, Wissenschaft und Ordnung zu stürzen drohen, sich unter einander bekämpft, verjagt, und blutig aufgerieben haben werden: dann wird in dem allgemeinen Schrecken nur die Religion allein aufrecht stehen, sie wird das Heiligste und Höchste des Menschen bewahren, sie wird dem Uebermut roher Barbaren Ehrfurcht gebieten, ihre sanfte Macht der wilden Gewalt das Gleichgewicht halten, in die Hallen ihrer Tempel werden sich Künste und Wissenschaften vor dem Sturm retten, und wenn es auf dem müden Erdkreis stille geworden, wird ein schönerer Tag aus ihnen über die neugeborne Welt hervorgehen. lebe' wohl!
Fussnoten
1 Als das Volk in den ersten zeiten der Republik einst gegen den Senat und die Reichen aufgebracht war, und sich ausser Rom auf einem Berge gelagert hatte, brachte es der Consul Menenius Agrippa durch die bekannte Fabel von dem Magen und den Gliedern des Leibes wieder zur Ordnung, und in die Stadt zurück.
60. Marcius Alpinus an Lucius Scribonianus.
Nicäa, im December 302.
Du willst Nachrichten, Neuigkeiten von mir hören. Was, bei allen Göttern, soll ich dir aus diesem Neste von Stadt schreiben? Es geht Alles seinen langsamen regelmässigen gang fort, und da eine grosse Anzahl der hiesigen Einwohner Christen sind, so ist dieser gang so stille und erbaulich, dass Jemand, der aus einem raschern abwechselndern Leben kommt, hier Gefahr läuft, vor langer Weile zu sterben. Zwei Monate bin ich hier – sie dünken mich zwei Jahre – und bin entschlossen, nicht mehr lange hier zu sein. Es bereiten sich wichtige Vorfälle im Stillen vor, es sind viele hände geschäftig. Dass meine Freunde unter der Zahl sind, ist natürlich. Aber nicht allein, was f ü r mich getan wird, soll mir zum Nutzen gereichen, auch was meine Feinde wider mich zu tun meinen, soll sich unter ihren Händen in Waffen gegen sie verkehren. Man hat mich vom hof entfernt, und glaubt mich auch von jeder Einwirkung entfernt zu haben. Ich lasse sie bei dem Glauben, der sie vergnügt und sicher macht, und spiele hier die Rolle des gestürzten Günstlings mit Anstand und Demut. Galerius kann meiner nicht entbehren, das weiss ich. Constantin hasst tian ist ein untergehendes Gestirn. Die Christen arbeiten in Geheim für sich, Galerius offenbar gegen sie, der Augustus schwankt, – ein böses Anzeichen bei einem mann, der sonst den Zweifel nicht kannte. Eine Partei muss siegen. Es kommt nur darauf an, sich die hände so frei zu erhalten, dass man sie zur rechten Zeit ohne Schande ergreifen kann, und dafür wollen wir sorgen.
Du willst wissen, was ich von Galerius Maassregeln gegen die Christen denke? Sie scheinen mir, wo nicht ganz zwecklos, doch zweckwidrig. Sollte es möglich sein, die christliche Religion auszurotten, woran ich je mehr und mehr zweifle, nicht aus achtung für sie – eine solche Abgeschmackteit wirst du mir nicht zutrauen – sondern weil ich sie zu fest begründet glaube: so müsste es nicht mit offenbarer Gewalt geschehen. Verfolgung, Strafen, Gefahren exaltiren solche Menschen noch mehr, sie machen sie eigensinnig, unüberwindlich. Von innen, in ihren edelsten Teilen müsste diese Secte angegriffen, in sie der Keim des Verderbens gelegt werden, der dann den ganzen Körper langsam vergiften, und zur Auflösung bereit machen könnte. Aber ein solches Mittel wird ein Mensch, wie Galerius, nie ergreifen.
Constantin wird eine bedeutende Rolle spielen, die natur hat ihn dazu bestimmt, er kann nicht untergeordnet bleiben, und es ist ein sicheres Zeichen seines Scharfblickes, dass er es mit den Christen hält, und also den Geist der Zeit für sich hat. Das ist auch wohl bei einem so klugen Mann, wie er, der wahre Beruf zu diesem Glauben. Er sammelt jetzt schon Menschen und Hülfsquellen um sich, die er zu seiner Zeit in Bewegung setzen wird. Ihm können auch Schwärmer nützen, und so hat er einen der entschiedensten, jenen Agatokles um sich, den neulich der Schwindelgeist seiner Kameraden zum Tribun machte. Ich hasse den Menschen aus mehr als Einem grund, und nehme mir vor, ihm nächstens einen empfindlichen Streich zu spielen. Es ist eine lächerliche geschichte, die ich vielleicht in Nikomedien keiner Aufmerksamkeit gewürdigt hätte, die aber dazu dienen soll, mir die lange Weile zu vertreiben. Ich war kaum acht Tage hier, als mir eines Morgens in der Nähe eines Christentempels ein Frauenzimmer begegnet, dessen guter Anstand und tiefe Wittwentrauer meine Blicke flüchtig auf sich ziehen. Sie kommt näher, ich betrachte sie genauer, und obwohl der schwarze Schleier ihr Gesicht halb verbirgt, erkenne ich mit Erstaunen Larissa, die witwe des Demetrius, die man schon lange für tot gehalten hatte. Als ich nach Nisibis kam, um den Heerbefehl zu übernehmen, war sie schon abgereiset; aber ich kannte sie von frühern zeiten, und war öfters auf Reisen mit ihr zusammengetroffen. Wie sie den Händen der Goten entgangen, wie sie hierher gekommen, weiss ich nicht; im grund liegt auch nichts daran. Genuss sie ist hier, und lebt im haus eines gewissen Lysias, eines der angesehensten Bürger dieser Stadt, unter dem Namen Teophania, als witwe eines byzantinischen Kaufmanns. Diese geheimnissvolle Verborgenheit fiel mir auf, denn ich weiss, dass sie die heissgeliebte Jugendfreundin jenes Agatokles war, der Alles, was er auf Erden besitzt, darum geben würde, wenn er erfahren könnte, dass sie lebt, und ihn noch liebt. Ich musste der Sache auf die Spur kommen