imstande gewesen, den Namen eines Bürgerlichen auszusprechen, ohne ihn zu verstümmeln. Da wir Deutsche gegen die Franzosen – denn diesen müssen wir uns täglich mehr zu- und entgegenbilden, damit sie künftig mit uns besser vorlieb nehmen – als geborne Bürgerliche erscheinen: so werden sie einst neben der geöffneten Mine jeden Namen, wenn er nicht halbitalienisch, wie etwa Bonaparte, tönt, entweder erbärmlich verrenken oder uns gar als neuen Mitgliedern ihrer grossen Akademie der Arkadier neue arkadische Namen geben, z.B. Pépé, Huleu, Bexou, Baïf, Ouffle, Grez.
Der Eindruck eines wohllautenden Namen, so wie eines misstönigen, wird oft kaum von jahrelanger Gegenwirkung überwunden; und er wird gar verdoppelt, wenn der Mensch so handelt, wie er heisst; so sehr ist unser Schicksal, wie nach Bonnet der Baum, ebensowohl in die Luft als in die Erde gepflanzt. Wär' ich z.B. Rapinat gewesen, so hätt' ich mich in der Schweiz Fenelon oder Jean Jaques oder Tell getauft, um wie die Mühle schön zu klingeln nach dem Zermahlen.
Ich schlage daher noch, da es für Deutsche Zeit ist, aus Wiarda und Fischart zur probe einige urdeutsche köstliche Namen vor; erstlich weibliche: Amala (von amal, unbefleckt), Amaloberga- Teoda (von teod, vornehm), Teodelinda, Teudegota, Teuberga – Liuba (von lieb) – Witta (die Weise) – Hilda (Heldin) – Torilda (von toro, kühn) – Fastrada (von fest) – Egwia (die Treue) – Diotwina (Siegerin) – Liota (von lud, berühmt)- Liebwarta – Adelinda – Aetelwina – Gisa (die Mächtige) Folka (die Vollkommene) – Oda (von od, glücklich).
Der schönen männlichen Namen sind weit mehrere: Totilar (von teod) – Teudobach (von teut, Volk) – Teodulph (ulf, Helfer) – Likolf – Adalmar (der grosse Edle) – Ewold (der Mächtige) – Walland – Torwald – Fastulf – Toro, Torald, Torismund, Turstan- Hariobaud – Osmund (von mund, Mann und Beschützer) – Gummunder, Hildemund – Britomar, Wisimar, Marobod, Teodemir (von mar, berühmt und mehrend) – Eoric, Ardaric (von hear, geehrt) – Ollo, Almot, Ollorico (von al, gross)- Odo, Atulf, Eodric (von od, glücklich) – Adelfried, Adalland (von etel) – Clodic (von lud) – Degenwerd – Manrich etc. etc.
Das Herz erhebt sich froh vor unsern edlen Urvätern und Urmüttern, deren blosse Namen so grosssinnig zu uns sprechen; und das Ohr findet sich von spanischen und italienischen Ähnlichkeiten geschmeichelt. Gerade für die zwei grössten Weltteile der eleganten Welt sind urdeutsche Namen Geschenke. Erstlich für die Weiber. – Ein schöner Taufname (z.B. Amala, oder unbefleckt) ist die einzige Schönheit, die ihnen Männer und Jahre nicht rauben. Zweitens für Fürsten. – Bekanntlich haben sie keine andern als Taufnamen, aber deren viele (Kaiser Joseph hiess noch: Benedikt August Johann Anton Michael Adam), und sie regieren mit einem davon (wie man aus dem Unterschreiben sieht) die Länder. Ein wohllautender Taufname aber, z.B. Teodulph (volkes- oder erhabener Helfer), könnte gewiss über der Unterschrift des Ministers, dessen angeborner Name, z.B. Kretschmann, selten so lieblich klingen kann als ein gewählter, die schönsten Kontraste machen.
Auch Vätern überhaupt sollten Taufnamen mehr am Herzen liegen, da sie bei diesen das Verdienst, sie gegeben zu haben, herrlicher ausser Zweifel setzen können als bei irgendeinem vornehmen GeschlechtNamen, den sie den Kindern geben.
– – Ob ich gleich hier der Welt unbezahlbare Namen, wozu sie wie zu Tugenden nichts zu erfinden braucht als die Träger, mit einer gewissen Verschwendung anbiete – da ich in meinen künftigen Biographien Helden und Heldinnen genug habe, welche ohne die köstlichsten Namen gar nicht existieren können –: so bin ich doch, oder eben darum, nicht im geringsten gesonnen, auch nur einen davon an die zeitigen Romanschreiber abzustehen, sondern ich erkläre hiermit öffentlich jeden für einen Namendieb, der irgendeinen in diesem Briefe oder auch im Wiarda für seine erbärmlichen Helden abborgt und ihn dadurch natürlich so abnutzt, dass ihn nachher die meinigen so wenig tragen wollen als einen durchschossenen Trödel-Mantel. Gedachter Schreibtross besitzt ja Italien; in diesen Namen-Bruch und Schacht fahr' er ein.
Ich habe kaum den Mut zu sagen: leben Sie wohl, lieber Sp., so wenig brieflich ist dieser Brief geschrieben.
Jean Paul.
Nachschrift. Was ein blosser Name vermag, sieht man an meinem; sonst könnt' ich ihn leicht verdeutschen, um mir nicht zu widersprechen.
IIII.
Dr. Fenks Leichenrede auf den höchstseligen Magen
des Fürsten von Scheerau
Dr. Fenk hielt die Predigt im Kloster Hopf an die Patres, da sie assen. Schon vor 8 Jahren hab' ich jedermann in der unsichtbaren Loge26 berichtet, dass er vorher in der Klosterkirche die Disposition dazu entworfen, während dass man den Magen beisetzte. Seitdem las ich in Mosers Archiv, dass aus Leichenpredigten für Fürsten vieles von ihrer geschichte zu schöpfen sei; ich verteile daher mit Freuden einige Exemplare vom Sermone an die Welt, zumal da man mich fest versichert, dass selber der Konsistorial-Direktor Frommann, der (nach Moser) siebentausend fürstliche Leichenpredigten aufgespeichert