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was weisst du aus Asien? "Der Prinz ist auf dem Wege nach Italien." Nicht möglich! Warum? Weswegen? – Ich war aufgesprungen, und stand zitternd vor Chromis. "Fasse dich, meine Gebieterin!" sagte das gute Mädchen, und leitete mich zurück zu Meinem Bette. "Wie willst du den Verlauf meiner langen, langen Botschaft anhören, wenn die ersten Worte dich so erschüttern?" O sprich, sprich! Du tödtest mich durch dein Zaudern. Wo ist Tiridates? "Nicht weit von hier!" Was will er? Was soll ich? Er wird doch nichtnach dem, was vorgefallen ist – "Er kommt wahrscheinlich, um sich zu verteidigen, und die bösen Gerüchte zu widerlegen, die man sich über ihn erzählt." – Er kommt hierher? Ich soll ihn sehen? O ich kann nicht, ich kann nicht! – "Doch, meine Gebieterin! Du sollst ihn sehen, anhören, ihm verzeihen! – O du verzeihst ihm gewiss. Wer kann ihm denn zürnen, wenn man ihn sieht?" Du hast ihn gesehen? rief ich in der grössten Erschütterung. Wo ist erwo? Und ich sprang auf's Neue auf, und wollte hinaus eilen, als Chromis mich zurück hielt: "Erlaube mir, meine Gebieterin! dich an die Tageszeit, an deine Gesundheit zu erinnern. Die Sonne ist kaum aufgegangen, du bist leicht gekleidet, und wir sind allentalben beobachtet." Ich blieb stehen, aber Alles brannte und pochte in mir. Was soll ich denn tun? rief ich endlich halbweinend aus: Was hast du mit mir vor? – "Wenn du dich beruhigen, wenn du mich gelassen anhören willst, so will ich dir Alles erzählen." Was war zu tun? Diesmal musste die Frau der Sclavin folgen. Ich liess mich wie ein Kind von ihr leiten, und nun erzählte sie mir, dass man sie gestern Abends, als ich schon schlief, unter dem Vorwand, einer ihrer Verwandten warte im Gastof des Dorfes auf sie, dahin gerufen habe. Sie ging, und war sehr erschrocken, statt ihres Vetters, einen vermummten Unbekannten zu finden, der sie auf eine geheimnissvolle Weise in einen Winkel des Hauses führte, und sich ihr dort zu erkennen gab. Er war esmein Tiridates! mein Befreier, meine rettende Gotteit!

Er war gekommen, mich zu befreien, er hatte dem stürmischen Meer in dieser Jahreszeit Trotz geboten, und einen gefährlichen Plan entworfen, um mich zu retten. O fühle, fühle, Calpurnia! den Himmel, der in dem Gedanken liegt, so geliebt zu sein! und von einem Wesen, wie mein Tiridates! M e i n Tiridates! Ich sage es mit Stolz und Götterluster ist m e i n ! Du, Calpurnia! weisst nicht, was ich an ihm besitze; du warst nur seine Freundin, nicht seine Geliebte, seine Braut. Ich weiss, du achtest und liebst ihn; aber es ist nicht möglich, alle Tiefen dieses reichen, wunderbar ausgestatteten Herzens zu ergründen, wenn uns nicht die Hand der Liebe leitet. Wie er liebt, mit dieser Stärke und dieser Zarteit, dieser Kraft und dieser Hingebung, so liebt nur ein Mann und ein Mädchen zugleich. Er vereinigt beide Empfindungen in seiner Brust, er denkt wie ein Mann, und fühlt wie ein Weib. Er ist mir AllesAlles auf der Welt! Und ohne ihn? O weg mit diesem schrecklichen Gedanken! Ich habe genug gelitten! – Doch nein, nein! Ich habe nicht genug gelitten. So elend ich war, als Verdacht und Eifersucht meine Brust zerrissen, und sein Götter-Bild in dunkle Schatten hüllten, als der Leitstern meines Lebens verschwunden schienich war doch nicht unglücklich genug, um diese Seligkeit erkauft zu haben!

Und doch hat ihm mein Verdacht nicht ganz Unrecht getan. Er hat mir Alles bekannt, vor mir auf den Knieen liegend, das schöne Gesicht in meine hände verborgen, über die seine glänzenden Locken fielen, unendlich liebenswürdig in seiner Zärtlichkeit, unwiderstehlich in seiner Reue, hat er mir Alles erzählt. Ja, er war mir ungetreu; aber sein Herz wusste nichts davon, nur seine Sinnen waren bestrickt. O dies Herz, das reich genug ist, zehn alltägliche Geschöpfe aus seiner Fülle überglücklich zu machen, behielt Raum genug für seine bessere Liebe, während einige gemeine Seelen im Sonnenblicke seines Wohlgefallens nach ihrer Art selig herumgaukelten. Und doch klagte er sich an, doch hat er sich mit einer Strenge beurteilt, deren nur das zartfühlendste Weib fähig ist. O Calpurnia! Was war das für eine Scene? Nur um sie erlebt zu haben, lohnt es der Mühe, geboren zu sein! Wer s i e erfahren hat, kann nie ganz unglücklich werden, denn er war im Olymp, er hat seinen Lohn voraus, das Schicksal mag später mit ihm beginnen, was es wolle.

Vergib, Calpurnia, teure Geliebte, dass ich dir statt einer ordentlichen Erzählung Ausrufungen und Schilderungen meines Glückes schreibe! Du hast so treu und tätig meine Leiden geteilt, du hast das erste heiligste Recht auf jede meiner Freuden.

Mit Chromis, und nach ihrem Rate, hatte er nun den Plan entworfen, mich noch denselben Tag zu befreien, wenn ich einwilligen wollte. Und wie hätte ich nicht sollen, wie nicht k ö n n e n