgliederäussere nur vordere – der magern Canaille, die nichts an sich hat als Haut und Knochen und leeres Gedärm, kam von dem Maststücke auch nichts anders zu, als was sie schon in sich selber herumführte. Von den Opferschalen, welche die Künstler den alten römischen Kaisern, wie dem dorischen Fries, anbilden und anmalen, behauptete ich stets, dass sie nicht das Ausgiessen, sondern das Einschöpfen vorstellten. In der natur fliesst zwar von den Bergen den Tälern fette Erde zu, aber im staat mästen besser die Tiefen die Höhen. So ist der päpstliche Tron zwar ein Hungerturm, aber nicht für den Bischof Hatto droben, sondern für die zappelnden Kirchenmäuse unten, die nicht hinauf können.
Betrübtes Trauer- und Essgelag! Du seufzest unter dem Genuss des Leichenmahls, womit du das Abscheiden unsers Magen feierst, und die Bissen treiben dir Tränen aus. Wische sie ab, setze deine Trauer darein, dass du in den Fussstapfen des hingegangenen Gliedes wandelst. Ihr wisset, Leidträger, dass ihr im Kirchenschiff, eurem Proviantschiff, nicht umsonst fahret, sondern dass euer Leben ein langes Nachtischgebet sein soll, hingebracht nicht in gelehrter Zerstreuung, sondern in genossener. Da der KlerusMagen in den Kloster-Prytaneen der erweichende Vogelkropf am Staat-Phönix sein soll; da die Kirche euch bloss darum, wie Epikur und andere Alte, so oft fasten lässt, um den Hunger zu reizen, und sie euch sogar das Gelübde des Schweigens unter dem Essen auflegt, damit euch alles besser zuschlage: so seid ihr verbunden, der grossen Welt voranzugehen, die so schwache Esslust und doch so viel zu essen hat; weil sie das Brokardikon Marcians nicht bloss auf Dokumente einschränkt: non solent, quae abundant, vitiare scripturas, d.h. es tut nichts, was zuviel dasteht. – Ritter Michaelis bewies, dass die Priester des alten Bundes blosse Schlächter wären; und dies spreche für euch.
Muntern euch keine Staatglieder auf, die in ihren Pflichten starben? – Hier liegt ein betrübtes, aber grosses Beispiel vor uns; der hier unten seinem Erwachen entgegenschlafende Magen kam durch Arbeitsamkeit an den Ort, wo wir ihn betrauern. Er wollte zuviel auf sich nehmen und in Saft und Blut verwandeln – er wollte, gleich dem wasser der Neptunisten, ganze ausgeleerte Austernbänke für die Nachwelt absetzen – er wollte eine europäische Niederlassung wichtiger Konsumtibilien werden und alles einführen in sich; – jetzt schläft er.
Wird er aber wieder erwachen, unser hoher Magen, zum Lohne seiner arbeiten?
Hoch-, Hochwohl-, Wohl-, Hochedelgeborne Trauerversammlung! Das ist ausgemacht! Nicht zwar der irdische schwere Magen ersteht, aber der verklärte. Bonnet und Platner kundschafteten im jetzigen Körper und Seelenorgan einen zweiten Körper aus mit seinem zweiten Seelenorgan und führten Gründe an, die es glauben lassen, dass sich das zweite konserviere und letztlich aufschwinge. Ist das, und füttert in der Tat ein feiner Unterziehmensch den äussern groben aus: so muss sich auch in dem ersten Magen ein präformierter äterischer aufhalten, wie beim Krebs der alte im neuen. Schon Van Helmont wickelt die sensitive Seele in die Magenhaut, und Parmenides gar den ganzen Geist. – – Wie, sollte keine glückliche Erfahrung die Hypotese eines Ätermagens stützen? – Woher kommt es denn, dass die vornehme Welt, wenn sie den Erdenmagen ausgefüllt hat, sich doch immer nach feinerer Zehrung für den Himmelmagen umsieht? – Himmel! was sind denn Schaugerichte? – Sind diese nicht eben die vollen Schüsseln für den ewigen Magen, der sie daher bloss mit den feinsten Fressspitzen, mit den Sehnerven aufzehrt? Das Phänomen der Schaugerichte wurde bisher noch schlecht erklärt; und wenige Leute in schulen wussten, warum sie den Namen Schau-Essen Materien und Formen lassen sollten, die höchstens nur für den Vogel Strauss brauchbar und nahrhaft wären. Allein es bringt Licht in die Sachen, wenn man erkennt, dass eine speisende Hoftafel ja nicht bloss die untern Seelenkräfte des Unterleibs, die nur materiellere Trebern fodern, sondern auch die obern Seelen- und Magenkräfte, die, wie bei den Krebsen, im kopf, und zwar im Auge sitzen, entwickeln will an optischem Manna. Veredelte, übersinnliche Seelen dieser Art, welche, dem volk des Ktesias so ungleich, das sich nur vom Geruch der Früchte erhält, viel feiner von der Physiognomie derselben leben, diese haben in ihrem eignen Bewusstsein den gewissern höhern Beweis einer schönern höhern natur, gleichsam des Magens eines neuen Adams; und bloss darauf können sie die Hoffnung ihrer Fortdauer bauen. Die Völker, welche dem Toten Speise vorsetzten und mitgaben, die er mit dem gestorbenen Magen nicht verdauen konnte, scheinen etwas von einem fortlebenden vorausgesetzt