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ich gerade an der Epistel de monstris schrieb –, dass ich an deiner sel. Mutter während ihrer guten Hoffnung eben nicht sehr darauf dachte, aufrechte Tanzbären, Affen oder kleine Schrecken und meine Kabinetts-Pretiosen fern von ihr zu halten, weil sie doch im schlimmsten Falle bloss mit einem monströsen Ehesegen mein Kabinett um ein Stück bereichert hätte; aber leider, hätt' ich beinah' gesagt, aber gottlob sie bescherte mir dich als eine Bestätigung der Lavaterschen Bemerkung, dass die Mütter, die sich in der Schwangerschaft vor Zerrgeburten am meisten gefürchtet, gewöhnlich die schönsten gebären. Ein Monstrum.... o, du guter Wirt kommst!"

Letzter kam an mit dem fast grimmig aussehenden Stadtapoteker und dieser mit einem gut ausgestopften, achtbeinigen Doppel-Hasen, den er wie ein Wikkelkind im arme trug und an die Brust anlegte. Der Doktor sah den Hasen fast mit geifernden Augen an und wollte wie ein Hasengeier auf ihn stossen. "Ich bin" – sagte jener und sprang stirn-runzelnd seitwärts – "Pharmazeutikus hiesiger Stadt und habe dieses curiosum in Besitz. Besehen darf es werden, aber unmöglich begriffen vor dem Einkauf. Ich will es aber auf alle Seiten drehen, und wie es mir gut dünkt; denn es ist seinesgleichen nicht im land oder auf Erden." – "Um Verzeihung," sagte der Doktor, "im königlichen Kabinett zu Chantilly wurde schon ein solcher Doppel-Hase aufbewahrt7, der sogar sich an sich selber, wie an einem Bratenwender, hat umdrehen und auf die vier Relais-Läufe werfen können, um auf ihnen frisch weiterzureisen, während die vier ausgespannten in der Luft ausruhten und selber ritten." – "Das konnte meiner bei Lebzeiten auch," sagte der Apoteker, "und Ihr anderes einfältiges Hasenstück hab' ich gar nicht gesehen und gebe nicht einen Löffel von meinem darum." jetzt nannte er den Kaufschilling. Bekanntlich wurde unter dem minderjährigen Ludwig XV. der Greisenkopf auf den alten Louisd'or von Ludwig XIV. bloss durch den Druck eines Rades in den noch lebendigen Kinderkopf umgemünzt; worauf sie Livres statt 16 galten. Für ein solches GeldKopfstück, und zwar für ein vollwichtiges, wollte der Apoteker seinen Hasen mit 4 Löffeln, 2 Köpfen etc. hergeben. Nun hatte der Doktor wirklich ein solches bei sich; nur aber war es um viele Asse zu leicht und ihm gar nicht feil. Er bot halb so viel an Silbergelddann ebensovieldann streichelte er den Pharmazeutikus am dürren arme herab, um in seinem Heisshunger nur, wie der blinde Angelo den Torso, so den Pelz der Hasen zu befühlen, die er wie ein Kalmucke göttlich verehrte. – Endlich zeigte er noch seinen langen Hakenstock vor und zog aus dessen Scheide, wie einen giftigen Bienenstachel, einen langen befiederten amerikanischen Giftpfeil vor und sagte, diesen Pfeil, womit der Pharmazeutikus jeden Feind auf der Stelle erlegen könnte, woll' er noch drein schenken. Bisher hatte dieser immer drei Schritte auf- und abgetan, kopfschüttelnd und schweigend; jetzt trug er ohne weiteres seinen Hasenvielfuss zur tür hinaus und sagte bloss: "Bis morgen früh steht viel feil ums Goldstück; aber Mittags katz ab!" – "Es ist mein HerzensGevatter", sagte der Wirt, "und ein obstinater Mann, aber dabei blitzwunderlich; ich sage Ihnen aber, Sie kriegen ebensowenig den Hasen einzupacken als den Rataus-Turm, wofern Sie kein solches Kopfstück ausbatzen; er hat seinen Kopf daraufgesetzt." – "Gibts denn", sagte der Doktor, "einen grösseren Spitzbuben? Ich habe freilich eins, aber es ist zu gut, zu vollötig für ihndoch werde' ich sehen." – "So tue", sagte der Wirt, "doch unser Herr Gott sein Bestes und bringe zwei solche Herren zusammen!"

Der Poet Niess hatte aus dem Vorfalle eine ganze Teaterkasse voll Einfälle und Situationen erhoben; und auf der Stelle den Plan zu einer komischen Oper entworfen, worin nichts als Missgeburten handeln und singen sollten.

15. Summula

Hasenkrieg

Der Doktor hatte eine unruhigere Nacht als irgendeiner seiner Heilkunden, weniger weil ein Goldstück für das natur-Kunstwerk zu zahlen war, als weil dasselbe sehr zu leicht war. Endlich fiel ihm gegen Mitternacht der Kunstgriff eines christlichen Kaufmanus bei, der zu leichten Goldstücken nicht jüdisch durch Beschneidung, sondern vielmehr mit etwas Ohrenschmalz, als Taufe und Ölung, das alte Gewicht zurückgab. Er stand auf und nahm seine Gehörwerkzeuge und gab dem Louis XIV et XV d'or, ohne alle Reims-Fläschchen, so viele Salbung, bis er sein Gewicht hatte. Frühmorgens schickte er durch den Wirt die Nachricht in die Apoteke: er gehe den Kauf ein und werde bald vor ihr mit seinem Wagen halten. Man antwortete darauf zurück: "Gestern wär' es zwar ebensogut abzumachen gewesen; aber meinetwegen!"

Der Doktor sann sich viele List- und Gewalt-Mittel – d.h. Frieden-Unterhandlungen und Krieglistenaus, um die Föderativ-Hasen zu bekommen; und er war, im Falle gute Worte, nämlich falsche, nichts verfingen, zum Äussersten, zu Mord und Totschlag entschlossen; weshalb er seinen Arm mit dem giftigen Gemshornstock armierte.

Vor der Apoteke befahl er, aus dem Wagen springend, die tür offen zu lassen und, sobald er gelaufen käme, fliegend mit ihm abzurennen. Er hatte sich vorgenommen, anfangs dem Fuchse zu gleichen, der so lange