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wie sonst, das Schwert aus der Hand, und gib ihm deinen geheiligten Ölzweig ins Grab! – Wie, war nicht seine letzte Bahn, wie die einer Königleiche, mit Trauertuch belegt, und wird es nicht wie diese unter Kanonen eingesenkt? – Gib uns Liebe und Friede, Mutter des Lebens und der Wärme! Schick uns den weissen sanften Schwan, der dir heilig ist, und baue mit deiner reinen Leier die Menschheit wieder auf, welche Misstöne zertrümmert haben! Gib uns Liebe und Friede, das bleibe unser letztes Gebet! – Ach der Dädalus der Menschheit, die Zeit, schloss uns Statuen die Augen auf, hob unsre hände empor und band die Füsse los;aber siehe, plötzlich zerschlagen die Statuen wie emporwachsende Drachenzähne einander selber und stürzen, wie jene Rosenkreuzerische Statue, die ewige Lampe um, die sie gehütet haben.

Aber wenn du über den letzten Tag des Jahrhunderts gezogen bist und über schönere Saaten unter dem Winter, als jetzt vermodernund wenn der letzten Nacht des Säkulums dein lieblicher verklärter Friedenengel, der Mond, ins erblassende Antlitz schauet: Ach! wirst du dann noch, segnendes Gestirn, unter unsern Füssen auf eine ganz neue Welt voll geraubter, mit Narben und Schweiss bedeckter Menschen scheinen, welche dein heiliges Licht nur quälen kann? – O gib Liebe der alten Welt und Freiheit der neuen! – –

II.

Über Hebels alemannische Gedichte

(An den Herausgeber der Zeitung für die elegante

Welt. 1803.)

Eben habe ich zum fünften oder sechsten Male eine Sammlung Volklieder von einem Dichter gelesen, welche in der Herderschen stehen könnte, wenn man in einen Blumenstrauss wieder einen binden dürfte. Sie betitelt sich: "Alemannische Gedichte. Für Freunde ländlicher natur und Sitten." Grössere Kunstrichter werden den Titel beurteilen und gegen den Sprachfehler "ländlicher natur und Sitten" (entweder statt Sitte oder Naturen) ins Feld rücken mit Klammern und Fragzeichen; ich als Liebhaber schränke mich bloss auf die Gedichte ein und lobe sie früher öffentlich als irgendein Nachfolger. Ich wünschte, lieber Spazier, es wäre in der eleganten Welt, an die ich hier zugleich, wie aus dem Konzeptpapier zu sehen, mit geschrieben haben will, das Schwäbische nur halb so einheimisch als das Französische. Denn nur die Mundart jenes Landes, das sonst das Mutterland einer unvergleichlichen Dichtkunst war und das jetzt das Vaterland einiger grossen Dichter ist, spricht das zarte spielende Musenkind; und mit der schwäbischen Mundart entzöge man ihm seine halbe Kindlichkeit und Anmut. Manchem Dichter wären die wohllauten schwäbischen Zusammenziehungen – z.B. Sagi'm statt: sage ich ihmzu gönnen und das Ausmustern unserer engen n; das Eintauschen des i gegen das ewige deutsche e19; und die Verwandlung des harten Verkleinerung-chen in das süsse-li; und am meisten der Reichtum an Diminutiven, den mit den Schwaben noch Schweizer, Östreicher und Letten teilen. In allen Sprachen verkleinert die Liebe ihr Geliebtes, gleichsam um es zu verjüngen und zum kind zu machen, das ja der Amor selber ist. Und das Kleine, gleichsam als das Liebere, verkleinert man wieder, daher man öfter Lämmchen, Täubchen, Kindlein, Büchelchen (letzteres ist nach Voss dreimal verkleinert) sagt als Elefantchen, Fürstchen, Tyrannchen, Walfischchen. Manche Völker reden die ganze natur mit diesen Liebewörtern an und ziehen sie, wie mit Zauberformeln, sich näher an die Brust; aber in solchen Ländern wohnet gern der Dichter. Daher kommen in den altdeutschen Dichtern die zahlreichen Verkleinerwörter; daher unsere guten Voreltern, welche statt der Philantropie und des Kosmopolitismus Bruderliebe und Christenliebe besassen und aus den Rosen der Liebe noch nicht den feinen Rosenessig der Selbsucht zogen, sogar in ihrer Prosa die lebendigen Wesen gern mit Verkleinerwörtern nannten, z.B. das Söhnlein und die Kindlein Luters, bis zum Jesulein und Christkindchen. Was wir etwa noch jetzt verkleinern möchten in Zirkeln, dies suchen wir doch weniger zu vergrössern und zu lieben als fast zu hassen. Noch ist jetzt der falschen Ironie, als einer spöttischen Nachäffung der Liebe, das Verkleinerwort gewöhnlich. In meiner Vorschule der Ästetik finden Sie Beispiele, und vorher überall.

Unser alemannische Dichterdenn ich sehe nicht ein, warum ich ihn über ihn vergessehat für alles Leben und alles Sein das offne Herz, die offnen arme der Liebe, und jeder Stern und jede Blume wird ihm ein Mensch. Durch alle seine Gedichte greift dieses schöne Zueignen der natur, deren allegorisierende Personifikation er oft bis zur Kühnheit der Laune steigert.20 Die Dichtkunst ist nur ein anderes Wort für höhere weitere Liebe; sie scheidet und erlöset die natur vom dienstbaren tod und beseelt wie ein Gott, um nur zu lieben, und schmückt wie eine Mutter, um noch mehr zu lieben. Freilich können wir den Bergen, Bäumen und Sternen, worein sonst die Griechen Götter zauberten, jetzt nur Seelen einblasen, und was jene vergötterten, nur beleben.

Ich komme aber sehr aus dem einkleidenden Brieftone heraus, lieber Sp., vielleicht weil ich zu lebhaft an die Zeitung denke, deren Welt ich das Meinige von dem alemannischen Dichter sagen wollte. Ich will also alles ohne weitere Mühe folgender Gestalt herauswerfen: er ist naiver ist von alter Kunst erhellt und von neuer erwärmter ist meistens christlich-elegischzuweilen romantisch-schauerlich21er ist ohne Phrasen-Trillerer ist zu lesen, wenn nicht einmal, doch zehnmal, wie alles Einfache. Mit andern