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, die Dr. Fenkische noch nicht hat erwischen können.

Die Patres im Kloster Hopf verdienen hier meinen öffentlichen Dank und Preis, dass sie den Spass, der den ernsten Mann oft mitten in der Trauerrede auf den hohen Magen überfiel, ganz gut verstanden und vergeben haben. Dieses vermag die katolische Kirche leichter als unsere. Gerade in die andächtigsten zeiten fielen die Narren- und Eselfeste, die Mysterienspiele und die Spasspredigten am ersten Ostertage, bloss weil damals das Ehrwürdige noch seinen weitesten Abstand von diesen Travestierungen behauptete, wie der Xenophontische Sokrates vom Aristophanischen. Späterhin verträgt die Zweideutigkeit des Ernstes nicht mehr die Annäherung des Scherzes, so wie nur Verwandte und Freunde, aber nicht Feinde einander vor den komischen Hohlspiegel führen dürfen.

Dr. Fenk machte schon vor dem Essen die Patres dadurch aufmerksam, dass er anmerkte, er würde nie, wenn er auf dem Trone sässe und davon tot heruntersänke, sich in so grossen breiten Bruchstücken begraben lassen wie die östreichischen Erzherzöge, nämlich nie, wie diese, bloss Herz und Zunge in die Lorettokapelle bei der Hofkirche zu den Augustinern, Eingeweide und Augen in die heilige Stephanskirche und den Torso in die Gruft bei den Kapuzinern; – sondern jeder Stummel, schwur er, und jede Subsubdivision seines Gemächs müsste, wie vom Osiris, in ihren eigenen Gottesacker einlaufen. Dennfragt' er die Väterwarum soll ein Regent nicht nach dem tod ebensogut überall in seinem land sein wie vorher, und zwar durch Repräsentanten, wozu seine Glieder so gut wie Staatglieder passen? Und wenn das gelte, fuhr er fort, so könn' er ja recht gut das geheime Kabinett zur Begräbniskapelle für seine Schreibfinger erlesen, die Antichambre für Milz und Leber, den Audienzund Landtagsaal für die Ohren, die kammer für die hände, den Regensburger Re- und Korrelationsaal als Familiengruft für die Zunge;- ja er könne die Kaiserstrassen oder Königwege zur geweiheten Erde seiner ersten Wege ausheben und den fernen Fuhrstrassen die letzten geben, und die Landstände können sich (die Residenz besitze sein Herz) in seine einsaugenden Gefässe teilen. "Mich dünkt" – sagt' er etwas stolz, da er auf einmal die ganze schöne idee überschauete –, "gegen ein solches topographisches Universalbegräbnis kommt wohl wenig das elende kleine Partialbegräbnis auf, wozu es einer und der andere gekrönte Stammhalter dadurch treibt, dass er noch bei Lebzeiten aus eignen Gründen nach dem Chirurgus schickt."

Die Esskongregation fand den Doktor so oratorisch, dass sie ihn bat, statt des Novizen, der eine Predigt über die Speisetafel hinlesen wollte, selber eine eigne zu halten. Er zog eine Schreibtafel heraus und sagte, diese setz' ihn instand, dem eingesargten Magen eine kleine rührende Tisch- und Trauerrede zu halten; er bitte sich bloss vom Hörsaale die gefälligkeit ausweil er im Redefeuer etwas vor sich sehen müsse zum Ansehen und Anreden –, dass er einen im Zimmer liegenden, zum Knaul eingerollten Retter und Schirmer (oder war es ein anderer Jagdhund) für den Leichenmagen halte und sich sämtlich für das Trauerkondukt des Schirmers. Dann trat er nach dem ersten Tischgebet ganz bewegt als Parentator vor das Tier, besah es lange und hob an:

Betrübte Trauerversammlung!

Nun haben wir unsern Landes-Magen verloren, hier liegt sein kalter Rest auf die Bahre hingestreckt. Er, der sonst für uns arbeitete und sorgte, wenn wir schliefen, ruht endlich aus von seiner Bewegung, welche so peristaltisch war. Wir wollen über das Staatsglied, das wir hier zur Ruhe bestatten, zugleich die allgemeinsten und besondersten Betrachtungen durcheinander werfen.

Ein Fürst repräsentiert das Volk, aber nicht bloss mit dem Herzen den allgemeinen Willen, sondern auch in mehren Ländern mit dem Magen den allgemeinen Appetit; in Spanien setzen die Reichsgesetze dem Könige täglich eine Schüssel-Zenturie vor; und in Frankreich liessen sie für ihn nach dem toddenn der König stirbt da nie, nach der Fiktiongerade so viele Tage lang kochen, als Christus hungerte, nämlich 4027; ja die Bienen weisen auf etwas Ähnliches: ihre Dogaressa oder Fürstin wird durch zwei Umstände gross und tronfähig, durch eine grössere Zelle- ein Bienen-Louvre und Eskurialund durch fettern Frass, aus zerdrückten Bienenjungen bereitet. Im letzten hält sich der König von Makoko ganz wörtlich an die natur: er lässt sich täglich (nach Dapper) 200 gesottene und gekochte Landskinder servieren. Wie hart! Wäre es nicht genug und etwas Ähnliches, wenn er entweder wie ein durchpassierender aufschmausender Pascha Zahngeld für das Abnutzen seiner Hundzähne eintriebe, oder für die Vakanz derselben ausserordentliche Steuern einfoderte? –

Daher wird sogleich nach der Krönung der Tron als ein Sessel an den Esstisch gerückt, und speisen ist der erste öffentliche Aktus des Neugekrönten; daher muss der Erbherr auf Bardolf, der die Grütze auf die britische Königstafel trägt, der Herr von Lyston, der das Gebäck aufsetzt, der Erbherr auf Scoulton, welcher Oberspeckverwalter ist, samt andern Erblandküchenmeistern und Erblandvorschneidern, früher ihren Posten vorstehen als andere Staatbedienten von weniger Wichtigkeit, z.B. der Lord-Mayor oder der Sprecher des Unterhauses.

Darum wird in bessern Ländern darauf gesehen, dass der Mundkoch nicht mit dem Regierungrate, den man so gern über jenen heben möchte28, in eine Klasse geworfen werde, da jener doch am Ende für die längere Sessiontafel arbeitet. Daher speiste der verewigte Magen, den wir hier versenken, so oft öffentlich vor seinem ganzen Fürstentume, um diesem das Regieren zu zeigen, wie der Gross-Sultan eben