ordentliches Mitleiden, dass Ihr so gar keinen Begriff von ihr habt! – Ich reicher! reicher! tausendfältig belohnter Mann! Ich kenne sie! verstehe sie! Jeder blick dieses Himmelauges dringt bis in mein Innerstes und durchglüht es mit heiligem Feuer. Maria, ich lasse Dich nimmer! Du bist für die Ewigkeit mein! Ob Iwanova Alles weiss? Ob ich die ganze Zukunft vergessend, ein bestimmtes Nein gewagt habe? – Eben die ganze Zukunft erwägend, habe ich Iwanova in den Fall gesetzt, dieses Nein selbst sagen zu müssen.
Sie fordert Liebe. Vorgeblich! – sagt Ihr. Desto schlimmer für Euch und für sie, wenn dem so ist. Aber dem ist wahrlich nicht so! Ohne die Liebe zu kennen, fühlt sie gleichwohl das Bedürfniss, geliebt zu werden. Kann ich dieses Bedürfniss befriedigen? – Nicht wahr, Ihr fühlt die Unmöglichkeit? – Diese Unmöglichkeit habe ich ihr vors Auge gerückt. "Wie vormals!" – ruft Ihr. Nein, nicht wie vormals. Noch freier, noch offner. Was das gewirkt hat? – Eine Erniedrigung von ihrer Seite, die ich nicht erwartete. Welche? – Das fragt nicht! Eine Wut, auf die ich gefasst war. Die Folge von dem Allen? – Meine Entlassung, die ich gefordert habe und die ich, wofern sie mir nicht bald gegeben wird, durch meine Abreise für überflüssig erkläre. Unbesonnen und härter gegen sie, als ich jemals gewesen? Was hiesse Euch wohl besonnen? Wie weich müsste ich Eurem Sinn nach wohl sein? – Ihr fürchtet. Was fürchtet Ihr? Ihr denkt an vormals. Aber vormals ist nicht jetzt. Mich schützt das Volk, was von ihr gefürchtet wird. Seid ruhig! sie krümmt mir kein Haar. Darf es nicht. Aber wenn sie es dürfte; ich rettete Maria und handelte wie jetzt.
O wenn sie begriffe, was ihrer Grösse hier ziemt! Sie hat ja nur leidenschaft, nicht Liebe zu bekämpfen. Oder wenn sie wahrhaft lieben könnte, wollte – welch ein herrliches Ende könnte das Alles noch gewinnen. Unglückliches Volk! in welche hände bist du gefallen! Ich glaubte mein Herz verschlossen; aber deine Leiden waren mir fern. Ach, ich sehe, dass ich mich abermals verkannte. Verlassen wollt' ich dich? – Kann ich es, o Gott! – Wer soll hier siegen? – Das Recht! das Recht! die Unschuld soll siegen! und sie, die das Recht, die Unschuld beugen wollte, sie soll nachgeben. Das schwöre ich mir selbst. Sie liess mich rufen; denn die Verwirrung war aufs äusserste gestiegen. Ihr blick war unstät, oft schrecklich. Sie winkte mir, und ich nahte. "Du musst" – sagte sie endlich mit dumpfer, kaum vernehmlicher stimme – "Du musst die Geschäfte sogleich übernehmen. Das Vaterland, Dein Vaterland braucht schleunige hülfe."
"Monarchinn!" – erwiderte ich ebenfalls mit gedämpfter stimme; aber zugleich mit Festigkeit – "ich fühle das ganze Gewicht dieser Worte. Aber zu dieser schleunigen hülfe bedarf es der Kraft. Sie gebricht mir, wofern ich die lauten und gerechten Forderungen meines Herzens nicht befriedige." – Ein blick aus ihrem Flammenauge würde mich hier, wär ich nicht fest entschlossen gewesen, verwirrt haben. Aber ich fuhr fort: "Maria rettete mein Leben. Ihr und dem vaterland werde ich es widmen. Müssen die Geschäfte sogleich von mir übernommen werden; so muss noch heute meine Verlobung sein, morgen meine Vermählung mit Marien vollzogen werden."
Dass ich diese Worte je sprechen würde, muss sie für unmöglich gehalten haben. Das sah ich an der fürchterlichen wirkung, die sie hervorbrachten. Ihr ganzer Körper wurde convulsivisch erschüttert. Doch mussten sie gesprochen werden diese Worte. Sie sind es nun. Heute! – Morgen! – Schneller als ich dachte. Maria! Maria! so hab' ich nun dein Schicksal bestimmt! – Dieses die letzten Zeilen Alexanders an seine Verwandten. Sie hatten ihm Unbesonnenheit und Härte, leider mit Recht, vorgeworfen. Er, der sonst immer Herr seiner selbst blieb, konnte jetzt den Widerwillen gegen die Feindin nicht unterdrücken. Oder vielmehr sie erschien ihm als Feind, seitdem ihre leidenschaft durch Tat sich geäussert, ein männliches Ansehen bekommen hatte. So setzte er nun Kraft gegen Kraft, und Härte schien ihm Gerechtigkeit.
Aber diese Härte brachte die Unglückliche auf das Aeusserste. Sie suchte Gehülfen zur Befriedigung ihrer Rache, und fand sie in Allwina und Tibaldy. Perçy, der schon lange seine Liebe dem grösseren Mitwerber geopfert hatte, ahnete ein schreckliches geheimnis und eilte zu warnen. Vergebens! Man entdeckte und verhinderte es.
So wurde dann Alexanders und Mariens Vermählung mit der grössten Pracht vollzogen; aber das Brautbett war vergiftet. In der schönsten Nacht des irdischen Lebens, erhoben sich ihre Geister zu den Sternen.
"Du bist bei mir, ich bin bei Dir,
"Bis an mein Lebens Ende."
So sang Maria noch zu ihrer Laute, eine Stunde vor der ewigen Vereinigung mit Alexander.