, noch bessern Worten: Das Abendrot einer schönen friedlichen Seele liegt auf allen Höhen, die er vor uns sich hinziehen lässt – poetische Blumen ersetzt er durch die Poesie. – Das Schweizer Alpenhorn der jugendlichen sehnsucht und Freude hat er am mund, indes er mit der andern Hand auf das Abendblühen der hohen Gletscher zeigt und zu beten anfängt, wenn auf den Bergen die Betglocken schön herüberrufen. – Gleich Griechen und einigen Malern umschliesset er seine Gemälde, aus Verachtung der Pointe, zuweilen mit Bildern, die sich in den Rahmen verlieren22, und so ist der Mann. Wahrlich eine liebliche Erscheinung, aber keine ausser der Jahrzeit! Denn auf dem deutschen Musenberg, der eben unter einer stechenden Frühlingsonne zugleich blüht und dampft, kann jetzt alles auffahren: Gleicher-Blumen und nordisches Gestrippe und Gift und Duft.
Ich hätte gern meine Freude mit einigen Proben gerechtfertigt, wenn Schönheiten, die immer ein Ganzes bilden, so leicht einen Auszug vertrügen als Mängel, die eben darum eines stören. Auch gäb' ich am liebsten das längste Gedicht zur probe, indes der Zeitungraum das kleinste vorzieht; und es bleibe Ihren Rück- und Einsichten überlassen, ob Sie eines als Postskript für den zweiten Druck hier wählen und geben wollen.
Doch bescheide ich mich gern, dass es immer Gedichte geben kann (worunter vielleicht die alemannischen zu rechnen), welche jedem Leser missfallen, der gar keinen Sinn für Dichtkunst besitzt.
Einem solchen würde' ich freilich statt dieser alemannischen Drossel aus dem Schwarzwalde lieber eine da geschnitzte Guck Guck-Uhr oder irgendeinen da gedrechselten Viehstand im kleinen in die Hand zu geben raten. – P. P.23
III.
Rat zu urdeutschen Taufnamen24
Ich rücke hier in Briefform in die Zeitung für die elegante Welt für Leser, welche sie mitalten – worunter Sie gewiss auch gehören, lieber Spazier –, insofern einer davon an mich etwas zu schreiben hat, vorher die Nachricht ein, dass ich von Koburg nach Baireut gezogen bin. Die Ursachen des Zugs gehören nicht in Ihre Zeitung, sondern in die Flegeljahre, nämlich in den vierten teil.
Was diesen Brief selber anlangt, so versprach ich Ihnen leider für solchen in einem früheren Auszüge und Sentenzen aus meiner Ästetik, welche zu Michaelis erscheint. Aber ich muss um die Erlaubnis bitten, gelogen zu haben. Einem Autor wird es ebenso schwer, mit seinen Gedanken das jeu de bateaux25 zu spielen, als einer Mutter mit ihren Kindern. Gnomen, sagt er, die er in alter Bedeutung als Denksprüche gebe, können andern leicht in neuer als Zwerge erscheinen. Zögen Sie aber, lieber Spazier, statt meiner aus: so wär' es zehn Mal besser, leichter und vernünftiger.
Lieber hätt' ich für diesen Brief aus Tiecks echt poetischem Oktavian die Geburt der Rose und die Geburt der Lilie ausziehen mögen – zwei Dichtungen, welche ihm die Blumengöttin selber wie reife Frühlingblüten zugeworfen. Auch wär' es in der ersten Entzückung über sein Buch – und in der ersten Entrüstung über Merkels scham- und sinnloses Geschwätz über dasselbe – verzeihlich gewesen, viel Worte über diesen italienisch-wortreichen Dichter zu machen. Wenn er indes, wie die Feuerwerker, seine poetischen Feuerwerke zu gern auf dem wasser gibt und die Widerscheine zu sehr sucht: so ist wenigstens dieses leichte Nachglänzen eines wahren Feuers poetischer und lieblicher als das schwere Feuerwerkgerüste von Statuen und Gebäuden, das uns manche berühmte Dichter für das Feuerwerk selber verkaufen. Wär' ich die elegante Welt, Spazier, so würde' ich ein frommes poetisches Kind; dann könnte Tieck, der eines ist, leichter mit mir spielen.
Auch diesen Auszug aus Oktavian wird ein anderer besser geben als ich. Wichtiger als jeder aus Gedichten und Ästetiken schien mir für die elegante Welt einer aus Wiarda, der über deutsche Namen geschrieben. Wir leben jetzt, wenn nicht in, doch vor einer bösen Zeit, und wer die Ohren nahe an die deutsche Erde legen will, kann leicht darunter die Mineurs arbeiten und höhlen und mit Pulvertonnen und Leitfeuern gehen hören. Sollte nun einmal Deutschland zum ersten Male erobert werden, wiewohl nicht wie Amerika aus Mangel an zahmen Tieren, sondern aus Überfluss daran: so wär' es ja um die deutschen Namen geschehen, wenn vorher niemand einen mehr führte. Leider bitten wir gegenwärtig lieber alle Propheten, Apostel, Heilige und Völker zu Gevattern als einen alten Deutschen. Wer am hof einen deutschen Taufnamen hat, sucht ihn wenigstens französisch auszuschreiben und zu unterschreiben – ausgenommen Friedrich der einzige, der sich sogar an Voltaire Frederic unterschrieb, welches (wie Godaric, Ardoric etc.) nur deutsch ist; denn ric heisst reich und Fried Schirm. Wenn man wenige Tiere ausnimmt, welche sich Hans nennen, wie Rehe, Pferde, Schwanen: so gibts nicht viele deutsche Menschen und Möbeln, die nicht ein Franzose, sobald er sie entdeckt, wie ein Seefahrer die Inseln behandelte; er benennt, besetzt und besitzt sie. Schon bei den Weinhändlern bedeutet Taufen und Heiraten des Weins dieselbe Verdünnung.
Ein zweiter Grund für urdeutsche Namen ist ihr Wohlklang. Der Ausländer verstümmelt nicht schöne Namen am meisten, sondern schlechte. Nur bei unsern Kunstwerken kehrt er es um. Hätte z.B. Montesquieu einen klingendern Namen gehabt: so wär' er nicht in Rom angemeldet worden im ersten Zimmer als Montdieu – im zweiten als Montieu – im dritten als Mordieu – bis er endlich im letzten als Herr von Forbii eintrat. Chamfort erzählt, dass der Wüstling Richelieu nie