? – Ich ging um die Mittagsstunde mit Chromis unter dem Vorwande, zu versuchen, ob ich nicht im Meere baden könnte, an's Gestade hinaus. Ein paar Sclavinnen begleiteten uns, weil man Chromis längst misstrauete, und sie nirgends allein mit mir hingehen liess. An der schattigen Bucht, die uns in wärmern Tagen oft zu einem angenehmen Badeplatze gedient hatte, liess ich, wie gewöhnlich, die Mädchen warten, und ging mit Chromis tiefer hinein. Man ahnete nichts, und liess uns gehen. Aber am Ufer des Meeres lag ein Kahn, und in dem Kahn war ein Schiffer – Ach, Calpurnia! Welcher Schiffer! Vermummt, und jedem Auge unkenntlich konnte er doch das Auge der Liebe nicht täuschen. Ich sprang in's Schiff – ich lag in seinen Armen. Mit unbegreiflicher Stärke ruderte er allein den Kahn mit mir und Chromis durch die strudelnde Brandung, und brachte uns an das grössere Schiff, das nicht weit davon hinter einem Felsen lag. Hier erst wagte ich es, mich meiner Rettung zu freuen. Hier erst fühlte ich, was ich ihm dankte, und wie mein ganzes Wesen, meine Freiheit, mein Leben, mein Glück sein Werk, das Geschenk seiner Hand war. Schön und lieblich war bisher, der Jahreszeit ungeachtet, unsere Fahrt. Wir haben Corint ohne das mindeste Ungemach erreicht, und dieser glückliche Anfang soll meinem Herzen ein Zeichen von der dauernden Gunst der Götter sein. Morgen gehen wir schon von hier weg. Ein Schiff, das nach Nikomedien bestimmt ist, liegt segelfertig im Hafen, wir werden es besteigen, und bald hoffe ich dir aus dieser Stadt zu schreiben, wie glücklich ich bin, und wie ich Agatokles gefunden habe, der jetzt dort sein soll.
Fordere nicht, meine teure Freundin! dass ich dir eine Beschreibung der merkwürdigen Stadt und des heiligen Istmus gebe, auf dem ich mich jetzt befinde. Für tausend Reisende mag das sehr wichtig sein, mir ist es nichts. Ob ich auf einer wüsten Insel, oder in Corint lebe, ist mir gleichgültig. Genug, ich lebe mit Tiridates; er ist meine Welt, und in dieser versunken, verloren, was kümmert mich das Treiben der Menschen um mich? Was vollends die Geschichten verflossener Jahrhunderte? Aus Nikomedien hoffe ich dir etwas Bestimmteres über mein Schicksal sagen zu können. lebe' wohl!
32. Junia Marcella an Larissa.
Apamäa, im Nov. 301.
Dieser Brief, meine geliebte Freundin! wird kaum ein paar Tage vor unserm Lehrer und Freunde Apelles bei dir eintreffen. Endlich haben es seine Geschäfte erlaubt, den längst versprochenen Besuch bei dir abzulegen. In einer Rücksicht kommt er nun freilich zu spät; er wird dich in deiner Einsamkeit zu Trachene, und nicht in der gefährlichen Nähe eines allzugeliebten Freundes finden. D a s ist Fügung der Vorsicht, meine Teure! Hierin erkenne ich ihren Finger, nicht in den kleinen Zufällen, die sich vereinigten, oder für dich zu vereinigen s c h i e n e n , um ein verhältnis fortdauern zu machen, das zu gefährlich war, als dass du dich lange hättest darüber täuschen können. Auch hier sah Agatokles schärfer und weiter, als du. Seine Ungleichheit, sein Trübsinn, über den du klagtest, war nichts anders, als klare Einsicht in eure Lage, und zarte Schonung für dich, die er zu warnen nicht kalt genug war. Nun, ihr seid getrennt, die Vorsicht hat sich eurer erbarmt, und wie ein gütiger Vater die hülflosen Kinder gerettet, die ohne seine Einwirkung verloren waren. Lass uns ihr dafür innig und herzlich danken. Ich habe es mit Teophron und Apelles getan, macht, um deinem wunden Gemüte Beruhigung und Trost zu bringen. Er wird dir manches erzählen, was hier vorgefallen ist. Es steht bei weitem nicht mehr so, wie es vor vier Jahren stand! Galerius Hass gegen die Christen hat viele Leiden über unsere Brüder verhängt. Es ist beinahe jetzt ein Verbrechen, ein Christ zu sein, oder wenigstens ein Grund zu tausend Nekkereien. Daher sind Einige ausgewandert, die Meisten halten sich verborgen. Es gibt nun mehr, wie sonst, Unglückliche zu trösten, arme zu unterstützen, und viele Gelegenheiten, wodurch Einfluss, Geld und Verbindungen den Bedrängten zu hülfe geeilt werden muss. Ich tue, was ich kann, und was die Pflichten gegen meine Kinder erlauben; aber wie wenig ist, was ein Weib, eine witwe vermag, wo es darauf ankommt, ausser dem Umfang ihres Hauses, in den Verhältnissen der Welt zu wirken! Wie schmerzhaft, fühle ich dann den Verlust eines geliebten Gatten, den Gottes Ratschluss mir und seinen Kindern, so früh entriss!
Apelles wird Euch von Allem näher unterrichten, und Demetrius kann, wenn ihm das Beruhigung gibt, sich mit dem Gedanken aufrichten, dass er tausend Leidensgefährten hat, die des Cäsars wilder Hass, um ihres Glaubens willen, wie ihn, verfolgt, neckt, stürzt. Er wird euch auch noch mehr erzählen, und einen erhabenen Plan mitteilen, den der ehrwürdige strenge Heliodor – du wirst dich seiner wohl erinnern – entworfen hat. Die barbarischen Nationen umlagern von allen Seiten das römische Gebiet. Ihre ungezähmte Rohheit, ihre einfachen Sitten, gleichweit von unserer kultur und unsern Lastern entfernt, erregtem längst in Heliodors eifrigem, menschenliebendem Gemüte den Wunsch, diese wilden Naturen durch das Christentum auf einem edleren Wege zur Bildung zu führen. Nicht unsere Künste,