eine Stadt am rechten Ufer des Euphrats. Die Schlacht, welche hier beschrieben wird, findet sich beinahe mit allen Umständen der wirklich geschichtlichen Personen (Constantin ausgenommen) in dem 13. Kap. von Gibbons geschichte. Dass ich sie von dem Jahre 296 auf 302 verlegt habe, wird man in einem Romane wohl verzeihen. 2 Geschichtlich. 3 Geschichtlich. 4 Spoilae optimae, wurde die Rüstung des feindlichen Heerführers genannt.
45. Constantin an Eneus Florianus.
Hierapolis, im Junius 302.
Vielleicht hat das tausendzüngige Gerücht meinen geehrten Vater, und dich, meinen väterlichen Freund, mit dem Unglücke und der Niederlage unseres Heeres bekannt gemacht, ehe dieser Brief den weiten Raum zwischen den Ufern des Euphrats und der Tamasis zurücklegt. Auf jeden Fall werden die amtlichen Berichte des Diocletian und Galerius meinen Vater schon weitläufig von allen Umständen dieser unseligen Begebenheit unterrichtet haben; ich entalte mich also aller näheren Beschreibungen. Und die Ursache unseres Unglücks? Die Unzufriedenheit der Offiziere und Soldaten flistert sie sich leise in's Ohr. Ich werde sie Niemand nennen, als meinem Vater und dir, denn nur Ihr kennt mich so, dass natürlicher Widerwille gegen einen heimlichen Feind die stimme der Billigkeit nicht in mir übertäubt. Ich war Zeuge, Teilnehmer der Schlacht. Nur ein stürmisch heftiges Gemüt, wie Galerius, konnte durch das Andenken an alte Schmach so erhitzt werden, um mit einem ungleich schwächeren Heere und in ungünstiger Stellung anzugreifen. Jetzt bereitet der stolze Perser die schimmernden Gezelte weit diesseits der Gegend aus, wo vor einem rechten Ufer des Euphrats.
Diocletian, der sich zu Anfang des Feldzugs in Antiochien aufhielt, ist jetzt nach Nikomedien zurückgegangen. Er hat den Cäsar die ganze Schwere seines Zornes fühlen lassen1. Zu Fuss – im Purpur, der in diesem Augenblick den Stachel des Schimpfes schärfte, musste der stolze Galerius eine Stunde weit dem Wagen des Kaisers folgen. Es wäre töricht und anmassend von einem Jünglinge, das Verfahren verständiger Greise, deren gemeinnützige Klugheit achtzehn glückliche Jahre bewährt haben, laut tadeln zu wollen. Doch kann ich nicht bergen, dass mir diese ausserordentliche Bestrafung, die mehr von einem Durst nach Rache, als einer weisen Absicht zu bessern zeigt, nicht in Diocletians gewöhnlichem Charakter zu liegen scheint. Entweder hat ihn seine Kränklichkeit reizbarer gemacht, oder es hat der List und den Ränken gelungen, die langgenährten Funken der Zwietracht endlich in eine helle Flamme ausbrechen zu machen. Galerius ist schlau und stolz genug, um seine Demütigung mit Gelassenheit zu ertragen, und vor der Welt durch Unterwerfung unter den Willen seines Augustus sie als eine väterliche Züchtigung minder entehrend scheinend zu machen. In ihm kocht Rache und Wut. Er hasst den Augustus, er hasst auch mich, und ich kann Diocletian eben so wenig lieben, wie er. So stehen wir einander entgegen, Jeder gerüstet, Jeder misstrauisch, Jeder im Andern seinen Untergang befürchtend.
In solchen Verhältnissen ist der Gewinn eines offenen treuen Freundes grösser und bedeutender als je. Ich habe mir einen erworben. Es ist ein junger Nikomedier, den ich im haus des Bischofs kennen lernte. Sein Aeusseres, der Geist, der sich in seinen Reden zeigte, gewann ihm meine achtung; jetzt hat im genauern Umgange seine Denkart meine Liebe erworben. Er ist auf dem Wege, ein Christ zu werden, in seinem kopf ist Raum für viel umfassende Plane, in seiner Brust Liebe und Mut genug, sie auszuführen. Ich suche ihn an mich zu ketten. Doch wozu dies absichtsvolle Wort? Unsre Herzen finden und verstehen sich von selbst. In der letzten Schlacht hat gleiche Gefahr im Sturm des Gefechts unsern Freundschaftsbund, wie ich hoffe, unauflöslich geknüpft. Er ist mein, ich sage es mit Stolz und Liebe, ich habe ihn mir erworben, und ich glaube in jedem Fall auf ihn zählen zu können.
Noch muss ich meinen Vater und dich um Nachsicht bitten, dass dieser Brief so spät, so lange nach den Gerüchten der Schlacht vor Euch kommen wird. Ich war verwundet, nicht beträchtlich, doch so, dass es mich einige Zeit im Schreiben hinderte. Dieser lange Brief und meine Versicherung sollen Bürge für meine vollkommene Herstellung sein.
Fussnoten
1 Die Hauptzüge dieser Begebenheit sind ganz nach Gibbon.
46. Agatokles an Phocion.
Nikomedien, im August 302.
Du wirst erstaunen, mitten im Laufe des krieges, wo du mich beim Heere vermutest, einen Brief von mir aus Nikomedien zu erhalten. Ich bin seit gestern hier, und erwarte alle Augenblicke abgesandt zu werden. Eine seltsame, eine glänzende Reihe von begebenheiten hat sich in den letzten Tagen zusammengedrängt, und mich aus dem Dunkel meiner Lage hervorgerissen. Dir zu erzählen, wie rasch, wie erschütternd, wie erhebend Alles auf einander folgte, soll die Beschäftigung meiner Musse sein, während ich in einem Gemache des kaiserlichen Palastes auf meine Abfertigung warte.
Eingedenk der erlittenen doppelten Schmach sann Galerius im finstern Gemüt darauf, durch einen entscheidenden Schlag dem übermütigen Perser die verspottete Macht der römischen Heere, und dem ungerechten Augustus den Wert desjenigen, den er straflos beleidigen zu können geglaubt hatte, mit nie empfundenem Nachdruck zu zeigen. Er entwarf einen kühnen, aber grossen Plan. Menschenleben und Forderungen der natur kamen nicht in Anschlag: sein Weg ging über sie hin. Durch Sandwüsten und unwirtbare schen und erstaunenswürdiger Eile bis in die Gebirge Armeniens, und stand auf einmal weit über und hinter den nichts ahnenden Persern jenseits des Euphrats. Die Erfahrungen dieses Marsches werden mir ewig im Gedächtnisse bleiben