Freude, als sich nur in einen Gruss legen lässt, und ergötzte mich an dem Umsehen, Emporblicken und Flistern der Menge, die dieses Zeichen meiner genauern Bekanntschaft mit dem Helden des Tages aufmerksam gemacht hatte. Nach einer Stunde kam mein Vater vom Augustus zurück, auch er war erfreut über die Auszeichnung, die seinen Gastfreund ehrte. Er rühmte den gütigen Empfang des Augustus, Agatokles bescheidnes kluges Betragen, und kündigte ihn mir als Gast zur Tafel an.
Wie ein Blitzstrahl fuhr mir der Gedanke durch den Kopf, den heutigen Tag und Agatokles wohlverdienten Ruhm durch ein kleines fest zu feiern. Gedacht – getan! Ich liess meine Mädchen, und die jüngsten Sclaven meines Vaters rufen, ich unterrichtete sie, so gut sich in der Eile tun liess; unser grosser Gartensaal ward zum Schauplatze eingerichtet, und Alles recht hübsch geordnet. Noch vor der Essenszeit zog mich ein Geräusch an's Fenster – er war es. Ohne den Prunk, der ihn zuvor umgeben hatte, zu Fuss, nur von einem Sclaven begleitet, kam er auf unser Haus zu; aber das Volk lief ihm nach, und begleitete ihn mit Freudensbezeigungen bis beinahe in's Atrium. Hier empfingen ihn mein Vater, mein Bruder und ich mit einer herzlichen Freude, in die sich – unwillkührlich etwas Feierliches mischte. Er gab sich, in dem frohen Gefühle, unserer Freundschaft hin; er war heiter, gesprächig, sogar munter. O wie liebenswürdig, wie g e f ä h r l i c h könnte d e r Mann sein, wenn er immer so heiter wäre! Nun, zum Glücke für uns arme leichtsinnige Geschöpfe, die nicht so glücklich sind, Larissen zu sein, kommt er nicht alle Tage als Siegesbote, und so ist auch keine Gefahr, dass er alle Tage so liebenswürdig sein wird.
Nach dem Essen entschlüpfte ich unbemerkt, und nachdem Alles veranstaltet war, liess ich meinen Vater und ihn in den Gartensaal rufen. Auch für meinen Vater war mein kleines fest eine Ueberraschung, um desto besser gelang es, und ich glaube, dass alle Parteien gleich vergnügt auseinander gingen. Als ich zu Agatokles trat, ihm den Kranz aufzusetzen, sah ich ihn unwillkührlich zurücktreten, und eine brennende Röte überflog sein Gesicht. Er hielt meine Hand zurück, aber ich liess mich nicht stören, und während meine Mädchen sich in lieblichen Stellungen schwebend und tanzend um ihn gruppirten, wand ich ihm das Siegeszeichen in die Locken. So stand er bekränzt und betroffen vor mir, und dankte mir mit einem Blikke und Ton, der mir meine kleine Mühe so vergalt, wie ich sie vergolten zu haben wünschte, und – zeihe mich immer heimlicher Listen und Absichten – durch mein fest vergolten haben w o l l t e .
Wir gingen in den Garten, mein Vater wurde abge
rufen, ich blieb allein mit Agatokles. Er war nicht ohne Verlegenheit, das sah ich – es freute mich, und erhielt mir meine ganze Unbefangenheit. Das muss sein, wenn ich nicht auf der Stelle den erhaltenen Gewinn verlieren, und wieder auf dem platz mit ihm stehen will, auf dem ich vor seiner Ankunft stand. Er muss zu denken, auszulegen, zu enträtseln haben, wenn ich meine Absicht erreichen will, nicht ich – wir müssen Rollen tauschen. Unsere Unterhaltung war eine Weile einsylbig, dann aber desto lebhafter, und obwohl sie beständig in den Schranken zwangloser Freundschaft blieb, war ich doch ganz wohl mit dem Erfolge des Tages zufrieden, und sah ihn ruhig Abschied nehmen, als er, zum Augustus berufen, dem unwillkommenen Befehl ziemlich unmutig gehorchte.
So stehen nun die Sachen. Die nähere Beschrei
bung des Festes, und eine Zeichnung, die ich bis jetzt nur entworfen, und nächstens auszuführen im Sinne habe, bringe ich dir selbst mit, sobald meines Bruders Geschäfte ihm erlauben, mich zu dir zu begleiten. Der Entwurf ist gelungen, ich hoffe, die Vollendung soll es auch werden. Aber nun auch kein Wort weiter. Die Sonne ist längst hinab, und die Dämmerung macht alle Buchstaben vor meinen müden Augen verschwinden. Schlaf wohl!
48. Teophania an Junia Marcella.
Nicäa, im September 302.
Mit welchen Empfindungen, geliebte Freundin! wirst du dieses Blatt in die Hand nehmen, das dir Nachricht von dem Leben, von dem Schicksale eines Wesens gibt, dessen Tod deine Freundschaft seit acht Monaten als gewiss beweint hat? Ja, ich lebe noch! Es hat der Vorsicht gefallen, mein Dasein auf eine unverhoffte, wunderbare Weise zu erhalten; aber ich würde mich dieser wunderbaren Fügung durch eine Falschheit unwürdig machen, wenn ich sagen wollte, dass ich sie für ein Glück erkenne, und jetzt in dieser Lage, in der ich mich befinde, mein verlängertes Leben für ein wünschenswertes Gut halte. Ich kann mir die tausenderlei Empfindungen und fragen vorstellen, die sich aus deinem liebevollen Herzen nach meinen Schicksalen, meiner Erhaltung, meinem jetzigen Zustande hervordrängen; aber da ich sie nicht alle zugleich beantworten kann, so genüge dir indess zu wissen, dass ich gesund und ruhig bin, dass ich zu Nicäa im Schoosse einer sehr rechtschaffenen Familie bei Heliodors Bruder, dem achtungswürdigen Lysias, lebe, und – lass mich nun langsam und ordentlich die sonderbaren Zufälle erzählen, die mein Leben erhielten, und bis jetzt
In jener Schreckensnacht, als plötzlich ein grässlicher verwirrter Lärmen die Bewohner unserer Villa aus dem Schlafe aufschreckte, und Demetrius durch kein Flehen von seinem Vorhaben, sich