ihnen nicht alles daran, Iwanovens Aufmerksamkeit ausschliessend für den schönen R... zu gewinnen. Auch gelingt es ihnen über Erwarten, so, dass sie sich des lauten Frohlockens kaum entalten können. Möchten sie doch ihren Sieg allentalben verkündigen; wüsste Iwanova nur, was ich ihr, sicher zu meinem Nachteile, so lange verschwieg.
Will ich wahr bleiben, so muss ich gestehen, über den eigentlichen Grund dieses tadelhaften Stillschweigens nicht mit mir einig zu sein. Bald war es Furcht Iwanovens Schmerz zu errneuern, bald die Angst Maria, die Schuldlose! irgend einer Gefahr Preis zu geben, bald wähnt' ich – freilich nur augenblickliche Täuschung – gänzliches Schweigen sei dennoch das sicherste.
Welchen von allen diesen Gründen werde ich nun als den wahren angeben? – Alle! denn sie sind alle wahr! Und so erwarte ich dann keine gelegenheit mehr, sondern rede noch heute, wie es mir ziemt.
Lebt wohl! Mein Leben war nichts, als ein Kampf, und wird es bleiben. Noch hat sie nicht den Mut, mich warten zu lassen. Ich bekam schneller Gehör, als die Mienen der Höflinge versprachen, und eilte, Gebrauch davon zu machen.
Treu und lebhaft schilderte ich ihr meine Verlegenheit, klagte über mein fehlerhaftes Betragen und gestand, es könne mir mit dem vollen Scheine des Rechts zur Last gelegt werden.
"Sei ruhig!" – unterbrach sie mich, mit erzwungenem Lächeln – "die Rechtfertigung wird dir erlassen. Du hast die Tochter eines Verwiesenen in Schutz genommen. Das arme geschöpf wird seiner bedürfen, und dir aus Dankbarkeit eine treue Magd werden."
Es ist die Tochter des Grafen P....
Nun ja! des verwiesenen Grafen P....
Der von allen Rechtschaffenen geliebt und verehrt, dennoch einer schändlichen Kabale unterliegen musste.
Er war unbesonnen und verscherzte die Gnade seines Monarchen.
Ach, er wurde verkannt von seinem unglücklichen Monarchen! Er war edel und wahr! und so musste er fallen.
Du verschwendest dein Bedauern! spare es für deine Untergebene.
Monarchin! dieses Wort soll mich schmerzen – doch fühl' ich keinen Schmerz. Maria P.... ist Niemands Untergebene und kann es nicht werden, so wenig Iwanova es werden kann.
Verschwunden war die künstliche Fassung. "Entferne dich!" – rief sie glühend vor Zorn, und ich entfernte mich gern. Iwanova's Zorn schützt Maria vor dem gefährlichen Glücke, bei Hof erscheinen zu müssen, und befreit mich von einer Menge ängstlicher Sorgen.
Du schöne, zarte Blume! blühe fort in Einsamkeit! Möge kein Sturm dich bedrohn! – Meine angelegentlichste sorge wird es sein, dir Licht und Freiheit zu erhalten.
Das himmelreine Wesen! Wie der blosse Anblick meine umdüsterte Seele erheitert! Wie Vergangenheit und Zukunft vor mir schwindet! Wie tiefer, seliger Frieden mich rings in ihrer Nähe umfängt!
Nur fern von Getümmel der Stadt, und ihrer verderbten Sitte, war es möglich, diesen heiligen Kindersinn zu bewahren. O Maria! Maria! wer ihn nur trübte!
Ich hatte gestern mit ihrer Pflegemutter eine lange Unterredung darüber. Sie wähnt, Maria trete nun in die Jahre, wo gewisse Anstandsregeln unvermeidlich wären. Das Entgegeneilen, mit ausgebreiteten Armen, sei doch von nun an nicht mehr schicklich. Man könne uns für Verlobte halten.
Und wenn man uns dafür hielte?
Sie dürfen es wahrscheinlich nie werden.
Weswegen?
Das fragt mich Fürst Alexander? –
Allerdings.
Nun so bitte ich, dass er sich selbst darauf antworte.
Das würde doch nur meine, nicht Ihre Antwort sein.
Liegt Ihnen an meiner Antwort?
Würde ich sonst darum bitten?
Wohlan denn! Iwanova herrscht in diesem Reiche. So lang Fürst Alexander darin lebt, wird er sich nie vermählen dürfen.
Ich bin ein freier Mann und kann leben, wo ich will!
Ah das verändert die Sache! Ich rechnete nicht auf einen so festen Entschluss.
Konnten Sie einen andern erwarten?
O ja! ich konnte glauben, Fürst Alexander wolle und dürfe Maria nur Vater sein.
In der Tat war das bis diesen Augenblick mein Wille; aber es war mein freier Wille. Ich hoffe sie jetzt davon überzeugt zu haben.
Gebe der Himmel, meine überzeugung möge hinlänglich sein, Mariens Ruhe zu schützen.
Was fürchten Sie?
Ist mir statt der Antwort eine ähnliche Frage erlaubt? – Was fürchtete Fürst Alexander vor nicht gar langer Zeit? denn dass er fürchtete, war sichtbar.
Er fürchtete, den Schein irgend einer Schuld auf sich zu laden.
Nicht die Schuld selbst?
Wo wäre hier Schuld?
Ich schweige.
Und möchten Sie hinzusetzen: ich bin ruhig. Mutter meiner Maria! sein Sie es! Vertrauen Sie einem mann, der weiter nichts beschliesst, als in jedem Verhältnisse ein Mann zu sein und zu bleiben. Ist das so ausserordentlich?
Bei Fürst Alexander ist weder das Grosse, noch das Schöne ausserordentlich.
Ich danke Ihnen für die Schmeichelei! möge sie Wahrheit werden. Nur wenn Sie mich Ihres Vertrauens würdig glauben; versagen Sie mir nicht meine Bitte! Lassen Sie uns Mariens Unbefangenheit als heilig betrachten! Sie ist es. Auch würden wir ihr das Unersetzliche rauben. – Ich könnte Sie zu rühren versuchen, könnte Sie beschweren, mir nach einem arbeitsvollen Tage, dieses Labsal nicht zu versagen. Aber Sie fühlen wohl, dass ich das nicht darf, und eben deswegen nicht will. Nur von Maria soll unter uns die Rede