. Sie waren hart, aber gross und erhebend. Constantin, kaum von seiner Wunde so weit hergestellt, dass er die Bewegung des Reitens vertragen konnte, Tiridates zu Pracht und Wollust erzogen, selbst Galerius, den Alter und Würde von den grösseren Beschwerden des Kriegesdienstes freisprach, trugen, duldeten und entbehrten, wie die gemeinsten Krieger. Ihr Beispiel ermunterte das Heer, und willig und mutig folgte der Soldat dem Führer, der nichts vor ihm voraus hatte, als die grössere sorge für die ihm untergebene Schaar. Es war ein römisches Heer, es war eines Imperators, würdig der vergangenen bessern zeiten, und freudig erhob sich der Geist im Anblick dieser kräftigen Gemüter, dieser Anstrengungen zu einem grossen Zweck, dieses Verschwindens kleiner Absichten vor dem gemeinen Wohl. Mit achtung und Freude sah ich Tiridates handeln, mit Ehrfurcht und Liebe meinen Constantin, mit Bewunderung den betagten Cäsar.
Ein empfängliches Gemüt wird durch solche Beispiele unwiderstehlich hingerissen, und oft erwachen Kräfte in ihm, die er vorher selbst nicht kannte. So gross ist die Macht des Guten und der Tugend! Kundschafter hatten das persische Heer von unsrer Annäherung unterrichtet, es wandte sich uns eilig entgegen, aber es vermutete uns nicht so nahe. Unbesorgt um eine Gefahr, die sie entfernt glaubten, schlugen sie in der Nacht ihre Gezelte auf, und ruhten von den Beschwerden zweier Tagemärsche aus. Dies hatte Galerius erwartet. Ein Angriff in, der Nacht ist für die Perser eine halbe Niederlage1. Ihre Pferde stehen abgesattelt, angebunden, sie selbst, mit dem Tross und Geschleppe der Bequemlichkeit und Wollust im Lager überhäuft, können sich nicht frei bewegen. Constantin erhielt den schwersten Posten. Ihm den grössten teil des Ruhms zu lassen, war der schöne Vorwand, unter welchem der Cäsar ihm wenige Stunden vor der Schlacht seine Instruction übergab; vielleicht mochte eine gehässigere Absicht zum grund liegen. Beim Einbruche der Nacht nahte sich Constantin schweigend und ernst, wie sie, von einer kleinen treuen Schaar, die er sich selbst erlas, begleitet, dem Lager der Perser. Wir erstiegen den leichten Wall, der es umgab. Niemand hörte uns. Die äussern Wachen fielen lautlos unter unsern Streichen; mit Besonnenheit und Vorsicht drangen wir vorwärts, als jetzt auf zwei Seiten, der Verabredung gemäss, Tiridates und Galerius mit wildem Getöse von Aussen das Lager stürmten. Auf einmal war Verwirrung und Lärmen allgemein, und die Perser, die sich nur gegen einen äussern Feind verteidigen zu müssen glaubten, sahen ihn auf einmal in ihrer Mitte. Die Niederlage war vollkommen. Das ganze Lager, alle seine Schätze, eine Menge Gefangener, und unter diesen die Frauen des Narses wurden unsre Beute. Narses selbst entkam verwundet und nur mühsam den Händen des kühnen Tiridates, der ihn wütend verfolgte. Erst der anbrechende Tag zeigte unsern ganzen Sieg, die ganze Niederlage der Perser. Aber auch von den Unsrigen waren viele gefallen. Der Tribun der Cohorte, unter der meine Centurie stand, sank an meiner Seite; ich übernahm seine Stelle in der entscheidenden Nacht. Am Morgen gefiel es meinen gefährten, mich auf dem Wahlplatze zum Tribun zu erwählen. Ihr zeugnis war ehrenvoll. Constantin erhielt vom Cäsar, den Siegeslust und gestillte Rache milder machten, die Bestätigung dieser Wahl, und den Vorzug für mich, als Siegesbote nach Nikomedien gesandt zu werden.
So bin ich mitten in der vorigen Nacht, wenige Tage nach dem Gefecht, in ununterbrochenem Jagen hier angekommen. Der Kaiser liess mir befehlen, öffentlich einzuziehen, und schickte eine Abteilung der Jovianer2, Offiziere und Soldaten in schimmerndem Schmucke, um mich abzuholen, und zu begleiten. Ich bin kein Freund von öffentlichen Schaustellungen; diesmal indess benahm die allgemeine Wichtigkeit der Botschaft diesem Auftrag einen teil seiner Unannehmlichkeit. Ganz Nikomedien hatte sich vor die Tore und in die Strassen ergossen, um den Siegesboten zu sehen; mancher Jugendgespiele, mancher alte Bekannte, den Freude und Neugier herbeigelockt hatte, bewillkommte mich freundlich unter dem frohlockenden Haufen, der dem Augustus und dem siegreichen Cäsar laut zujauchzte. Mein Herz war erweitert und angenehmen Eindrücken geöffnet. Von der Terrasse3 ihres Hauses begrüssten mich Calpurnia und ihr Bruder. Eine seine Röte überzog ihr Gesicht, als ich ihren freundlichen Gruss mit achtung und Freude beantwortete. Mir war wohl, ich gab mich dem schönen Zauber hin, der mich umfing, bis im Palast des Kaisers die orientalische Despotenpracht mein Herz beklemmend einengte. Ich kam von einem römischen Heere, gesandt von einem Imperator, der, würdig der bessern Vergangenheit, nichts als der erste Krieger seines Heeres war – ich war Zeuge, Genosse jener Anstrengungen und Entbehrungen gewesen – und wie eine Last drückte das goldne Getäfel, die schimmernden Wände, die Pracht, die sich um einen Einzigen hier auftürmte, auf meinen Geist. Die Gegenwart des Proconsuls im Gemache des Kaisers verschaffte mir eine Art von Erquickung. Der Augustus hörte mich g n ä d i g an, und ich muss mir gestehen, dass der durchdringende Verstand, das scharfe Urteil, die vollkommenen Kenntnisse, die er in diesem gespräche äusserte, mir unwillkührlich achtung abzwangen, und mich zum teil meinen Widerwillen gegen seinen Hochmut vergessen machten.
Sehr verbindlich erkannte er meine Beförderung zum Tribun an, und fügte noch ein kostbares Geschenk hinzu. Warum musste er das tun? Warum müssen die Grossen jeden Dienst, der dem Vaterland geschah, a b z a h l e n , und mit einem Geschenk, das, wie gross es auch für den Beschenkten sein mag,