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Harterzigkeit, Besonnenheit und Schutz verliehen? und warum eben m i r ? Und zu w e l c h e r Zukunft? O Phocion! dass ich nicht vor Nisibis gefallen bin!

Als ich in die Stadt drang, den kleinen Haufen, der übrig geblieben war, hinter mir, ereilte uns in höchster Angst ein Verwundeter, um mir zu sagen, Demetrius sei auf dem Marktplatz von den Seinen verlassen, von Feinden umringt, in Todesgefahr. Ich verliess ohne weitere Besinnung den Posten, den ich nach dem Plane hätte behaupten sollen, und eilte, den Gemahl Larissens zu retten. Die Vorsicht erhörte meinen Wunsch, der Feind ward zerstreut. Demetrius, der mit einer Tapferkeit, weit über seine Jahre, fast allein sich gegen eine ziemliche Anzahl Feinde gewehrt hatte, sank, als ich ihn erreichte, durch Anstrengung und Wunden erschöpft nieder. Ich hielt die eindringenden Feinde ab, bis eine Verstärkung der Unserigen kam, und das ungleiche Gefecht, und unsere Gefahr endigte. Demetrius ward in ein nahes Haus gebracht, und ein Offizier, auf dessen feines Gefühl ich mich verlassen konnte, abgesandt, um Larissen von dem Unfall zu unterrichten, und sie nach der Stadt zu geleiten. Sie kam sogleich. Demetrius empfing sie freundlicher, als ich ihn je gesehen hatte, und stellte mich ihr als seinen Retter vor. Phocion So sehr ich Larissen liebe, so war ich doch nie verblendet genug, um ihre Gestalt, die edel und anziehend ist, für schön zu halten. Aber in diesem Augenblicke, als sie mit offenen Armen, mit glühenden Wangen auf mich zuging, und im Angesichte ihres Gemahls ihre arme um mich schlug, mir zu danken strebte, und statt der Worte nur Tränen hatte, die heftig aus ihren Augen stürzten, da, Phocion! fand ich sie schön, unwiderstehlich reizend. Ich zitterte wie ein Verbrecher. Ein verzehrendes Feuer lief durch meine Adern, ich brannte, sie zu umfassen, sie fest an meine Brust zu drücken, ihr zu gestehen, was ich fühle. Ich durfte es nicht wagen! Ohne laut und Bewegung stand ich in ihren umschlingenden Armen, froh genug, dass ich den Sturm, der mein Innerstes durchtobte, zu verhehlen, und ihr und Demetrius die wilde Glut verbergen konnte, die mich durchdrang. Sie begriff mein Verstummen nicht, oder sie deutete es anderssie hat keine Ahnung von den Qualen, die seit diesem Augenblick mein Herz zerreissen.

Sicher im Bewusstsein der himmlischen Reinheit ihrer Gefühle, getäuscht durch die Schönheit derselben, nennt sie ihre jetzige Stimmung Dankbarkeit, schwesterliche Zuneigung, und überlässt sich ihr ohne Zwang und Rückhalt vor den Augen ihres Gemahls, der in väterlichem Wohlwollen gegen mich es gerne sieht, dass seine Frau dem Netter, ihres Gatten mit vorzüglicher achtung begegnet, und es natürlich findet, dass alte Bekannte, Jugendgespielen in tausend Kleinigkeiten einander weniger fremd sind. O Phocion! Welcher Frieden, welche Unschuld liegt in diesem Gemüte, das in der Freude, sich seinen Gefühlen überlassen zu dürfen, sich über alle Folgen derselben kindlich täuschend, auch nicht von fern vermutet, welche Leiden sie über mich häufet! Wenn sie, am Lager ihres Gemahls beschäftigt, mit der Sorgfalt einer Tochter ihm jeden Dienst leistet, jedem Wunsche zuvorkommt, und nach mancher unruhigen Stunde sich dann ermüdet mir gegenüber setzt, ihr blick mit unaussprechlicher Milde auf mir ruht, und ich an der stillen Zufriedenheit, die aus ihren Zügen strahlt, fühle, wie vergnügt sie meine Gegenwart macht, wie sie den Lohn ihrer Tugend, die Entschädigung für alle ihre Sorgen in einem freundlichen gespräche mit mir findet; wenn ich diese schöne Mischung von erhabenen Gesinnungen und kindlicher Einfalt, von stillem Mute und zarter Weiblichkeit sehe, die sich in allen ihren Reden und Handlungen äussert; wenn ich denke, was sie mir hätte werden können, und was sie nun istund dann im Gefühle, von ihr geliebt zu sein, gelassen ausharren, und die Flammen unterdrücken soll, die alle Augenblicke aus meiner empörten Brust hervorzubrechen scheinen: das, Phocion! geht über meine Kräfte. Ich fühle, ich kann es nicht langer mehr tragen, ich muss sie fliehen, wenn ich bei Sinnen, wenn ich mir selbst treu bleiben will.

Demetrius scheint noch eine Absicht damit zu verbinden, dass er mich beständig um sich hält. Ich müsste mich sehr täuschen, wenn er nicht den Plan hat, mich zum Christentum nicht zu überredenaber wohl, mir es durch eine genauere Kenntniss seiner Lehren und Gebräuche angenehmer und werter zu machen. Ich habe keine Vorurteile mehr dagegen, seit ich Larissens Denkart und die Lebensweise der Christen näher kennen gelernt habe. Ich achte sogar einige ihrer Sätze recht sehraber, einer der Ihrigen zu werdenso lange diese sekte noch so vielen, nicht ganz gehobenen Vorwürfen ausgesetzt ist, so lange mein Vater lebt, der sie hasst, würde ich mich schwerlich entschliessen. Es fehlt noch viel, bis ich volle überzeugung habe: und wer kann einen solchen Schritt ohne diese tun? Indessen habe ich einigen ihrer Ceremonien beigewohnt, manchmal mit Ehrfurcht, einige Male mit wahrer Rührung; und Demetrius, wenn das sein Zweck ist, hat ihn in so weit erreicht. Aber auch hierin liegt eine neue, unvermeidliche Gefahr für mich. Larissen beten zu sehen, Zeuge der Erhebung ihres Gemütes, der Verklärung ihres Wesens zu sein, zu wissen, dass sie für mich betet, und kalt und