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lächelte sein, als Calpurnia mir das erzählte. "Es ist kein Wunder," sagte sie endlich, "dass sie ihn so gut getroffen hat; die Phantasie entwirftund Eros1 führt die Hand." Ein kleiner scherzhafter Streit begann nun unter den beiden Römerinnen, ein Streit, dessen Gegenstand Erund seine Liebe zu Calpurnien war, – und i c h war Zeugin, und i c h wurde zuweilen von der freundlichen Sulpicia aufgefordert, teil daran zu nehmen! O das war eine der bittersten Stunden meines Lebens!

Ich erfuhr durch diese kleine Neckerei endlich so viel, dass zwar Calpurnia noch nicht seine Gattin, aber seine Geliebte, und nicht viel weniger als seine Braut war, da ihr verhältnis schon in Rom angefangen, und in Nikomedien fortgesetzt wurde, dass er aber jetzt wieder zum Heere abgegangen war, wo die Friedensunterhandlungen mit den Persern beginnen sollten.

Ich wusste genug, und entfloh, so bald ich konnte, in die Einsamkeit meines Zimmers. Kein Schlaf besuchte meine Augen. Ich hatte erlangt, was ich gewünscht hatte, ich war aus der Gefangenschaft befreit, ich war in meinem vaterland, auf seiner Villaund wie war ich es, unter welchen Verhältnissen! wild und verworren durchkreuzten sich Gedanken, Gefühle und Entwürfe in meiner Seele. Das allein fühlte ich klar, dass nun mein Lebensplau zerrissen, und ein neuer notwendig war. Aus dem Kampfe streitender Kräfte, aus dem Chaos schmerzlicher Empfindungen ging er endlich hervor, wie ein einzigübriger Lebender sich bleich und schaudernd von dem, Schlachtfelde aufrichten mag, auf dem alle seine Brüder gefallen sind. Ich entwarf ihn mit klarer Besinnung, und du sollst ihn hören und billigen.

An eine Vereinigung mit dem, den ich nicht mehr nennen will, ist nicht zu denken. Er ist tot für mich, so will ich es auch für ihn sein. Das Schicksal hat mein Dasein zerstört, es hat mir Stand, Gemahl, Vermögen, Alles geraubt, alle Lebenshoffnungen zernichtetso höre denn auch mein Wesen, mein Name auf. Larissa ist totsie ist unter den Ruinen von Trachene begraben. Diese Teophania (du weisst, dass dies mein Christenname ist), die jetzt arm, verlassen, einsam zurückkehrt, ist ein anderes Wesen, fremd für die Welt, fremd für jene, die sie so schnell vergessen konnten. Sie ist nicht in Nikomedien geboren. Syntium ist der Ort ihrer Entstehung. Sie hat auch nichts mehr in der glänzenden Hauptstadt zu suchen. Einige Kostbarkeiten, die jene verstorbene Larissa rettete, und die immer einige Talente2 wert sein mögen, werden ihr ein beschränktes, aber sorgenfreies Leben sichern. Sie kann entbehrendas Schicksal hat sie in seine Schule geführt. Sie wird mit Heliodor nach Nicäa gehen, und dort, entweder in dem haus seiner Verwandten, oder einer andern unbescholtenen Christenfamilie Aufnahme und Schutz suchen. Dort wird sie unbemerkt leben, sterben, oder vielleicht nächstens zu ihren wilden Freunden zurückkehren, deren unverfeinerte Gemüter nicht fähig sind, jeden Eindruck so schnell fahren zu lassen.

Sobald der Tag anbrach, verliess ich mein Zimmer, und stieg in die tauigen Gärten hinab. Ungestört durchirrte ich die wohlbekannten Gänge, und rief mit schmerzlicher Lust die Bilder der Vergangenheit zurück. Hier hatte ich als Kind mit den Gespielen der Kindheit schuldlos und glücklich gespielt, dort in jener dunkeln Pinienlaube hatten die Gefühle der Jungfrau zuerst Worte bekommen, dort hatten wir uns ewige Treue geschworen, und von dem Gipfel jenes Hügels wehten die Palmen im Morgenwind, unter denen seine Mutter uns oft um sich gesammelt, Lehren der Tugend und Weisheit in unsre Seelen gesenkt, und uns mit einander und für einander gebildet hatte. Mit schmerzlich süsser Wehmut, mit zerreissenden Gefühlen durchstreifte ich diese Denkmale einer bessern Vergangenheit. Als ich mich dem haus näherte, kam mir Heliodor entgegen. Er hatte mich gesucht, um mich zur schnellen Abreise zu bestimmen. Ihm war es nicht wohl in diesem glänzenden haus, in der Nähe der leichtfertigen Calpurnia. Sein Antrag kam mir erwünscht, ich ersuchte ihn zugleich den Reiseplan zu ändern, indem ich nicht mehr wie Anfangs gesonnen sei, nach Nikomedien zu gehen, wohin er mich ohnedies nur aus gefälligkeit begleitet hätte. Und wohin willst du? sagte er. Wohin du gehst, erwiderte ich, nach Nicäa, oder an die Ufer des Borystenes. Er sah mich sehr erstaunt und forschend an; aber er fragte nicht weiter. "Und was willst du in Nicäa machen, du bist ganz fremd dort?" "Ich bin es überall," erwiderte ich, "du weisst, dass ich nirgends Freunde oder Verwandte habe. Willst du so gütig sein, mir in deines edlen Bruders haus eine Freistatt zu verschaffen, so wirst du dir ein unglückliches heimatloses geschöpf ewig verpflichten." Er schien nicht unzufrieden mit dieser Bitte, er versprach mir, gut und eifrig für mich zu sorgen; allein ich sah wohl, dass er nur für diesen Augenblick nicht weiter forschen wollte, dass ihm aber mein geänderter Entschluss sehr auffiel. Ich fühlte, dass ich seinem strengen Forscherblick nicht entgehen, und früher oder später mich ihm würde entdecken müssen. Doch gern unterwarf ich mich Allem, um nur aus dieser Villa, aus der Nähe von Nikomedien zu kommen. Wir nahmen Abschied. Man schien unzufrieden über unsern schnellen Aufbruch; Sulpicia zeigte eine wahre Teilnahme, ich sah, dass ich ihr wert geworden war, und dies Gefühl tat mir,