und geben, es sei nun, dass ich dem Patienten, der zu mir käme, entweder das Gemsenhorn meines äskulapischen Stabs als einen kühlenden Blutigel auf die Nasenflügel würfe, oder diese selber damit aufschlitzte, um ihm Luft zu machen, oder das Horn als einen flüchtigen Gehirnbohrer in seine Kopfnaht einsetzte. – Aber den Hasen behalt' ich, Geliebte!"
Nun stieg die Krieglohe gegen Himmel. Der Apoteker ging auf ihn mit einer langen Papierschere los, sie, wie ein Hummer die seinigen, aufsperrend; – Katzenberger indes hob ihm bloss mit dem Skalpier-Stock leicht eine Vorstecklocke aus; – der Provisor schnellte eine der feinsten chirurgischen Splitterscheren ab, die zum Glück nur in den langen Ärmel weit hinterfuhr. – Katzenberger aber liess auf ihn durch den Druck einer Springfeder sein Gemsenhorn, woran noch die Vorstecklocke des Vorgesetzten hing, abfahren und schoss damit die ganze linke Brustwarze des Provisors zusammen, wiewohl die Welt, da er mit ihr nichts säugte, dabei weniger verlor als er selber. – Das Subjekt hielt im Nachtrabe den Stössel in die Lüfte aufgehoben und drohte nach Vermögen. – –
Aber jetzt ersah der Pharmazeutikus den langen amerikanischen Giftpfeil nackt vorstechend und wollte hinter den Subjekts-Hintergrund zurück. – "Um Gottes Willen, Leute," rief der Doktor, "rettet euch – springt insgesamt zurück – auf wen ich diesen Giftpfeil zuwerfe, der fallt auf der Stelle tot nieder, eh' er nur meinen Steiss erblickt!"
Da der Mensch stets neue Waffen und Gefahren mehr scheut als die gefährlichsten bekannten: so ging die ganze pharmazeutische Fechtschule rückwärts; und der Doktor ohnehin, bis er auf diese Weise mit seinem Hasen und dem zielenden Wurfspiess und seinem rücken an den Fusstritt seines Wagens gelangte. Darauf fiel zwar die erhitzte Apoteke wieder von ferne aus- der Apoteker begleitete den Siegwagen wie einen römischen mit Schimpfworten – der Provisor schleuderte präparierte Gläser voll Kühltränke dem Hasendiebe nach und zerrte vor Wut, um die Brustwarze und die Splitterschere gebracht zu sein, mit beiden Zeigefingern die beiden Mundwinkel bis an den Backenbart auseinander, um allgemeines Grausen auszubreiten – und das Subjekt hieb in der Weite mit der Mörserkeule heftig in das Stein-Pflaster und kegelte noch mit den Füssen Steine nach; inzwischen Katzenberger und die Hasen fuhren ab, und er lachte munter zurück.
So aber, ihr Menschen, schnappen öfters KriegTrubeln passabel ab, und am Friedenfeste sagt der eine: ich bin noch der Alte und wie neugeboren – und der zweite: verflucht! wir leben ja ordentlich wieder auf – und der dritte: ich hätte mehr wissen sollen, ich hätte mich weniger gefürchtet; denn mein Herz sitzt wohl auf dem rechten Fleck – und der vierte; aber die Hasen haben wir doch in diesem Kriege verloren.
Indes hat darin ausser dem Doktor, der nicht durch einen Doppeladler, sondern einen Doppeladler selber gewann, noch eine person viel erbeutet, welche dem Leser die nächste ist, nämlich ich hier. Zweite Auflagen haben den Vorzug, dass man darin Sachen sagen kann, welche durchaus in keiner ersten vorzubringen sind; so konnte' ich in der ersten dieses Werks gar nicht die schöne Nachricht mitteilen, dass der berühmte Zergliederer Johann Friedrich Meckel in Halle – der Erbe und Mehrer des Reiches von väterlichem Ruhm – mir im Jahr 1815 seinen de duplicitate monstrosa commentarium nicht nur geschenkt, sondern auch zugeeignet, und zwar in einem schönern Latein, als ich noch erlernen kann. Niemand aber hab' ich diese lateinische Triumphpforte zu verdanken als – laut der Zueignung – den grundsätzen und Krieglisten des Dr. Katzenbergers, der jetzt den kenntnisvollen und scharfsinnigen Commentarius selber längst in Händen haben und sich über Buch und sich und mich erfreuen muss. Und hiemit erhalte Meckel nach dem geschriebnen Dank auch den gedruckten für sein Foliobändchen über den organischen Dualis oder die monströse Doppelheit, die an Körpern ebenso selten als widrig ist, indes die häufigere Doppelheit an Seelen weit angenehmer wirkt und sich auf die Zunge einschränkt durch Doppelzüngigkeit, Doppelsinn u.s.w.
16. Summula
Ankunft-Sitzung
Niemand fuhr wohl jemals froher mit Hasen als Katzenberger mit seinen. Es war ihm ein Leichtes und ein Spass, mit seiner Missgeburt im Arm jedes Wort auszudauern, das Niess von erster Jugendliebe, dem Frühgottesdienst gegen weibliche Göttinnen und von Teudobachs seligmachendem Glauben an diese ihm an die Ohren warf; denn er wusste, was er hatte. Süsslich durchtastete er den Hasen-Zwilling und weidete ihn geistig aus. Seinem Kutscher befahl er, jetzt am wenigsten umzuwerfen, weil er sonst die Hasen bezahlen müsste und nachher aus dem Dienst gejagt würde ohne Livrei.
Nun schlug er der Gesellschaft, eigentlich dem Edelmanne, die Frage zur Abstimmung vor, ob man schon die nächste Nacht sehr spät in Maulbronn anlangen wolle oder lieber in Fugnitz verbleiben, der Zäckinger Grenzstadt, wenige Stunden von Maulbronn. Teoda bestand auf schnelle Ankunft; sie wollte wenigstens mit dem schlafenden Dichter in demselben gelobten land und unter einer Wolke sein. Der Edelmann sagte, er habe den eigennützigen Wunsch, erst morgen anzukommen, weil ein Wagen enger vereinige als ein Baddorf. Die heimlichern Gründe seines Wunsches waren, am Tage vom Turm herab mit dem Bade-Ständchen angeblasen zu werden – ferner sich den Genuss des Inkognitos und das Hineinfühlen in Teodas wachsende Herzspannung zu verlängern – und endlich, um mit ihr abends durch das gewachsene Mondlicht spazieren zu waten. Der Doktor schlug sich mit Freuden zu ihm; Niess trug mit dichterischer Grossmut die Frachtkosten für ihn und