gelassen bleiben, das ist schlechterdings unmöglich. Später oder früher muss die Maske fallen, die ich, widerstrebend und kämpfend, nicht länger zu tragen vermag. Und was kann, was wird für Larissen, für Demetrius, für mich daraus entstehen? Ich muss fliehen, ich muss! Sobald Demetrius so weit genesen ist, dass er dieser Unterredung fähig ist, bitte ich ihn ernst und dringend um meine Entlassung. Weigert er sie mir schlechterdings, dann ende ein Machtwort des Cäsars, das ich durch Tiridates schnell zu erhalten hoffe, den Kampf, der meine besten Kräfte verzehrt.
25. Calpurnia an Agatokles.
Rom, im Sept. 301.
Es ist schon so lange, mein verehrter Freund! seit du nichts von mir, und ich nichts von dir gehört habe, dass ich kaum bestimmt sagen kann, ob du mich noch im land der Lebendigen vermutest, oder schon im Elisium glaubst. Auch mir würde es so ergangen sein, wenn nicht der öffentliche Ruf ersetzte, was unserer losen Freundschaftsverbindung fehlt, und ich nicht durch ihn erfahren hätte, dass du lebst, und dich im Kriege mit Ruhm auszeichnest. Der Ruf spricht mit achtung von dir, und ich gestehe dir freimütig, dass ich ihm mit Wohlgefallen horche, wenn er mir von dem Gastfreunde unseres Hauses angenehme und ehrenvolle Dinge erzählt. Doch hätte ich weder Lust noch Mut, deinen Geist, der, so gewissenhaft zwischen h ä u s l i c h e r und kriegerischer Pflicht geteilt, den Lohn für diese in jener suchte, und f a n d , auch nur einen Augenblick von so anziehenden Beschäftigungen abzurufen. Dieser wahrlich gewissenhaften Rücksicht musst du es zuschreiben, wenn ich dich mit keiner Antwort auf deinen ersten und letzten Brief aus Nikomedien bemühen wollte. Du gingst, wie du mir schriebst, gleich zum Heere ab, und was man es auch. Jetzt aber fordert eine dringende Pflicht, die Pflicht der Freundschaft gegen eine edle unglückliche Frau, mich auf, alle anderen Betrachtungen aus den Augen zu setzen, und deinen Edelmut, deine Redlichkeit anzusprechen, um von dir hülfe, oder wenigstens Rat für deine Freundin zu erhalten.
Es ist mir sehr unangenehm, dass die Art meines Anliegens mir nicht erlaubt, weder dein Geschlecht überhaupt, noch deine Liebe für einen sonst schätzbaren Mann zu schonen, gegen den ich eben klagen muss. Schliesse aber daraus, welches Vertrauen ich auf dein strenges Pflichtgefühl, und deine vorurteilslosen Ansichten setze, indem ich mich ohne weitere Umschweife in dieser Sache an dich wende.
Du weisst, in welchem verhältnis Sulpicia und Tiridates standen, als dieser im Frühlinge Rom verliess. Ihre Ansprüche an seine T r e u e waren vollgültig, durch ihre grenzenlose Liebe und tausend Aufopferungen wohlverdient, ihre Hoffnungen auf seine Hand rechtmässig und gegründet, und durch heilige Eide versichert. So schied er von ihr, und liess sie in häuslichen Verhältnissen zurück, über deren Schwierigkeit und Unannehmlichkeit er sich unmöglich tauschen konnte, und an denen doch eigentlich seine Verbindung mit ihr Schuld war. Ein alltägliches geschöpf von Ehemann erniedrigt sie durch Verdacht und Auflauren, während ein harter Vater sie mit Vorwürfen quält, welche nur wirkliche Vergehungen rechtfertigen könnten, die aber in Sulpiciens Falle, wo bloss das Herz – doch wozu brauche ich dir ein verhältnis zu schildern, das du wohl kennst, und einst mit zu grosser Strenge gerichtet hast? Vielleicht denkst du jetzt auch über diesen Punkt milder, und spätere E r f a h r u n g e n mögen deine Ansichten verändert haben. Wie aber immer deine Denkart sein mag, so glaube ich, wirst du doch darin vollkommen mit mir übereinstimmen, dass Treue, ausschliessende anhänglichkeit, und festes Verfolgen des abgeredeten Planes, Bedingungen sind, die, wenn sie gehalten werden, nicht grosses Aufhebens, und wenn sie gebrochen werden, den allerstrengsten Tadel, ja gar keine Entschuldigung verdienen. Was soll also die unglückliche Sulpicia denken und fühlen, wenn sie von allen Seiten bestätigen hört, dass der leichtsinnige Tiridates, versunken in Asiens Wollüste, bestrickt von verführerischen Weibern, von Einer zur Andern gedankenlos flattert, und, von den Freuden des Hofes trunken, nicht Zeit hat, sich um so geringfügige Sachen zu bekümmern, als der Tron seiner Väter, und die Ruhe eines Herzens ist, das sich ihm ganz und willenlos geopfert hat?
Wie zerrissen dies schöne, edle Herz ist, wird dir der beigeschlossene Brief zeigen, den ich aus Bajä von ihr erhielt, wo ihre niedrigen Peiniger sie eingeschlossen halten, um ihr den letzten Trost, den Umgang mit mir, zu entziehen. Serran's kleiner Geist fürchtet meinen Einfluss, darum hat er seine Frau aus Rom entfernt; und Sextus Sulpicius sieht in mir nichts, als eine schlaue Mittlerin eines verbotenen Verhältnisses. Wie könnte auch seine grobgeschnitzte Seele, die an keine weibliche, ja an keine menschliche Tugend, als allenfalls den Patriotismus glaubt, sich zu dem Gedanken erheben, dass man einander wirklich lieben, und durch diese Liebe sich recht viel sein kann? Diese Lage allein wäre schon hinreichend für Sulpicien, das Mitleid und die Schonung der ganzen Welt aufzufordern, um wie viel mehr die allerzarteste Aufmerksamkeit desjenigen, für den, um dessentwillen sie so sehr leidet. Aber dieser leichtsinnige Königssohn vergisst ihrer im Arm asiatischer Hetären, und vermehrt ihre Qualen noch durch den scharfen Stachel, den seine Untreue, der Gedanke, so gewissenlos vergessen zu sein, in ihr zerrissenes Herz drückt.
Zwar will