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Diese Tausende sind dann gesegnet, und ich darbe unter diesen Tausenden.
Mitten unter einem treuen, Sie bis zur Anbetung liebenden volk!
Mitten unter diesem volk. Das wird der Nachwelt unbegreiflich scheinen. Auch dir? Auch dir? Monarchin! – sagt' ich nach einigem Stillschweigen – darf ich um eine Gnade bitten? Grausamer! Ob du darfst? – Sie umschliessen Tausende mit Ihrer Liebe und Sorgfalt, haben Sinn für ihre Freuden und Leiden – muss ich der einzige Verwais'te sein unter diesen Tausenden? Hat Iwanova keinen Sinn für meine Leiden? Die Gnade! die Gnade, die du erbittest! Gerechtigkeit. Du! du Gerechtigkeit! von mir! Falscher! Wer ist der Ungerechte? – Fordert Iwanova Gerechtigkeit? Fordert sie das Mögliche? – "Das Mögliche!" – rief sie, und Todesblässe bedeckte ihre Wangen – "Barbar! Also fordert Iwanova das Unmögliche? – Geh'! du hast mich von der Hoffnung auf ewig geschieden. Komme nun wieder mit Siegesnachrichten meiner zu spotten! Hüte dich!" – und plötzlich brannten ihre Wangen – "Hüte dich! die Hoffnungslosen sind gefährlich." – So seid denn nun auf Alles gefasst! Ich bin es und war es. Sie wird heftig, launisch, könnte grausam werden, wenn ich es duldete. Oft erstaune ich selbst über die Wahrheiten, die der Augenblick mir entreisst. Doch wie könnt' ich anders, ohne den Lebensmut gänzlich zu verlieren? Auch scheint sie das zu begreifen; freilich auf eine andere Weise, als ich wünsche.
Noch ist ihr die stimme der Nachwelt etwas wert; aber an meiner Erhaltung liegt ihr mehr. sonderbar! und mir selbst kaum begreiflich: sie nennt sich hoffnungslos und ist es nicht. Ich liebe keine Andere; darin, glaube' ich, liegt Alles. Die Höflinge haben nicht umsonst gespürt. Unser verhältnis ist entdeckt. Die mitleidigen Seelen wollen sich der grossen Leidenden annehmen und den schönen R.... auf das schleunigste berufen. Sie zweifeln keinen Augenblick an meinem Falle und halten das beispiellose Verbrechen, was sie mir doch jeder für sich von ganzem Herzen verzeihen, wenigstens der ewigen Verweisung würdig.
Gebe ich meiner sehnsucht nach Freiheit und Ruhe Gehör, so wünsche ich, es möge ihnen gelingen. Aber leider ist der schöne R.... nur sehr schön und Iwanova liebt ihren Ruhm und ihr Volk. Ich fürchte, meine Ketten werden jetzt nicht gelös't. wunderbar! bedeutet das Freude oder Schmerz? – Ich bin im Besitze eines Schatzes, zu dem sich meine kühnsten Wünsche nicht erheben konnten, weil ich an seinem Dasein verzweifelte. Die schönste, reinste, Seelenvollste Jungfrau ist mein. Ihr erstaunt. Ich erstaune, wie Ihr.
Graf G.... kehrte aus neunjähriger Gefangenschaft zurück. Ich trug sein Schicksal an meinem Herzen und eilte ihm entgegen. Seine Schwester war vor einem Monate gestorben und hatte G...s einzige Tochter verwais't zurückgelassen. Als fünfjähriges Kind war Maria aus seinen Armen gerissen. Jetzt sah er die schönste Jungfrau seine Knie umfassen, hörte sich Vater von ihr nennen. Es war zu viel. Er sank mit schmerzhaftem Lächeln zurück, und was wir auch taten, ihn zur Freude zu stärken, er vermochte sie nicht mehr zu tragen.
"Sieh, das ist mein Retter! möchte' er der Deinige werden!" mit diesen Worten verschied er in unsern Armen, und Maria nannte mich Vater. Fast könnt' ich es dem Alter nach sein; dem Herzen nach bin ich es schon. Ihres Vermögens bleibt sie beraubt. Immerhin! das Meinige ist das Ihrige.
G...s Schwester lebte auf einem Gute, zwei Meilen von der Hauptstadt. Das Gut ist an des Mannes Verwandte zurück gefallen; von denen ich es aber sogleich gekauft habe. Der Ort, wo eine Jungfrau erblühte, scheint mir mit ihr ein heiliges Ganzes auszumachen. Mich dünkt, sie werde dort allentalben von schützenden Göttern umschwebt, die sie nur trauernd, selbst dann, wann der Gatte sie raubt, dem Schicksal überlassen.
Eine verständige Frau, altadlicher, aber dürftiger Familie, welche Mariens Erziehung seit acht Jahren leitete, wird die Führung des Hauswesens übernehmen und, wie sie es von jeher tat, Mutterstelle bei Maria vertreten.
Geheim kann das Alles nicht bleiben, und so muss ich Iwanova davon unterrichten. Aber wann? Schon fühl' ich die wirkung des Reichtums, zittere schon vor dem Verluste meines Schatzes. – Doch warum zittern? – Er ist und bleibt mein im höchsten Sinne des Wortes.
Wer darf mir wehren, für die Bildung dieses herrlichen Mädchens Alles zu tun? Ihr Wohl als das Meinige zu betrachten? So lange sie selbst mir bleiben will, wer darf sie mir rauben?
Sanft mögt' ich sie, durch alle Klippen der Jugend, in einen blumen- und fruchtreichen Lebensgarten führen. Dahin gelangt, wähle sie dann einen andern Führer, wofern sie einen sicheren findet.
Vor Euch darf ich so denken. Ihr kennt und begreift mich; aber sicher heiss' ich Iwanoven ein Betrüger, den Höflingen ein Wahnsinniger. Es sei! Was wär' ich, wenn ich Ihnen jemals anders erschiene? Ich bin im höchsten Grad unzufrieden mit mir selbst. Maria ist seit vier Wochen unter meinem Schutze, und Iwanova noch mit keinem Worte unterrichtet. Ohne Zweifel würden mir die Höflinge zuvorgeeilt sein, läge