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und mit desto grösserer sehnsucht an den Hecken, die unsre Gärten schieden. Endlich nach vierzehn Monden gefänglicher Haft wurde Timantiasaus Schonung, wie es hiess, indem er des Todes schuldig befunden wordenmit seiner Familie verbannt, seine grossen Güter eingezogen. Sisenna Statilius brachte sein Haus, das neben dem unsern lag, um einen geringen Preis an sich, und mein Vater unterhielt dieselbe Freundlichen mit ihm, die er mit Timantias gepflogen hatte. Ich war nicht zu bereden, das Haus wieder zu betreten, wo mir die Geister der Vertriebenen Rache fordernd zu schweben schienen. Dieser Eigensinn des achtzehnjährigen Jünglings war eine von den Hauptquellen des ewigen Zwistes zwischen meinem Vater und mir. Acht Jahre sind verstrichen, keine Spur von Timantias Schicksal ist mehr zu erforschen gewesen. Ob Larissa glücklich, ob sie vermählt, ob sie überhaupt noch am Leben seiso wichtig mir diese fragen oft erscheinen, – Niemand weiss sie zu beantworten. Alle Nachforschungen, die ich anstellte, waren fruchtlos. Doch lebt ihr Andenken in meiner Brust, als der einzige helle Punkt in meinem Schicksale. Und auch d e r musste verschwinden? – lebe' wohl.

Fussnoten

1 In Delphi war der berühmteste Tempel des Apoll, und ein Orakel. Die Dreifüsse waren eine Art von Gefäss oder Schaale, welche auf drei Füssen stand, und dazu diente, um Rauchwerk darin anzuzünden. Es war eines der gewöhnlichsten Opfer, das die Frömmigkeit, die Furcht oder die Prachtliebe den Göttern brachte. Dem Aesculap, dem Gott der ärzte, pflegte man bei der Genesung einen Hahn zu opfern. 2 Valerius Asiaticus, dessen Werk vorzüglich der Tod des Caligula war, rühmte sich seiner Tat im Senat, und forderte eine Belohnung dafür Caracalla wurde von Macrin getödtet, und die Soldaten, welche unter seiner grausamen Regierung sich alle Ausschweifungen erlauben durften, und seinen Verlust betrauerten, trotzten dem Senat seine Vergötterung ab Ueberhaupt war die Macht des Reiches in jenen zeiten in der Hand der Armee, oder vielmehr der Prätorianer, der k. Leibwache, welche von dem Zelte des Imperators, Prätorium genannt, das sie zu bewachen bestimmt waren, ihren Namen hatten. Wer ihre ungeheuren Forderungen an Ausgelassenheit und Geld zu stillen versprach, oder ihnen geneigt schien, wurde von ihnen auf den römischen Tron gesetzt, und durch sie erchungen nicht erfüllen konnte oder wollte. Der Senat, diese einst so ehrwürdige und mächtige Versammlung, war zu einem blossen Schattenbild und Werkzeug der Tyrannei und Anmassung herabgesunken. Der Präfekt Prätorianer, ihr Anführer oder Kapitän, war die wichtigste person im staat, und sehr oft der Cand dar zur Kaiserwürde, wie denn auch Diocletian von diesem Posten auf den Tron stieg.

6. Calpurnia an Sulpicien.

Rom, im Februar 301.

Nach gerade wird mir dein Aufentalt in Bajä und deine lange Abwesenheit unerträglich. Ich hätte dir so viel zu sagen, so viel zu erzählen, und muss mich mit Schreiben, diesem armseligen Behelf für ein volles Herz, begnügen. Auch Serranus fängt an, über dein Aussenbleiben unmutig zu werden. Zwar weiss er wohl, dass du weit mehr Geschäfte gefunden hast, und der Zustand eurer Villa weit zerrütteter ist, als ihr anfänglich glaubtet: dennoch, meint er, könntest du jetzt fertig sein, oder was allenfalls noch zu tun übrig ist, auf ein andermal lassen. Es ist doch ein gutes Wesen, dieser Serranus, und dir von Herzen zugetan. Er weiss, dass du den Prinzen oft in Bajä gesehen hast, undes scheint, er freuet sich darüber, dass du doch in deiner Einsamkeit nicht ohne Umgang warst. Auch schätzt er dich viel zu sehr, um nicht den Gedanken, dein verhältnis zu Tiridates könnte etwas mehr als Freundschaft sein, für Hochverrat an dir zu halten. Wir haben gestern, als er zu mir kam um sich mit mir über deine Abwesenheit zu beraten und zu beklagen, recht viel mit einander von dir gesprochen. Er wird dir nächstens schreiben, und dich recht dringend bitwie er dich nennt, mangelt ihm überall.

Auch mir mangelst du recht sehr. In mir ist eine Art von Veränderung vorgegangen, über die ich gern mit dir sprechen möchte. Es ist nicht mehr Alles, wie es war. Ich ärgere mich darüber, und kann doch nicht wünschen, dass es nicht geschehen sein möchte. Ich bin jetzt manchmal sehr ernst, ich kann stundenlang über tiefsinnige Dinge recht tiefsinnig sprechen. Ich lache seltener, und finde sogar Vergnügen an manchen Ideen, die ich sonst, als ich noch ganz Calpurnia war, als excentrisch und überspannt verspottete. Das macht bloss der Umgang. Man achte ja diese leise und langsame Gewalt, eben weil sie unbemerkt wirkt, nicht für gering; man glaube nur ja nicht, sich vor ihrem stillen Einflusse bewahren zu können. Wie der Bewohner der einen Provinz, in eine andere verpflanzt, nach und nach, ohne es selbst zu wissen, seine Sitte, seine Tracht, sogar seine Sprache nach dem Gebrauche und Dialect dieses Landes modelt, und so unvermerkt mit den Eingebornen sich verschmelzt, so nehmen wir auch leicht und unmerklich die Gedankenreihe, die Ansichten, ja bis auf die Redensarten unserer Freunde an, und sehen erst nach einiger Zeit mit Erstaunen die Aenderung, die mit uns vorgegangen ist.

Agatokleswie komme ich eben jetzt auf ihn? – ist recht viel bei mir. Wir plaudern recht oftrecht langerecht anziehend mit einander, und meine Eitelkeit