1808_Pichler_085_44.txt

will. Ich weiss nichts, und kann also nichts, weder für noch wider ihn, behaupten; bis ich aber etwas mit Gewissheit erfahre, könnten diese Betrachtungen vielleicht beitragen, Sulpicien zu beruhigen, und zu verhüten, dass diese unglückliche Frau sich nicht vergeblich in Gram verzehre. Wenn sie wissen darf, dass du mir geschrieben hast, so sage ihr, dass mein Herz innig mit ihr fühlt, sie tief betrauert, und, selbst unglücklich, ihr Leiden wohl zu begreifen, und zu teilen versteht. Marcus Alpinus ist mir übrigens aus früheren zeiten als ein Mann bekannt, der mit einem durchdringenden verstand, durch den Umgang der grossen verderbten Welt, durch Wollüste aller Art und eine herzlose Kälte endlich dahin gekommen ist, an keine Tugend mehr zu glauben, und nichts für würdig und schätzbar zu halten, als was unsere Sinne auf irgend eine Art in angenehme Bewegung zu setzen vermag. Sein Urteil wird immer richtig sein, denn er ist sehr verständig; seine Ansichten aber sind es gewiss selten.

Noch habe ich einen Punkt zu berühren, den ich, so ungerne ich über dergleichen Dinge spreche, unmöglich übergehen kann. Du scheinst, meine edle Freundin! von meinem Schicksale unterrichtet zu sein; aber ich fürchte, es war nieder nur der Ruf, oder etwas dem ähnliches, der dir nicht ganz getreu berichtet hat. Ja, ich habe Larissen, die Freundin, die Geliebte meiner Jugend gefunden. Ein seltsames Verhängniss hat sie als die Gemahlin meines Feldherrn mir wieder gezeigt. Es würde töricht sein, und deines Verstandes spotten heissen, wenn ich behaupten wollte, sie sei mir gleichgültig. Nein, Calpurnia ich liebe sie noch, wie ich sie in meiner ersten Jugend liebte. Aber diese Neigung ist nicht, wie bei Sulpicien und Tiridates, hoffnungsvoll und gegenseitig. Larissa behandelt den Freund ihrer Jugend, der ihr Zutrauen nicht verwirkt hat, mit achtung und Freundschaft; aber Larissa und Demetrius sind Christen, ihre Religion weiht die Ehe zu einem unauflöslichen Bande, das nichts als der Tod trennen kann. Du siehst also, dass ich keine Hoffnung nähren darf. Bedaure mich, meine Freundin! aber spotte meiner nicht. Nur der glückliche kann dies ertragen.

Deinen nächsten Brief, wenn du mir die Freude gönnen willst, mich etwas von dir, den Deinigen und unserer unglücklichen Freundin wissen zu lassen, sende nach Nikomedien an meinen Vater. Er weiss immer am ersten und zuverlässigsten, wo ich mich befinde. Vielleicht bin ich sogar bis dahin selbst dort. Der heisse Wunsch, einem Verhältnisse zu entfliehen, das sich weder mit meiner Ruhe, noch meiner überzeugung verträgt, und die notwendigkeit, selbst mit Tiridates zu sprechen, wird mich ohne Zweifel bald dahin rufen. Nimm noch einmal den wärmsten Dank für dein Vertrauen, und die Versicherung, und die Versicherung, dass an jedem Orte, und in allen Verhältnissen Nachrichten von dir und den Deinigen meinem Herzen eine höchst willkommene Erscheinung sein werden.

28. Larissa an Junia Marcella.

Nisibis, im Oct. 301.

So ist denn keine irdische Freude von Bestand, und der Himmel, der sie uns, kaum empfunden, wieder entzieht, scheint uns immerfort zu ermahnen, dass wir hier nicht in unserer Heimat sind. Freundliche Gestalten begegnen dem Pilger, die schnell an ihm vorübergleiten, liebliche Gegenden eröffnen sich ihm, in denen er so gern verweilen möchteumsonst! das Schicksal treibt ihn fort, sein Bleiben ist hienieden nicht, und fern, fern von den reizenden Umgebungen, muss er durch ein dunkles grauenvolles Tal, um jenseits die sonnige Höhe zu erklimmen, von deren Gipfel der Kranz der Vollendung strahlt.

Ja, meine Junia! der kurze Frühlingsschimmer meines Glückes ist verschwunden. Trübe Wolken steigen herauf, und verfinstern den freundlichen Tag, in dessen holdem Lichte mein wundes Herz sich zu erholen anfing. Was noch aus mir werden soll, weiss nur Gott: aber, dass er es weiss, dass ich seiner Vaterhuld mein Schicksal getrost überlassen darf, das ist für jetzt, und wird wohl für immer meine einzige Beruhigung sein.

Demetrius fing an, sich nach und nach zu erholen. Er konnte das Bett wieder verlassen, und entwarf bedieses, und den Anfang des nächsten Feldzuges. Ich überliess mich sanften Hoffnungen von der Dauer meines Glückes, als auf einmal ein Befehl des Diocletian erschien, der meinem Gemahl in unsanften Ausdrükken die allzugewagte Stürmung von Nisibis vorwarf, und es ihm zum Fehler anrechnete, diese Tat, bei so weniger Hoffnung auf glücklichen Erfolg gewagt, und so viele Leute geopfert zu haben. Wenn du indessen wüsstest, wie es mit uns stand, wie das Heer von Unmut, Krankheit und Mangel aufgerieben, weit mehr dadurch verlor, als durch den blutigsten Sturm, wie geflissentlich man es ohne hülfe liess, wiedoch wozu dies Alles wiederholen, was ich dir doch nicht so umständlich beschreiben kann, und was jetzt nichts mehr nützt? Genug, mein Mann wurde des Befehls über seine Armee entoben. Seine hohen Jahre, seine Krankheit dienten zum bessern Vorwand, und Marcius Alpinus, der ein Liebling des Galerius, und vorher Tribun bei seiner Leibwache gewesen war, ist schon auf dem Wege, seine Stelle einzunehmen. Wie das meinen Mann schmerzt, wie es ihn, den kaum Genesenen, von Neuem niederwirft, sein Gemüt bitter, seine Stimmung reizbar macht, kannst du dir vorstellen; und dass Alles, was ihn umgibt, und ich zuerst darunter sehr leiden muss