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jenen goldnen Tagen mein Leben zum Himmel erhellte! Nur Ein Wort, wie du mir in unsrer Insel Tausende sagtest! Wenn du schnell antwortest, und deine Antwort dem Boten gibst, der sie auf einem sichern Weg hierher bringen kann: so trifft sie mich noch hier, denn wir bleiben bis zu Ende des nächsten Monats in dieser Stadt. Das habe ich halb durch List, halb durch Zufall erfahren. Asinius Ponticus hat an Augustus geschrieben, der mein Vater sein soll, und wird die Antwort hier erwarten. Diese Frist ist vielleicht die einzige, die uns in langen Monatenvielleicht in Jahren offen steht. O lass sie nicht fruchtlos verstreichen, und lass mich die Versicherung hören, dass du mich noch liebst, dass du noch hoffest, und an Rettung glaubst. lebe' wohl!

Fussnoten

1 Als Arria und ihr Gemahl Pätus mit einander zu sterben beschlossen hatten, senkte sie zuerst den Dolch in ihr Herz, und gab ihn dann ihrem mann mit den berühmten Worten: Er schmerzt nicht. 2 Coloniae Agrippinae, das heutige Cöln. 3 Die Römer schrieben bald mir Griffeln auf Tafeln, welche mit Wachs überzogen waren, bald mit Federn von Rohr auf Pergament und eine Art Papier, das aus einer ägyptischen Staude bereitet wurde. 4 Als Aeneas bei seiner Höllenfahrt im Elysium dem Schatten der Dido begegnete, die sich um seiner Untreue willen ermordet hatte, wandte sie sich zürnend von ihm ab.

52. Agatokles an Phocion.

Nisibis, im October 302.

Hier bin ichin Nisibis. Das Haus, das ich bewohne, liegt in derselben Strasse, in der ich vor zwölf Monaten mit Demetrius lebte. Es hat den Cäsarn gefallen, diese Stadt auf der äussersten Grenze des Reichs gegen Persien zum Schauplatz der Friedensunterhandlungen zu wählen, die Narses nach der erlittenen Niederlage eröffnet hat, und sehr eifrig zu verlangen scheint. Constantin, als der Sohn des abendländischen Cäsars, durfte nicht dabei fehlen, und ich folgte meinem Fürsten, meinem Freunde, weil er es wünschte. So ist es gekommen, dass ich diese Stadt wieder gesehen, die mir ewig unvergesslich, und ewig zu schmerzlicher Erinnerung sein wird. Als Constantin zuerst den Wunsch äusserte, dass ich ihn begleiten möchte, warnte mich eine innere stimme, dieser Bitte nicht zu willfahren. Aber ich trotzte auf die Macht der Zeit, die jeden Eindruck schwächt, auf die Zerstreuung durch die Geschäfte, die meiner hier warteten, endlich auf die Stärke meines Herzens. Es war töricht, es war vermessen, dies zu hoffen. Als ich von Weitem diese Mauern erblickte, wo ich so schöne, so selige, so schmerzliche Stunden verlebt hatteerwachte die stes mit unwiderstehlicher Kraft in mir, und keine Zerstreuung, keine Beschäftigung hat diesen Eindruck bis jetzt schwächen, kein Kampf ihn besiegen können. Constantin weiss nicht, was er von mir gefordert hat; es wäre unedel, es ihm jetzt zu sagen, und seinem Herzen die drückende Last einer solchen Verbindlichkeit aufzuwälzen. Ueberhaupt ist es wohl eben so vergeblich als unbillig, Andere, die nichts dazu beitragen können, es wieder herzustellen, mit dem steten Anblick unsrer trüben Mienen, mit der Anhörung unsrer alten Klagen zu quälen. So suche ich mich zu beherrschen, und glaube wenigstens durch diese Uebung meiner Willenskraft einigen Nutzen für mein besseres Selbst zu finden.

Es ist seltsam, wie unauslöschlich tief manche Eindrücke bleiben, indessen andre kaum die Zeit ihrer gegenwärtigen Dauer überleben, und noch seltsamer und übler für uns Sterbliche, dass jene meistens unter die traurigen gehören, und die frohen schnell verschwinden. Warum hält des Menschen Sinn den Schmerz so fest, und vergisst so schnell, was ihm wohlgetan hat? Das ist nicht gut, es führt zur Undankbarkeit gegen Gott und Menschen, und eben darum ist vielleicht auch die Begierde nach Rache bei rohen Menschen der mächtigste und unauslöschlichste Trieb. Für mein Gefühl ist keine Zeit zwischen jenen selig düstern Tagen und dem gegenwärtigen Augenblick. Alles steht hell vor mir, Alles lebt um mich wie damals, nur E i n s , E i n s fehlt, und dies E i n e ! – Es ist kein Wahn, kein Werk der erhitzten Einbildungskraftich werde dies E i n e nie vergessen!

Warum sind die freundlichen Erinnerungen an meinen letzten Aufentalt in Nikomedien, an Alles, was sich dort vereinigte, um ihn mir zu einem schönen hellen Punkte in meinem Leben zu machen, so ganz verschwunden? Warum drängt sich, wenn ich sie ja zuweilen geflissentlich zurück rufe, um mich zu zerstreuen, nur der einzige Schatten, der darauf liegtdie Eitelkeit und Absichtlichkeit des Wesens, das sonst so liebenswürdig ist, mächtig hervor, und wirft seinen düstern Schein auf das ganze Gemälde, und macht seine fröhlichen Farben erblassen, und kehrt, indem er mich auf den scharfen Gegensatz zwischen Calpurnien und meiner verkärten Jugendfreundin hinweiset, den Stachel grausam gegen mein Herz?

Doch, wo gerate ich hin? Was ich noch kurz zuvor als löblich und nötig anpries, unterlasse ich sogleich selbst, und breche gegen dich, mein väterlicher Freund, was ich gegen Andere zu beobachten mir streng vornehme. Verzeih, wenn zuweilen ein schnelles Gefühl mich hinreisst! Ich sehe die Zwecklosigkeit und Lästigkeit ewiger Klagen ein, und es ist mein fester Vorsatz, sie nicht laut werden zu lassen. Du aber, der du weisst, wie vieler Nachsicht, Geduld und Liebe mein Herz von jeher bedurfte, um zufrieden zu