rührte mich tief, und flösste mir heilige Ehrfurcht vor ihnen ein. Auch waren sie schon so glücklich gewesen, schöne Früchte ihrer Bemühungen zu sehen. Die einfachen Lehren des christentum hatten Eingang in die unverdorbenen Herzen gefunden, und die Milde, womit diese frommen Männer ihre neuen Schüler in den Lehren der Religion sowohl, als manchen nützlichen arbeiten und Künsten unterrichteten, gewann ihnen die Liebe derselben. Sie hatten Ackergeräte, Handwerkszeug, Sämereien mitgebracht. Sie machten ihnen den Nutzen dieser Dinge, den grossen Vorteil des Ackerbaues, und einer steten Lebensart einsehen, und schon waren hie und da kleine Gemeinden errichtet, die dichten Wälder, die dieses Land in feuchte kalte Schatten hüllen, stellenweise niedergehauen, und das frische Erdreich mit nützlichem Saamen gebaut, den die Hand der neuen Christen unter feierlichem Gebete und Segnungen ihrer ehrwürdigen Lehrer in frommem Vertrauen ausgestreut hatte. Man kündigte auch uns ihren Besuch an, und eine entzükkende Hoffnung auf Rettung durch sie, und Rückkehr in mein Vaterland durchdrang mein gebeugtes Gemüt, und machte mich unaussprechlich froh. Sie kamen an, es war Heliodor mit noch zwei gefährten. Nie werde ich den Eindruck vergessen, den der Anblick der Landsleute, der Ton der Muttersprache aus ihrem mund auf mich machte. Fritiger nahm sie mit achtung und Liebe auf. Ihr Geschäft gelang auch hier zum Verwundern gut. Ich hatte das himmlische Vergnügen, die Familie meines Wohltäters in den Bund der Christen angenommen, und so den Keim zu tausend künftigem Guten in diesen Gegenden empor wachsen zu sehen.
Heliodor war seinerseits nicht wenig erstaunt, mich hier zu finden. Ich entdeckte ihm mein Schicksal, und bat ihn, mich zu retten, und zu den Meinigen zu bringen. Er versprach zu tun, was er vermöchte; denn er war ohnedies entschlossen, bald nach Bytynien zurück zu kehren, dem Bischof Nachricht von dem Fortgang seiner Unternehmungen zu geben, und ihn um Unterstützung in seinem Geschäfte, und um mehrere gefährten zu bitten. Er trug Fritigern meine Bitte vor. Ich hatte nicht den Mut dazu, denn ich wusste wohl, dass man mich nicht gern ziehen lassen würde. Was ich gefürchtet hatte, geschah. Des Goten ganze Wildheit brach ungestüm hervor, als man ihm von dem Verluste einer person sprach, an die er sich mit Liebe gewöhnt hatte. Heliodors unwiderstehlicher Beredtsamkeit, seinem ehrwürdigen Ansehen gelang es endlich, das stürmische Gemüt zu besänftigen; er hörte ihn gelassener an – aber mich fort zu lassen, dazu war er auf keine Weise zu bewegen. Er liess mich rufen, er schalt, er drohte, endlich bat er mich mit Tränen, ihn nicht zu verlassen. Ach, das war ein harter Kampf! Es gehörte alle Macht treuer Liebe dazu, um hier zu widerstehen. Ich weinte heftig, ich sank vor ihm nieder, küsste seine Hand, wie die eines Vaters, und wahrlich mit denselben Empfindungen; ich schilderte ihm Alles, was ich in meinem vaterland zurückgelassen hatte, was meiner wartete, ich sprach endlich seine eigne Vaterlandsliebe an, ich bat ihn, sich an meine Stelle zu setzen, und für mich zu entscheiden.
Er stand eine Weile stumm – dann sagte er mit heftigem, aber nicht rauhem Tone: "Geh hin; ich weiss, du kannst hier nicht glücklich sein, aber wir können dich auch nicht vergessen." Ich ergriff seine Hand, drückte sie an mein Herz, und wollte ihm danken. In dein Augenblicke sagte Heliodor etwas von dem Lösegelde, das er für mich bestimmen sollte. Ich hatte vorher mit Heliodor darüber gesprochen, und dabei auf die kleinen Schätze, die ich und Evadne gerettet und bisher verborgen hatten, und falls diese nicht zureichen sollten, auf deine und meines Jugendfreundes Reichtümer und Liebe gerechnet; aber ein geheimes Gefühl erlaubte mir nicht, dieses Anerbietens in diesem Augenblicke zu erwähnen. Heliodor tat es doch, und Fritiger fuhr wild empor. Zorn sprühte aus seinem blick, er entriss mir seine Hand, und stiess mich unsanft weg: "Was denkst du," rief er entrüstet, "was wagst du mir anzubieten? Ich kann dich frei lassen, ich kann dich verschenken – verkaufen werde ich dich nie. Geh in dein Vaterland zurück, weil du nicht mehr bei uns bleiben willst, und sage deinen Landsleuten, dass uns Barbaren das, was wir lieben, nicht um Gold feil ist." Er wandte sich rasch weg, und wollte sich entfernen. Ich eilte ihm nach, ich ergriff seine Hand, ich küsste sie, ich beschwor ihn, mich nicht im Zorn zu entlassen, mir zu sagen, dass er mir vergebe, und mir eine Schuld nicht anzurechnen, die ich nicht begangen hatte. Er blieb stehen, sah mich ernst, aber ohne Zorn an, drückte mir endlich die Hand und sagte: "Du bleibst doch meine Tochter, wenn du auch jenseits des Meeres wohnen wirst." Ich gelobte es ihm, ja ich gelobte ihm sogar, wenn ein widriges Schicksal meine Hoffnungen zerstören, wenn ich in meinem vaterland nicht glücklich werden sollte, zu ihm und seiner Familie zurückzukehren. Und bei Gott, Innia! es scheint, ich werde dieses Versprechen halten!
In den wenigen wehmütig frohen Tagen, die wir noch mit einander zubrachten, wurden alle Anstalten zu unserer Abreise gemacht. Fritiger und sein Neffe Kattwald besorgten uns ein Schiff, und die geschicktesten Ruderer, die sie unter ihrem Stamme fanden. Evadnens Herz wurde in seltsamen Widerspruch aufgeregt, als sie