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den Barbaren zu widersetzen, abzubringen, und zur Flucht zu bereden war, sah ich mich, nachdem er alle waffenfähigen Männer mit sich genommen hatte, mit ein paar alten Sclaven und meinen Weibern ganz allein. Mir war diese Lage nicht unerwartet, ich hatte sie vorher sehen können, und war darauf vorbereitet. Ich kann nicht sagen, dass ich sehr erschrocken oder verwirrt gewesen wäre; denn mein Vorsatz war gefasst. Ich liess meine Leute zu mir kommen, stellte ihnen die Lage der Dinge vor, und überliess es ihrer Wahl, was sie tun, ob sie den Ausgang des Gefechtes abwarten, oder sich noch in zeiten retten wollten. Ich selbst erklärte für mich, dass ich bis zum entscheidenden Augenblicke meinen Gemahl und die Villa nicht verlassen, und mich nur in der höchsten Not durch die Flucht retten würde. Nachdem ich ihnen dieses verkündet hatte, ergriffen Einige die Flucht auf der Stelle, Einige verbargen sich in dem Garten, Einige blieben im haus, unter ihnen Melyte, die schönste und jüngste meiner Sclavinnen, indem sie, verführt durch allerlei Gerüchte, dass die Goten nichts weniger als unempfindlich gegen die Schönheit wären, und manches gefangene Mädchen ein glänzendes Glück bei ihnen gemacht habe, nichts befürchtete. Ich versuchte vergebens, ihr die Torheit dieser Hoffnung begreiflich zu machen; sie beharrte auf ihrem Entschluss, und von allen meinen Leuten blieb nur eine einzige, die treue Evadne, bei mir. Mit dieser begab ich mich in eines der Gartenhäuser, von wo aus uns im schlimmsten Falle die Rettung auf das Feld, und dann durch Auen und Gebüsche, die ich wohl kannte, bis zu einem eine Stunde weit entlegenen dorf offen stand. Wir zogen männliche Sclavenkleider an, steckten einige Kostbarkeiten, und jede ein kurzes Schwert und einen Dolch zu uns, und so harrten wir, betend in banger Erwartung, der Entscheidung unsers Schicksals. Ein alter Sclave gab uns von Zeit zu Zeit Kunde von dem Gefecht, das länger zweifelhaft blieb, als ich Anfangs gedacht hatte. Endlich überzeugte uns die schreckliche Nachricht, dass mein Gemahl mit den meisten seiner Leute erschlagen sei, und nur einige Wenige sich durch die Flucht zu retten suchten, von unsrer drohenden Gefahr. Trotz aller Leiden, die meine Verbindung mit Demetrius über mich gebracht hatte, erschütterte mich sein Tod doch auf's Aeusserste, ich brach in Tränen aus, und wollte auf's Schlachtfeld, zu sehen, oh noch Rettung, noch Hoffnung für ihn übrig war. Meine Leute hielten mich ab, sie stellten mir die Gefahr, ja die Unmöglichkeit des Schrittes vor, sie drangen in mich, zu entfliehen. Ich folgte ihnen zuletzt. Wir entflohen, und kamen glücklich beinahe eine Viertelstunde weit durch das Dickicht fort. Wie mir damals war, kann ich nicht sagen. Tausend schmerzliche Gefühle strebten in meiner Seele empor, aber das mächtigere der gegenwärtigen Gefahr hielt sie alle nieder, und richtete alle meine Gedanken nur auf den einzigen Punkt meiner Rettung. Schon singen wir an einige Hoffnung zu nähren, als plötzlich einige Barbaren, die sich während des Gefechts in der Gegend zerstreut hatten, uns von der Seite überfielen. Flucht war unmöglich; wir suchten uns also zu wehren, so lange wir konnten. Noch begreife ich nicht, woher mir diese Entschlossenheit kam. Es war nicht der Mut der Verzweiflung, denn ich behielt eine ziemlich klare Ansicht meiner Lage; aber ich schreibe sie zuerst der Güte Gottes zu, der ja jedes Wesen mit den zu seiner Erhaltung nötigen Gaben ausgerüstet hat, und dann, meiner geringen Furcht vor dem tod. Ich fühlte wohl, dass uns die Barbaren schonten, dass sie uns lebend zu fangen trachteten; das gab mir Zuversicht. Aber was sind weibliche Kräfte, und ein Arm, ungeübt, das Schwert zu führen? Ungeduldig und erzürnt über meinen fruchtlosen Widerstand zückte der Gote seinen Säbel, und haute nach mir. Ich glaubte den Todesstreich zu empfangen, aber er wollte mich vermutlich nur wehrlos machen. Sein Streich traf meine Wange, die sogleich heftig zu bluten anfing, und wie ich erschrocken mit der Hand darnach fuhr, entriss er mir leicht das Schwert, an das ich in der Bestürzung nicht gleich dachte. Evadne schrie laut auf, da sie mich bluten sah, und warf ihr Schwert weg, um mir zu helfen. Ich winkte ihr, uns nicht durch übertriebene Sorgfalt zu verraten; sie schwieg, aber ich sah Tränen in ihren Augen, und dieser Anblick gab mir mitten in meiner traurigen Lage ein angenehmes Gefühl. Jetzt fielen die Goten über uns her, und banden uns die hände; aber indess sie noch damit beschäftigt waren, nahte sich ein zweiter Haufe zu Pferd, an dessen Spitze ein Mann von edlem Ansehen ritt.

Sie sprengten auf uns zu, sie sprachen unter einander, sie sahen uns öfters an, wir konnten sehen, dass wir der Gegenstand ihres Gespräches waren. Endlich näherte sich uns der Anführer, er liess unsere Bande auflösen, und sagte uns in gebrochenem Griechisch, indem er uns als Knaben anredete, unser Mut hätte ihm gefallen, er wolle uns nicht binden lassen, er traue unsrer Ehrlichkeit, wir sollten ihm zu den Schiffen folgen. Jetzt war Alles verloren, und unser los das schlimmste, das uns treffen konnteGefangenschaft. Meine einzige Hoffnung, meine einzige Rettung bestand noch in dem Dolche, den ich auf's sorgfältigste zu verbergen mich bestrebte. Man führte uns zu den Schiffen. Der